Solar-Unternehmer äußern sich: Reiche will Solarförderung kürzen – das sagen Firmen aus St. Wendel

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Solar-Unternehmer äußern sich: Reiche will Solarförderung kürzen – das sagen Firmen aus St. Wendel

Solar-Unternehmer äußern sich Reiche will Solarförderung kürzen – das sagen Firmen aus St. Wendel

St. Wendel · Die Solarförderung soll sinken. Ab 2027 will der Bund kleine Dachanlagen schrittweise anders fördern. Saarlands Solar-Unternehmer sagen, ob jetzt ein neuer Altmaier-Knick droht.

28.08.2026 , 20:00 Uhr

 Photovoltaikmodule auf dem Dach eines Wohnhauses.

Photovoltaikmodule auf dem Dach eines Wohnhauses.

Foto: dpa/Marijan Murat

Gemischt sind die Gefühle, mit denen Verantwortliche von Solar-Unternehmen im Kreis St. Wendel den Plänen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche entgegensehen. Die Palette reicht von Gelassenheit bis Sorgen um die Zukunft.

Reiche mildert ihre Kürzungspläne ab

Grund: Die CDU-Politikerin will ab dem kommenden Jahr die Förderung von neuen privaten Solaranlagen deutlich reduzieren. Bislang erhielt ein Hausbesitzer, der auf seinem Dach Solarstrom erzeugt und ins Netz einspeist, 20 Jahre lang pro Kilowattstunde einen festen Betrag. Reiche hatte zunächst geplant, diese Einspeisevergütung für neue, kleine Solaranlagen komplett zu streichen. Da ihre Idee auf breite Kritik stieß, milderte sie ihren Vorstoß ab.

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Foto: AFP/SIMON WOHLFAHRT

Ab 2027 sollen über einen Zeitraum von drei Jahren die Subventionen für kleine Solaranlagen bis 25 Kilowatt nach und nach abgesenkt werden. Danach soll der Strom, den die kleinen Anlagen erzeugen, über einen Dienstleister an den Strombörsen verkauft werden.

Keine Angst vor einem neuen Altmaier-Knick

Dass es durch diese Gesetzesänderung zu einer Neuauflage des sogenannten Altmaier-Knicks kommen könnte, befürchtet Sascha Colic von CoCoSolar nicht. 2012 hatte der damalige Bundesumweltminister Peter Altmaier die Kürzung der Solarförderung vorangetrieben, was zu einem massiven Einbruch beim Ausbau der Photovoltaik führte.

Nach Ansicht des Unternehmers aus Tholey gibt es mehrere Gründe, warum sich dies nicht wiederholt. „Da ist zum einen die Gewissheit, mit den Solarzellen auf dem Dach unabhängig seinen eigenen Strom erzeugen zu können“, sagt er. Zudem mache man sich unabhängiger von steigenden Strompreisen und dem öffentlichen Netz.

Anlage amortisiert sich in zehn Jahren

„Eine Anlage hat sich in zehn Jahren amortisiert.“ Außerdem ist die Einspeisevergütung nach seinen Worten mittlerweile sehr gering. Seit August werden 7,70 Cent pro Kilowatt-Stunde bei einer Teileinspeisung von einer Dachanlage von zehn Kilowatt-Peak gezahlt, bei einer Volleinspeisung 12,22 Cent. Zum Vergleich: 2013, während der Amtszeit von Altmaier, gab es für eine eingespeiste Kilowattstunde von einer Kleinanlage 15,07 Cent, 2011 schlug eine Kilowattstunde mit 28,74 Cent zu Buche.

Für private Haushalte lohne sich die Anschaffung einer Solaranlage umso mehr, je mehr des produzierten Solarstroms selbst genutzt werde – etwa für das Laden eines E-Autos, elektrische Geräte oder die Wärmepumpe. Colic glaubt, dass nach einem Boom die Nachfrage etwas abflauen werde.

Nur ein Drittel der Kunden schaut auf Förderung

Ähnlich beurteilt Jens Klinger von Preis Solar in St. Wendel die Situation. „Ich denke, dass sich etwa 30 Prozent der Interessenten von Förderanreizen leiten lassen“, sagt er. 50 Prozent der Kunden lassen sich nach seinem Bekunden von solchen Motiven nicht beeindrucken. „Von den 7,70 Cent, die derzeit als Einspeisevergütung gezahlt werden, wird man wirklich nicht reich“, sagt er.

Demnach ist dem Klientel wichtig, dass Solarenergie sauber und unerschöpflich ist: Sie schone die Umwelt, senke die Stromrechnung und mache unabhängiger von fossilen Brennstoffen und steigenden Energiepreisen. Die übrigen 20 Prozent der Leute hätten aus unterschiedlichen Gründen kein Interesse an einer Veränderung ihrer Energieversorgung. Als Beispiel nennt er Senioren, die bei ihrem Stromanbieter und ihrer Heizung bleiben wollten.

Unabhängigkeit wichtiger als Fördergeld

Einen drastischen Einbruch wegen der wegfallenden Vergütung fürchtet auch Sergej Warkentin nicht. Der Geschäftsführer der Firma Enerix Saar-Pfalz in St. Wendel ist der Überzeugung, dass es für das Gros der Kunden wichtig ist, ihren eigenen Strom produzieren zu können, der sie unabhängig macht und zudem sauber und umweltfreundlich ist.

„Wir sehen das durchaus mit einer gewissen Sorge, aber ich würde nicht automatisch von einem zweiten Altmaier-Knick sprechen“, sagt Matthias Bick von der Bick Power GmbH in St. Wendel-Winterbach. Entscheidend wird nach seiner Meinung sein, dass der Übergang planbar und schrittweise erfolgt.

„Planbarer Übergang ist entscheidend“

„Photovoltaik ist heute wirtschaftlich wesentlich breiter aufgestellt als noch vor einigen Jahren, insbesondere durch Faktoren wie den Eigenverbrauch, die Kombination mit Speichern, Wärmepumpen, E-Mobilität und intelligenter Verbrauchssteuerung. Deshalb gehen wir nicht davon aus, dass der Markt dadurch kurzfristig einbricht“, sagt er und ergänzt: „Was wir aber vermeiden müssen, sind wiederholte politische Kurswechsel, die Privathaushalte bei ihren Investitionsentscheidungen verunsichern. Gerade bei kleinen Dachanlagen ist die feste Einspeisevergütung ein wichtiger Bestandteil der Kalkulation.“

Wenn dieser Baustein zu schnell wegfalle und gleichzeitig die bürokratischen Anforderungen steigen würden – sei es durch Direktvermarktung oder gar eine sogenannte Null-Einspeisung –, sieht er durchaus die Gefahr, dass viele Haushalte ihre Investitionen erst einmal zurückstellen.

Kleine Dachanlagen als tragende Säule der PV-Versorgung

„Das wäre für den weiteren PV-Ausbau wenig hilfreich, denn diese kleineren Dachanlagen bilden circa die Hälfte der Gesamtanlagenkapazität der PV-generierten Stromversorgung in der Bundesrepublik Deutschland. „Wir brauchen keine Dauersubventionierung der Photovoltaik – aber wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Wenn die Politik die Förderung reduzieren möchte, kann man darüber diskutieren. Sie sollte aber nicht gleichzeitig die Investitionssicherheit und die Wirtschaftlichkeit für den Verbraucher gefährden“, fordert der Chef des Unternehmens. (mar/kig)