AfD-Ergebnis spaltet Politiker in Hersfeld-Rotenburg
Lokale Politiker ziehen gegensätzliche Bilanz aus den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Während die AfD ihr Ergebnis als Bestätigung feiert, sprechen CDU und SPD von Vertrauensverlust.
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Stand: 22.09.2026, 06:30 Uhr
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Lokale Politiker ziehen gegensätzliche Bilanz aus den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Während die AfD ihr Ergebnis als Bestätigung feiert, sprechen CDU und SPD von Vertrauensverlust.
Hersfeld-Rotenburg – Bei den Wahlen haben sich sowohl in Berlin als auch in Mecklenburg-Vorpommern deutliche Verschiebungen ergeben.
Der heimische CDU‑Landtagsabgeordnete Wilhelm Gebhard plädiert für eine bürgerlich-konservative Politik, die sich an der breiten Mehrheit der Gesellschaft orientiert, sowie für eine wirtschaftsfreundliche Politik. Er fordert eine ehrliche Aufarbeitung der vergangenen 20 Jahre durch die Parteien der politischen Mitte und eine gründliche Auswertung der Wahlergebnisse.
Im Mittelpunkt müssten dabei aus seiner Sicht konkrete Probleme stehen, die die Menschen im Alltag beschäftigen. Er nennt unter anderem die hohen Öl- und Spritpreise, Reformen bei Gesundheit, Rente und Pflege, die innere und äußere Sicherheit, die Entlastung der Wirtschaft sowie eine Begrenzung der Migration. Auch der Grundsatz „Leistung muss sich wieder lohnen“ müsse sich stärker in politischen Entscheidungen widerspiegeln.
Für seine Arbeit im Wahlkreis zieht Gebhard daraus vor allem eine Konsequenz: noch stärker zuhören und präsent sein. Die Unzufriedenheit vieler Menschen spüre er bei seinen Terminen vor Ort deutlich. Der direkte Austausch sei deshalb gerade jetzt besonders wichtig. Politik müsse wieder stärker zeigen, dass sie konkrete Probleme lösen könne und sich politisches Handeln im Alltag bemerkbar mache. Darüber hinaus wirbt Gebhard für mehr Gemeinschaftssinn, einen gesunden Patriotismus und eine positive Identifikation mit Deutschland und Europa.
Mit dem Abschneiden der AfD zeigt sich der Landtagsabgeordnete Gerhard Schenk aus Bebra dagegen ausdrücklich zufrieden. Er freue sich über das Ergebnis und insbesondere darüber, dass der „gesunde Menschenverstand“ seiner Ansicht nach allmählich wieder die Oberhand gewinne. Die AfD verstehe sich als Interessenvertreterin der Bürger, während Schenk bei anderen Parteien die Frage stelle, wessen Interessen diese tatsächlich verträten. Als Beispiel führt er die zunehmende Verschuldung und die Finanzierung über Sondervermögen an.
Mit Blick auf die Bundespolitik geht Schenk davon aus, dass Bundeskanzler Friedrich Merz im Amt bleiben und nicht freiwillig zurücktreten werde. Angesichts seiner politischen Entscheidungen hält Schenk einen Rücktritt allerdings für angebracht. Ob die CDU als Volkspartei erledigt sei, beantwortet er hingegen zurückhaltender. Solange es aus seiner Sicht eine große mediale Macht und eine von ihm so bezeichnete „Hofberichterstattung“, insbesondere des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, gebe, werde es weiterhin genügend Wähler für die etablierten Parteien geben.
In Berlin hat die Linke die Wahl klar gewonnen. Für Erich Lange vom Kreisvorstand der Linken hat das viel mit Jungwählern zu tun, die die Linke überproportional stark gewählt haben. „Sie erwarteten Perspektiven, sichere Renten und mehr Unterstützung für sozial Schwächere.“
Das gute Abschneiden der Linken in Berlin wertet Lange entsprechend als Erfolg. Auf dem Land sei die Situation zwar etwas anders, doch auch dort habe seine Partei bei den Kommunalwahlen zugelegt. Themen wie die Ablehnung eines Wehrdienstes für junge Menschen und ein Wahlrecht ab 16 Jahren seien für Lange ebenfalls von Bedeutung. Insgesamt gehe es darum, das Bewusstsein für mehr Gerechtigkeit und Gemeinsinn zu stärken. Dafür brauche es nicht nur digitale Kommunikation, sondern auch wieder mehr persönliche Begegnungen.
Bitter haben die Wahlergebnisse die Sozialdemokraten aufgenommen. Personelle Konsequenzen hält der Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Manfred Fehr, dagegen für den falschen Weg. „Ich halte nichts davon, Köpfe auszutauschen“, sagt er. Die SPD habe in der Vergangenheit selbst erfahren, dass häufige Wechsel an der Parteispitze wenig bewirken könnten. Gleichzeitig verweist Fehr auf einen anderen Aspekt des Ergebnisses in Mecklenburg-Vorpommern: Dass sich nach seiner Darstellung 61 Prozent der Wählerinnen und Wähler weiterhin Manuela Schwesig als Ministerpräsidentin wünschten, wertet er als persönlichen Vertrauensbeweis für die Regierungschefin.
Mit Blick auf die AfD-Wähler äußert Fehr die Einschätzung, dass viele von ihnen bei einer Umsetzung des AfD-Programms selbst zu den Betroffenen gehören könnten. Die Partei betreibe aus seiner Sicht vor allem Politik für Besserverdienende. Damit setzt Fehr einen deutlichen Kontrapunkt zur Interpretation Schenks, der das AfD-Ergebnis als Ausdruck eines politischen Kurswechsels und einer zunehmenden Zustimmung zum eigenen Programm versteht.
So fallen die Erklärungen für die Wahlergebnisse im Kreis Hersfeld-Rotenburg erwartungsgemäß höchst unterschiedlich aus. Während CDU und SPD vor allem über Konsequenzen aus den Verlusten und über die Frage diskutieren, wie sie verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen können, sieht die AfD in ihrem Abschneiden eine Bestätigung ihrer Kritik an den etablierten Parteien. Die Linke wiederum führt ihren Erfolg vor allem auf den Wunsch nach mehr sozialer Gerechtigkeit zurück. Die Wahlergebnisse aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern liefern damit auch im heimischen politischen Raum reichlich Stoff für die Debatte über die künftige Ausrichtung der Parteien.