AfD fragt nach „persönlicher Würdigkeit“ eines zu Ehrenden in Kassel

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AfD fragt nach „persönlicher Würdigkeit“ eines zu Ehrenden in Kassel

Stand: 19.09.2026, 08:00 Uhr

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Rathaus, Rathaustreppe, Oberbürgermeisterin, Oberbürgermeister, Kassel, Magistrat, Stadtverordnetenversammlung, LöweFoto: Andreas Fischer

Wieder sind lebhafte Diskussionen zu erwarten: Die Kasseler Stadtverordnetenversammlung kommt am Montag ab 16 Uhr zur ihrer nächsten öffentlichen Sitzung im Rathaus zusammen. © Fischer, Andreas/Andreas Fischer

Für 32 Jahre im Ausländerbeirat soll Seyfettin Eryörük als „Stadtältester" geehrt werden. Wegen Anfrage droht nun öffentliche Debatte

Kassel – Wenn Mandatsträger, die sich mindestens 20 Jahre für die Stadt Kassel engagiert haben, aus ihrem Ehrenamt ausscheiden, kann ihnen die Ehrenbezeichnung „Stadtälteste“ verliehen werden. Diese Auszeichnung können unter anderem Stadtverordnete sowie Mitglieder eines Ortsbeirats oder des Ausländerbeirats erhalten. Die Verleihung hat in Kassel eine lange Tradition. Und so sollen die Stadtverordneten am Montag beschließen, 22 weitere Stadtälteste auszuzeichnen.

Weitere Themen der Sitzung

51 Tagesordnungspunkte stehen in der Stadtverordnetenversammlung am Montag, 21. September, an. Die öffentliche Sitzung beginnt um 16 Uhr im Rathaus. Anfragen und Anträge liegen unter anderem zur Parkgebührenbefreiung für Elektrofahrzeuge (CDU), zur Aussetzung der neuen Parkgebührenzonen (BSW), zur Gebührensenkung für Anwohner-Parkausweise (AfD), zur Wiedergründung der Komödie (SPD), zu Honorarkürzungen in der Psychotherapie (Grüne) und zur Prüfung des Bauvorhabens Nordhessen Arena (Linke) vor.

Der Beschluss darüber ist in der Vergangenheit immer nur eine Art Formalie gewesen. Doch in der Sitzung am Montag droht zu diesem Tagesordnungspunkt eine öffentliche Debatte über einen der zu Ehrenden. Denn mit einer Anfrage fordert die AfD genauere Auskunft zu dem langjährigen Ausländerbeiratsmitglied Seyfettin Eryörük. Fraktionschef Sven R. Dreyer fragt nach der „persönlichen Würdigkeit“ zur Verleihung der Ehrenbezeichnung.

Kurios daran ist: Die AfD bezieht sich bei ihrer Nachfrage auf eine linke Internet-Veröffentlichung aus dem Jahr 2020. Die „Raccoons – Kommunistische Gruppe aus Kassel“ hatte darin gegenüber der Kasseler DITIB-Gemeinde und Eryörük als deren Vertreter Vorwürfe wegen angeblicher Verbindungen in das islamistische oder islamistisch-extremistische Spektrum erhoben. Die Quelle sei zwar kritisch zu betrachten, räumt die AfD selbst ein. Doch scheine es angesichts der bevorstehenden Verleihung geboten, „etwaige belastbare Anhaltspunkte sorgfältig zu prüfen“. Auskunft geben soll der Magistrat. So will die AfD von ihm etwa wissen, ob ihm die Veröffentlichung und Vorwürfe bekannt sind, er diese geprüft hat und ob „Erkenntnisse staatlicher Sicherheits- oder Strafverfolgungsbehörden vorliegen“.

„Die Vorwürfe sind absurd“, sagt Seyfettin Eryörük. „Die Leute sollten sich schämen. Es gefällt mir gar nicht, was da über mich geschrieben wird“, so der 59-Jährige zur AfD-Anfrage zu seiner Person. Für die Vorwürfe, die damals gegen ihn erhoben wurden, hätten sich Mitglieder der Kasseler Linken bei ihm entschuldigt. Eryörük: „Dass jetzt die AfD sich auf diese linke Quelle stützt, ist eine Katastrophe.“

32 Jahre, von 1994 bis 2026, sei er Mitglied des Ausländerbeirats gewesen, betont der Taekwondo-Großmeister. Bei der Wahl 2026 trat er erneut für die Gruppe G 2000 an, hätte auch wieder ein Mandat erhalten, verzichtete aber. 1976 sei er als kleiner Junge im Alter von neun Jahren mit seiner Familie aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Er zahle hier Steuern, fühle sich als Deutscher und habe sich in Kassel für den Sport und die Gemeinschaft engagiert. Eryörük kündigt an, am Montag in die Sitzung zu kommen und eine persönliche Stellungnahme abzugeben. Ablehnen wolle er die Ehrung nicht. „Wenn sie mir zusteht, werde ich sie auch annehmen.“

Das Thema Stadtälteste wird am Montag in Teil 1 der Sitzung behandelt, in der auch Aussprachen möglich sind. Stadtverordnetenvorsteherin Martina van den Hövel-Hanemann (Grüne) kündigt an, die Magistratsvorlage zur Verleihung und die AfD-Anfrage gemeinsam aufrufen zu wollen. Alles andere mache keinen Sinn, so die Parlamentschefin.

Wie die Stadt auf Anfrage berichtet, hat es in den vergangenen 20 Jahren keine Anfrage zu einer zu ehrenden Person gegeben. Vor der Verleihung prüfe der Magistrat die Art und Dauer der jeweiligen Tätigkeit der vorgeschlagenen Personen. Eine darüberhinausgehende Prüfung finde standardmäßig aber nicht statt, erklärt ein Stadtsprecher. „Selbstverständlich bleibt es den Stadtverordneten vorbehalten, weitere Prüfungen zu beschließen oder einen Beschluss zu treffen, welcher von der Vorlage des Magistrats abweicht.“