„Aber dann meckern“: Vor allem Großeltern machen einen Fehler bei Neugeborenen

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„Aber dann meckern“: Vor allem Großeltern machen einen Fehler bei Neugeborenen

Stand: 01.09.2026, 20:33 Uhr

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Wer ein Neugeborenes im Arm hält, möchte es am liebsten abknutschen. Doch genau das kann Kindern schaden – körperlich wie seelisch.

Hamburg – „Küsse auf den Mund – das ist mir doch erlaubt als Oma.“ Diesen Satz haben sicher viele Eltern schon einmal gehört. Erziehungsexpertin Heike vom Heede bespricht ihn in einem Instagram-Video. Vor allem Großeltern, aber auch andere Verwandte, wollten Neugeborene und Kleinkinder wie selbstverständlich küssen und knuddeln. Auf Familienfeiern würden Babys oft in großer Runde herumgereicht, damit jeder sie einmal halten darf. Dass viele junge Eltern das inzwischen untersagen, hält vom Heede für richtig: „Das ist nicht erlaubt.“

Kleinkind

Kinder dürften nie zum Kuscheln gedrängt werden, sagt eine Erziehungsexpertin. (Symbolbild) © IMAGO / Cavan Images

Erziehungsexpertin: Körperkontakt ja – aber mit Grenzen

„Zärtlichkeit zwischen Eltern und Kindern ist wichtig – das Kuscheln, der Körperkontakt“, sagt vom Heede der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Die Familienberaterin arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Eltern und Kindern. Sie rät zu „Vorsicht beim Kuss auf den Mund“ und bezeichnet diesen als „Liebeskuss zwischen Erwachsenen“. Kinder müssten erst lernen, den Unterschied zwischen elterlicher Zärtlichkeit und erwachsenen Liebesbeziehungen zu verstehen. Auch das Kuscheln mit dem Baby sollte nur einem ausgewählten Kreis erlaubt sein – „und nicht jedem“.

Nie sollten Kinder zum Küssen oder Kuscheln gedrängt werden, betont vom Heede. „Knuddeln ist wichtig, aber nur, wenn das Kind das will. Manchmal ist es gerade nur der falsche Zeitpunkt.“ Mit zunehmendem Alter brauche es immer mehr Distanz, damit Kinder lernten, selbstbestimmt mit Nähe umzugehen. Kinder sollten lernen dürfen, sich abzugrenzen und einzufordern, dass ihre Grenzen akzeptiert werden.

„Aber dann meckern, wenn die Omas keinen Bock mehr haben“

Die Kommentare unter dem Instagram-Beitrag sind zwiegespalten. Eine Nutzerin beschwert sich, dass Omas ihre Enkel angeblich nicht mehr „kuscheln oder knutschen“ dürften – „aber dann meckern, wenn die Omas keinen Bock mehr haben, ihre Enkel zu besuchen“. Andere hingegen berichten von eigenen Erlebnissen: „Ich bin 56 und mir ist heute noch in Erinnerung, dass eine Tante mich immer in meine ‚süßen‘ Wangen gebissen hat … Ich fand das damals ganz furchtbar“, schreibt eine Person. Eine andere kommentiert: „Liebe und Wärme entstehen durch Nähe – das geht auch ohne Küsschen.“

Es gibt zudem handfeste medizinische Gründe, warum Küsse auf den Mund bei Babys vermieden werden sollten. Eine Nutzerin berichtet: „Durch Küsse auf den Mund von Oma hat eins meiner Kinder Herpes bekommen.“ Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) warnt: Bis zur achten Lebenswoche seien Säuglinge wegen ihres unreifen Immunsystems besonders gefährdet, wenn sie sich mit Lippenherpes ansteckten. Wer Herpes hat, sollte daher keinen Säugling küssen, den Schnuller des Babys nicht in den Mund nehmen und sich regelmäßig die Hände waschen. (Quellen: IQWiG, Instagram, eigene Recherche)