AfD-Spitzenmann Ulrich Siegmund freut sich über Wahlkampfhilfe vom "Spiegel"
Deutschland AfD-Spitzenmann Ulrich Siegmund freut sich über Wahlkampfhilfe vom "Spiegel" Kurz vor der Landtagswahl von Sachsen-Anhalt nennt das Hamburger Polit-Magazin Siegmund den "gefährlichsten Mann...
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AfD-Spitzenmann Ulrich Siegmund freut sich über Wahlkampfhilfe vom "Spiegel"
Kurz vor der Landtagswahl von Sachsen-Anhalt nennt das Hamburger Polit-Magazin Siegmund den "gefährlichsten Mann Deutschlands" und kassiert Kritik. Dankbar hingegen ist die AfD
Birgit Baumann
Die Gelegenheit ließ sich Ulrich Siegmund natürlich nicht entgehen. Am Sonntag war der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 6. September in Klötze beim "Familienfest" seiner Partei. Trotz der Hitze war der Rathausmarkt voll und Siegmund feixte: "Ich hatte schon Sorge, dass niemand mit dem gefährlichsten Menschen Deutschlands zusammenstehen will."
Es folgten Gelächter und demonstrativer Applaus, der Witz kam bei den AfD-Fans in der Kleinstadt (9600 Einwohner und Einwohnerinnen) im Norden Sachsen-Anhalts gut an. Er bezog sich auf das aktuelle Cover des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, das in Deutschland gerade für Aufregung sorgt.
Die Seite Eins des Hamburger Magazins ziert das Konterfei Siegmunds. Das Foto, auf schwarzem Hintergrund, erinnert an ein Fahndungsbild. Darunter steht: "Der gefährlichste Mann Deutschlands". Schließlich könnte mit Siegmund nach der Wahl am 6. September erstmals ein Rechtsextremist Ministerpräsident werden.
Das Heft war kaum online und an den Kiosken, da ergoss sich schon Spott, Häme, aber auch Kritik über den Spiegel. Von einem "Skandal" sprach der Linken-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Fraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, bei Welt-TV. Denn: "Letztlich ist das Wahlkampfhilfe für die AfD."
Siegmund selbst wie auch die AfD posteten Videos und Fotos, auf denen zu sehen ist, wie der Spitzenkandidat Spiegel-Cover mit Autogrammen versieht. Im Post der AfD heißt es: "Danke an @derspiegel für diese tolle Werbeaktion! Leider sind die von @UlrichSiegmund signierten Exemplare des Spiegel-Covers bereits vergriffen." Und Siegmund witzelte bei X: "Wenn wir am 06.09.26 46 % holen, verrate ich euch, was wir für die Nummer im SPIEGEL bezahlt haben." In Umfragen wird die AfD in Sachsen-Anhalt bei 41 bis 42 Prozent gesehen. Sie liegt damit klar auf Platz eins, die CDU, die mit Sven Schulze derzeit den Ministerpräsidenten stellt, folgt mit 22 bis 24 Prozent.
Ob der Spiegel sich etwa "verliebt" habe, fragt die Süddeutsche Zeitung (SZ) und ätzt über das neue Wochenangebot aus Hamburg: "Faschismus mit menschlichem Antlitz." Und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) konstatiert, der Titel mache Siegmund "zum Posterboy mit dem Ruch des Gefährlichen". Denjenigen, die die Geschichte nicht lesen, "könnte der Titel wie ein Werbeplakat entgegenkommen" – erst recht, da der Spiegel ein "westdeutsches" Magazin sei.
"Sagen, was ist"
Spiegel-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit rechtfertigt die Cover-Auswahl in einer ausführlichen Mitteilung der Online-Ausgabe: "Siegmund gibt sich freundlich, wirkt gewinnend, auch auf Bürgerinnen und Bürger, die nicht rechtsextremer Gesinnung sind, sich aber große Veränderungen in der Politik wünschen." Gleichzeitig seien seine Pläne für Sachsen-Anhalt "ein Anschlag auf die liberale Demokratie".
Das mache Siegmund "aktuell zum gefährlichsten Mann Deutschlands, aus Sicht liberaler Demokraten". Warum, das erklärt Kurbjuweit so: "Denn potenziell sind Politiker wirkmächtiger als Kriminelle. Wenn ein Politiker böse Absichten hat – die allermeisten haben das zum Glück nicht –, kann das böse Folgen für Hunderttausende haben, vielleicht für Millionen." Kurbjuweit erinnert auch an den im Jahr 2002 verstorbenen Spiegelgründer Rudolf Augstein und dessen journalistisches Motto: "Sagen, was ist." Dieses gelte auch für die Titelseite. (Birgit Baumann aus Berlin, 17.8.2026)
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