AfD und FWW legen stark zu: So verändert die Wahl die Politik in Rehden
StartseiteLokalesLandkreis DiepholzRehdenStand: 16.09.2026, 13:50 UhrKommentareUns auf Google folgenDie Wahlhelfer (hier in Wetschen) hatten am Sonntag mit der Auszählung von vier Wahlen alle Hände voll zu tun....
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Stand: 16.09.2026, 13:50 Uhr
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Jubel bei den einen, Frust bei den anderen: Während AfD und Grüne erstmals starke Akzente setzen, muss die SPD empfindliche Rückschläge verkraften.
Rehden – Mit deutlich unterschiedlichen Vorzeichen gehen Parteien und Wählergemeinschaften in der Samtgemeinde Rehden in die neue Wahlperiode, die am 1. November beginnt. Während die SPD zu den Verlierern der Kommunalwahl zählt, gehören die AfD und die Freie Wählergruppe Wetschen (FWW) zu den Gewinnern. Auch die Grünen konnten im Vergleich zur Wahl 2021 zulegen. Die fünf Wählergemeinschaften verloren dagegen jeweils leicht an Zustimmung.
Zusammensetzung des Samtgemeinderates
WGR: Heino Mackenstedt, Tobias Winkelmann-Bünte, Bernhard Lanz, Phillip Kenneweg
WGW: Andre Rempe, Klaus Abeling, Rainer Kröger
SPD: Ralf Höfelmann, Dirk Wehrbein, Edith Siebel
Grüne: Evelyn Lohaus, Carmen Wähaus
AfD Niedersachsen: Lukas Weidenhöfer, Lars Möllmann
WGB: Christian Gießelmann, Hans-Hermann Borggrefe
WGH: Detlef Mackenstedt
WGD: Robert Münning
Große Enttäuschung herrscht bei der SPD, die sowohl im Samtgemeinderat als auch in den Gemeinderäten Rehden und Wetschen jeweils einen Sitz verloren hat. Auf Samtgemeindeebene erreichte sie nur noch 17,17 Prozent (-6,68 Punkte), im Gemeinderat Rehden 15,70 Prozent (-6,11 Punkte). Im Wetscher Rat steht sie mit 27,21 Prozent (-11,39 Punkte) besser da, musste aber einen erheblichen Stimmenanteil an die FWW abgeben. „Das ist sehr bedauerlich, weil unsere Kandidaten sehr motiviert waren und gerne in den Räten mitgearbeitet hätten“, sagt Dirk Wehrbein.
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Samtgemeinderat sieht mehrere Gründe für die Entwicklung. Zum einen seien mit der AfD auf Samtgemeindeebene und der FWW in Wetschen weitere Mitbewerber hinzugekommen. Darum sei nicht mehr mit den Ergebnissen zu rechnen, die die SPD früher erzielt habe. Gleichzeitig räumt er ein, dass die SPD die Wähler möglicherweise nicht mit ihren Themen und ihrer bisherigen Arbeit überzeugen konnte.
Nach seiner Einschätzung findet aber die Arbeit, die alle Ratsfraktionen in die Gestaltung der Samtgemeinde investiert haben, nicht die Anerkennung der Wähler, die sie verdient hätte. Er spricht auch für die übrigen aktuellen Ratsfraktionen, wenn er sagt: „Wir haben eine solide Politik gemacht.“ Die Samtgemeinde und ihre Mitgliedsgemeinden seien stabile Kommunen ohne Überschuldung und mit guten Grundstrukturen. Als weiteren Grund für das schlechte Abschneiden der SPD sieht er den Umstand, dass die Bundespolitik in die Kommunalpolitik hineinspielt.
Die Wählergemeinschaften Rehden (21,64 Prozent) und Wetschen (14,61 Prozent) haben im Samtgemeinderat jeweils 2,8 Prozentpunkte verloren. Für die WGR bedeutet das weiterhin vier Sitze, für die WGW drei Sitze. Heino Mackenstedt, Spitzenkandidat der WGR, bewertet das Abschneiden der Gruppe dennoch als absolut zufriedenstellend. Im Vergleich zu anderen Parteien seien es relativ geringe Verluste. Auf Gemeindeebene konnte die WGR ihre Vormachtstellung trotz eines leichten Verlustes mit 74,29 Prozent behaupten. Auch Mackenstedt beobachtet, dass landes- und bundespolitische Entwicklungen und Themen zunehmend die Wahlergebnisse auf kommunaler Ebene beeinflussen. Früher hätten die Themen vor Ort bei der Stimmabgabe eine größere Rolle gespielt.
Andre Rempe, Spitzenkandidat der WGW, zeigt sich ebenfalls zufrieden mit dem Ergebnis, auch wenn er bedauert, dass der Wählergemeinschaft nur eine Winzigkeit zur absoluten Mehrheit im Gemeinderat fehlt. Dadurch ist auch nicht gesichert, dass er bei der konstituierenden Sitzung im November als Bürgermeister wiedergewählt wird. In der aktuellen Wahlperiode war Rempe dank der einen Stimme der FWW gewählt worden. Ob es in der kommenden Wahlperiode wieder eine Zusammenarbeit zwischen WGW und FWW geben wird, ist dagegen noch völlig offen. Denkbar wäre auch eine knappe SPD/FWW-Mehrheit, durch die Ralf Höfelmann ins Bürgermeisteramt kommen könnte.
„Es werden jetzt Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit stattfinden“, sagen Rempe und Dirk Beckers unisono. Beckers war 2021 erstmals für die FWW in den Gemeinderat eingezogen. Bei der Gemeinderatswahl am Sonntag konnte die FWW ihr Ergebnis mit 23,73 Prozent mehr als verdreifachen. „Wir waren etwas sprachlos“, beschreibt Becker die Emotionen der FWW-Kandidaten am Sonntagabend. „Wir hatten gehofft, dass wir einen zweiten Kandidaten in den Rat kriegen.“ Am Ende wurden es drei. Die FWW werde sowohl mit der WGW (fünf Sitze) als auch mit der SPD (drei Sitze) über eine mögliche Zusammenarbeit sprechen. Dabei gehe es ausschließlich um Themen, nicht um Posten, betont Dirk Beckers, dem Andre Rempe bescheinigte, dass der Erfolg der FWW wesentlich auf dessen engagierte Arbeit zurückzuführen sei. „Das muss man neidlos anerkennen“, so Rempe.
Die Grünen haben ihr Ergebnis im Samtgemeinderat auf 7,90 Prozent (+3,3 Punkte) verbessert. Im Gemeinderat Rehden haben sie bei ihrer ersten Kandidatur 10,2 Prozent der Stimmen und einen Ratssitz geholt. „Wir sind sehr glücklich über die Ergebnisse“, sagt Sprecherin Evelyn Lohaus. „Insbesondere mit den zwei Sitzen im Samtgemeinderat. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir auch im Gemeinderat zu zweit gewesen wären, aber die zen Prozent sind schon sehr gut.“
Die AfD ist bei ihrer ersten Kandidatur für den Samtgemeinderat ebenfalls auf zwei Sitze gekommen. 13,37 Prozent der Wähler schenkten ihr das Vertrauen. „Wir haben da gute Leute. Die freuen sich und sind motiviert, Politik zu machen“, erklärt der Kreisvorsitzende Andreas Iloff stellvertretend für die Rehdener Ratsmitglieder, die sich laut Iloff derzeit nicht gegenüber der Presse äußern wollen. Sie seien noch unerfahren und müssten sich erst einmal in die Themen und die Ratsarbeit einfinden. Mit dem Wahlergebnis zeigte er sich sehr zufrieden.
Die Wählergemeinschaft Barver hat mit 11,62 Prozent einen Sitz verloren und ist künftig nur noch mit zwei Mandaten im Samtgemeinderat vertreten, die Wählergemeinschaften Hemsloh (6,61 Prozent) und Wetschen (5,92 Prozent) erhalten jeweils einen Sitz.