Absoluter Wohnungsnotstand! So viele Wohnungen fehlen NRW wirklich
wa.deNRWStand: 15.08.2026, 20:27 UhrKommentareUns auf Google folgenNordrhein-Westfalen leidet unter massivem Wohnungsmangel. Es fehlen hunderttausende Wohnungen, vor allem günstige. Auch die Rolle großer Konzer...
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Stand: 15.08.2026, 20:27 Uhr
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Nordrhein-Westfalen leidet unter massivem Wohnungsmangel. Es fehlen hunderttausende Wohnungen, vor allem günstige. Auch die Rolle großer Konzerne sorgt für Streit.
Hamm – In Nordrhein-Westfalen fehlen hunderttausende Wohnungen – vor allem im bezahlbaren Segment. Das ist die zentrale Botschaft, mit der das Pestel-Institut Ende August seinen „Bau-Monitor 2026“ vorstellt. In Berlin wollen die Wissenschaftler dann erstmals konkrete Zahlen zum aktuellen Wohnungsdefizit in NRW und Deutschland präsentieren – und zeigen, wie teuer der Bundesregierung ihre Zurückhaltung beim Wohnungsbau zu stehen kommt.

Die Diagnose des Pestel-Instituts fällt schon jetzt drastisch aus. „Der Bund lässt den Wohnungsbau abstürzen. Das drückt das Wirtschaftswachstum enorm nach unten – und kostet ein kräftiges Minus beim BIP, das man genau beziffern kann“, sagt Matthias Günther, Chef-Ökonom des Instituts. Seine Warnung: „Ohne Wohnungsbau gibt es kein Wirtschaftswachstum.“ Die Bundesregierung verschenke damit eine Chance, den Wohnungsbau zum wichtigsten Motor der Binnenkonjunktur zu machen.
Wohnungsnot in NRW wächst – und der Neubau bricht ein
Der „Bau-Monitor 2026“ liefert im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) ein aktuelles Lagebild: Wie entwickeln sich die Mieten? Wie groß ist der künftige Wohnungsbedarf – in NRW und bundesweit? Und was kostet der eingebrochene Neubau die Bauwirtschaft in Milliarden Euro? Konkrete Zahlen dazu will das Institut Ende August präsentieren.
Wie dringend das Problem ist, zeigt eine aktuelle Einschätzung von Hans-Jochem Witzke, Vorsitzendem des Deutschen Mieterbunds NRW, gegenüber wa.de. „In Deutschland und gerade auch in Nordrhein-Westfalen fehlen hunderttausende Wohnungen, insbesondere im bezahlbaren Segment“, sagt er. Besonders alarmierend: Der Bestand an Sozialwohnungen schrumpft nach seinen Angaben jährlich um rund 40.000 Wohnungen. „Der Status quo am Wohnungsmarkt ist inakzeptabel, es gibt kaum ein Angebot an bezahlbarem Wohnraum.“
Witzke bezieht damit auch Stellung zu den Plänen für eine bundeseigene Wohnungsbaugesellschaft, an der sich offenbar auch private Konzerne wie Vonovia beteiligen könnten. Grundsätzlich begrüßt der Mieterbund die Idee – aber mit klaren Grenzen: „Nach Auffassung des Deutschen Mieterbund NRW können nur Wohnungsunternehmen Partner sein, bei denen die Menschen im Mittelpunkt stehen und nicht die Gewinnmaximierung. Damit scheiden die Vonovia, die LEG und andere kapitalmarktgetriebene Konzerne aus.“
Bundeseigene Wohnungsbaugesellschaft: Mieterbund zieht Grenzen
Seine Kritik an Vonovia fällt deutlich aus: Der Konzern verschicke Mieterhöhungen „mit fiktiven Wohnwertmerkmalen“, baue „datenschutzrechtlich bedenkliche Rauchwarnmelder“ ein und lege Mietern Steine in den Weg, die sich mit Balkonkraftwerken selbst versorgen wollten. „Die Vonovia wittert ein Geschäft. Das allerdings verteuert den Wohnungsbau“, so Witzke.
Stattdessen sollten aus Sicht des Mieterbunds nur gemeinwohlorientierte Akteure gefördert werden: Genossenschaften sowie kommunale, landeseigene und kirchlich verbundene Wohnungsunternehmen. Als Maßstab für „bezahlbar“ nennt Witzke eine Warmmiete, für die maximal ein Drittel des verfügbaren Haushaltsnettoeinkommens aufgewendet werden muss. Zudem fordert er eine dauerhafte Preisbindung geförderter Wohnungen: „Einmal gefördert, immer preisgebunden, ist unsere Devise.“ Aktuell fielen ständig mehr Wohnungen aus der zeitlich befristeten Bindung heraus, als neue entstünden.
Ob und wie die geplante Wohnungsbaugesellschaft diesen Forderungen gerecht werden kann, dürfte auch in NRW für Diskussionsstoff sorgen – schließlich ist das Land laut Mieterbund und Pestel-Institut von der Wohnungsknappheit besonders betroffen.