Neutralitätsinitiative: Wäre Guisans Geheimplan mit ihr vereinbar?
Absprache im Zweiten Weltkrieg Guisans Geheimplan und die Neutralitätsinitiative Französische Truppen sollten im Zweiten Weltkrieg auf helvetischem Boden die...
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Absprache im Zweiten Weltkrieg Guisans Geheimplan und die Neutralitätsinitiative
Französische Truppen sollten im Zweiten Weltkrieg auf helvetischem Boden die Schweiz verteidigen. Ob die Schweiz nach einem Ja zur Neutralitätsinitiative noch solche Absprachen wie damals treffen dürfte, ist höchst umstritten.
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05.09.2026, 13:25
General Guisan, der die Schweizer Armee durch den Zweiten Weltkrieg führte, gilt in weiten Kreisen auch heute noch als Volksheld. Seinen sogenannten Rütlirapport kennt jedes Schulkind.
Guisans Geheimplan ist Geschichte. Dürfte die Schweiz nach einem Ja zur Neutralitätsinitiative noch solche Absprachen treffen?
Keystone / Photopress Archiv
Weniger bekannt ist, dass Guisan auch einen Geheimplan – eine militärische Zusammenarbeit mit Frankreich – ausheckte.
Französische Soldaten auf Schweizer Boden
Guisan wollte die Schweiz aus der sogenannten Limmatstellung verteidigen. Doch er hatte zu wenig Soldaten und Waffen. Deshalb vereinbarte er mit Frankreich, dass im Falle eines deutschen Angriffs französische Truppen zur Hilfe kommen sollten.
In Schussweite zur Stadt Basel liess Guisan auf dem Gempenplateau rund 20 Bunker für Artilleriekanonen bauen. Von hier aus hätte die Rheingrenze gegen einen Angriff der deutschen Wehrmacht verteidigt werden sollen. Das Brisante an diesem Plan: Die Bunker wurden speziell für Kanonen der französischen Armee und für französische Soldaten vorbereitet.
SRF
Truppen aus Frankreich hätten vom Gempenplateau aus die Schweiz schützen sollen. Dafür führte Guisan im Geheimen bereits 1936 – also rund drei Jahre vor dem deutschen Überfall auf Polen – erste Absprachen mit Frankreich.
Verletzte Guisans Plan die Neutralität?
Christoph Blocher steht für eine sehr strikte Neutralität ein. Seine Neutralitätsinitiative kommt Ende September zur Abstimmung. Blocher findet: Guisans Geheimabsprache mit Frankreich habe die Neutralität nicht verletzt.
Wenn ein Gegner über die Grenze komme, müsse die Schweiz nicht mehr neutral sein. «Wenn man bei Guisan einen Skandal machen will, dann wäre dies, dass Guisan nichts dem Bundesrat gesagt und in eigener Macht gehandelt hat», so Blocher weiter.
Armeeoberst und FDP-Ständerat Josef Dittli kämpft gegen die Neutralitätsinitiative. Auch er findet: Guisan habe damals richtig gehandelt: «Es ist eine sogenannte Eventualplanung gewesen. Der Fall wäre nur zum Tragen gekommen, wenn die Schweiz tatsächlich angegriffen worden wäre.» Der Plan Guisans sei mit der Neutralität vereinbar gewesen.
Und nach einem Ja zur Neutralitätsinitiative?
Guisans Geheimplan ist Geschichte. Aber übertragen auf die heutige Zeit stellt sich die Frage: Wären für die Schweiz militärische Kooperationen mit anderen Staaten und der Nato überhaupt noch möglich nach Annahme der Neutralitätsinitiative?
Christoph Blocher sagt, dass der Abstimmungstext genau eine solche Absprache, wie sie damals Guisan traf, zulasse – wenn die Schweiz bedroht sei. Doch dem widerspricht FDP-Ständerat Josef Dittli: «Unmittelbar bedroht heisst, der Gegner steht vor der Tür und ein Angriff steht unmittelbar bevor.» General Guisan habe aber Jahre vor Kriegsbeginn mit Frankreich verhandelt.
Aus dem Abstimmungstext der Neutralitätsinitiative:
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«Die Schweiz tritt keinem Militär- oder Verteidigungsbündnis bei. Vorbehalten ist eine Zusammenarbeit mit solchen Bündnissen für den Fall eines direkten militärischen Angriffs auf die Schweiz oder für den Fall von Handlungen zur Vorbereitung eines solchen Angriffs.»
Insbesondere die Schweizer Luftwaffe trainiert schon heute mit anderen Staaten. Letztes Jahr haben Schweizer Bodentruppen in Österreich auch mit der Nato-Armee Deutschland geübt. Eine solche Zusammenarbeit wäre nach Annahme der Neutralitätsinitiative gefährdet, warnen die Gegner. Christoph Blocher widerspricht: «Mit Armeen können sie zusammenarbeiten, das war schon immer so. Das ist auch nicht neutralitätswidrig.»
Doch Blocher schränkt zugleich ein: Trainings mit der Nato wären nicht mehr möglich. «Das ist nicht erlaubt und das ist ganz heikel. Wer sich mit einem Bündnis verbündet, ist Kriegspartei.»
Josef Dittli aber sagt, die Schweiz müsse schon im Vorfeld eines Krieges Bedrohungen gemeinsam mit den Nachbarn erkennen und trainieren: «Mit Annahme der Initiative wird das zumindest stark erschwert.» Die Gegner der Neutralitätsinitiative befürchten, dass es nicht mehr so viel Spielraum geben würde, wie damals Guisan hatte.
Abstimmungsdossier
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Hier finden Sie News und Hintergründe zu den Abstimmungen vom 27. September 2026.