„Alles andere war unwichtig“: Michael Gerold verlor durch eine Tragödie seine Firma

Michael Gerold baute Luxus-Pools und erfüllte Gartenträume. Als seine Frau unheilbar krank wurde, opferte der Unternehmer sich auf und riskierte die Firma. Darum geht‘s: Michael Gerold baute für anderen Mensche...

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„Alles andere war unwichtig“: Michael Gerold verlor durch eine Tragödie seine Firma

Michael Gerold baute Luxus-Pools und erfüllte Gartenträume. Als seine Frau unheilbar krank wurde, opferte der Unternehmer sich auf und riskierte die Firma.

Darum geht‘s:

  • Michael Gerold baute für anderen Menschen Rückzugsorte – nun sucht er selbst Halt.

  • Seine Geschichte zeigt, wie abhängig kleine Betriebe oft von der Kraft eines Einzelnen sind.

  • Mit 64 Jahren sucht der Unternehmer eine neue Aufgabe.

Michael Gerold ist zu Fuß gekommen. Es sind nur 250 Meter, sonst hätte er das Fahrrad genommen. Hauptsache in Bewegung. Er hat jetzt viel Zeit. Mehr, als ihm lieb ist.

„Letztendlich hat mich das alles schon sehr belastet“, sagt er. „Jetzt geht es mir schon viel besser als noch vor einem halben Jahr.“ Manchmal, sagt Gerold, sortiere er auf dem Rad seine Gedanken. Die Krankheit seiner Frau. Die insolvente Firma. Die Frage, wie es jetzt weitergeht.

Michael Gerold, 64, hat fast sein ganzes Berufsleben in Gärten verbracht. Erst als Lehrling, später als Meister, dann als Unternehmer. Er gestaltete Gärten, baute Schwimmteiche und Fertigpools, brachte Wasser in private Lebensräume.

Für manche Kunden hieß das: Urlaub im eigenen Garten, Badespaß für Kinder, Familie, Freunde. Manchmal wurde ein fertiger Pool mit einem Kran über ein Haus hinweg in den Garten gehoben. Für die Nachbarschaft war das ein Spektakel.

Doch in den vergangenen Jahren wurde sein eigenes Leben immer enger. Erst erkrankte seine Frau Brinja schwer an Krebs. Dann starb sie. Danach verlor Gerold auch seine Firma. Nun spricht der Unternehmer offen über die Krisenzeit.

Diagnosen und Hoffnungen

Seine Frau Brinja, vor Ort bekannt als Standesbeamtin im Rathaus, bekam im April 2015 die Diagnose: unheilbarer Krebs. Von da an, sagt Gerold, habe die Krankheit „im Grunde genommen in den letzten Jahren immer über uns“ geschwebt. Es gab Hochs und Tiefs, Krankenhausaufenthalte, Chemotherapien, weitere Meinungen. Heidelberg, Köln, Hamburg. Mal gab es Behandlungen, die noch einmal Zeit verschafften. Dann wieder Klinikaufenthalte, neue Therapien, neue Fahrten zu Ärzten.

Als sich der Zustand seiner Frau verschlechterte, rückten andere Dinge in den Hintergrund. Im Oktober 2024 kam sie ins Krankenhaus nach Meschede. Sie vertraute dort einer Ärztin, die sie schon aus Hamm kannte. Bei einer solchen Erkrankung, sagt Gerold, gehe es um Vertrauen. Im Dezember 2024 kam Brinja noch einmal nach Hause. Seit Anfang Januar war sie dauerhaft im Krankenhaus. Am 1. Mai 2025 starb sie. Sie wurde 62 Jahre alt.

„Ich bin dann in der ganzen Zeit jeden Tag nach Meschede ins Krankenhaus gefahren und habe mich um sie gekümmert“, sagt Michael Gerold. „Und alles andere ist dann unwichtig gewesen.“

Alles andere: Das war auch der Betrieb in Kamen.

Brinja und Michael Gerold zusammen bei einem Städtetrip nach Hamburg. 
Brinja und Michael Gerold zusammen in Hamburg.© privat

Sechs Mitarbeiter

Vieles in der Firma lief über Gerold selbst. Seine Frau war Gesellschafterin der 2018 eingetragenen Gerold Garten & Wasser GmbH. Der Betrieb hatte sich auf Wasser im Garten spezialisiert. Zuletzt beschäftigte Gerold sechs Mitarbeiter. Eigentlich zu wenige, sagt er. Gute Fachkräfte zu finden, sei „richtig, richtig schwer“ gewesen.

Es ging nicht nur darum, ein Loch zu graben und ein Becken einzusetzen. Tiefbau gehörte dazu, Teichtechnik, Wasseraufbereitung, Gestaltung, Pflanzen, Wege, Anschlüsse, Bauleitung. „Wir sind keine klassischen Poolbauer gewesen“, sagt Gerold. „Wir haben das komplett aus einer Hand gemacht.“

An fehlenden Aufträgen ist die Firma nicht gescheitert. Der Bundesverband Schwimmbad & Wellness sieht im privaten Poolbau weiter Potenzial: In Deutschland gebe es rund 18 Millionen Eigenheime, aber nur etwa zwei Millionen private Pools.

Auch Gerold sagt: Der Markt sei da. Ein Pool oder Schwimmteich sei zwar „ein absolutes Luxusprojekt“. Schnell gehe es um 80.000 oder 100.000 Euro – und die ersten 10.000 Euro seien schon bei Erdaushub weg. Doch Kapital sei vorhanden und es gebe nicht viele Betriebe, die solche Projekte wirklich könnten. Und die seien gut ausgelastet.

Ein üppiger grüner Garten mit einer Ziegelmauer im Hintergrund und einem Teich im Vordergrund, dazwischen zwei Männer.
Garten- und Landschaftsbau-Unternehmer Michael Gerold im Jahr 2017 mit einem Auszubildenden.© Marcel Drawe

Firmenübernahme gescheitert

Schon 2017 hatte Gerold mit der Vorläuferfirma einen schweren Schlag erlitten: ein Forderungsausfall „im sechsstelligen Bereich bei Privatkunden“. Daraufhin stellte sich die Firma neu auf. Doch als die Krankheit seiner Frau den Alltag bestimmte, blieb vieles liegen. „Ich habe mich über ein halbes Jahr nicht richtig um die Firma gekümmert“, sagt Michael Gerold.

Nach dem Tod seiner Frau fragte er sich immer wieder: „Was mache ich damit und wofür mache ich das alles?“

2026 suchte er jemanden, der den Betrieb übernimmt. Eine andere Garten- und Landschaftsbaufirma war im Gespräch, die Verhandlungen seien weit fortgeschritten. Gerold wäre bereit gewesen, noch zwei oder drei Jahre mitzuarbeiten. Doch im Dezember 2025 habe der Interessent abgesagt. Danach meldete Gerold Insolvenz an.

Insolvenzverfahren

Beim Amtsgericht Dortmund wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Gerold Garten & Wasser GmbH unter dem Aktenzeichen 253 IN 157/25 geführt. Am 20. April ging dort die Anzeige des Insolvenzverwalters ein, dass Masseunzulänglichkeit vorliegt. Das bedeutet: Die Insolvenzmasse reicht voraussichtlich nicht aus, um alle fälligen Verbindlichkeiten zu erfüllen.

Gerold spricht offen über die Pleite. Er erzählt, dass er seine Mitarbeiter offen informiert habe. Alle hätten inzwischen neue Stellen gefunden. Kunden schrieb er an, erklärte seine Situation und empfahl neue Ansprechpartner. Sein bester Mitarbeiter arbeite mittlerweile bei einer Firma in Werne.

Was bleibt, sind die gebauten Gärten und Pools. Gerold erinnert sich an Baustellen, auf denen zunächst kaum noch etwas vom alten Garten zu erkennen war. „Auf links gedreht“, sagt er. Für manche Kunden sei das ein Schock gewesen. Wenn die Bagger kommen, wenn alles chaotisch aussieht, fragen sich manche: Wird das wieder? Versteht der sein Handwerk?

Ein mit Schlingpflanzen bewachsenen Haus mit üppigem Garten rechts, links ein Betriebshof mit Garage. Ein Schild mit der Aufschrift Gerold Garten & Wasser
Als Kinder auf dem Hof gespielt: Elternhaus und Firmensitz der Gerold Garten & Wasser GmbH an der Schäferstraße in Kamen-Mitte.© Carsten Fischer

Bei Giesebrecht in Lünen gelernt

Sein Weg in den Garten- und Landschaftsbau begann eher zufällig. Gerold wuchs in Kamen auf, in einer Unternehmerfamilie. Seine Eltern Paul und Elisabeth führten die Spedition Lutter an der Schäferstraße. Das Betriebsgelände war für Michael Gerold und seine Brüder Martin und Thomas als Kinder auch Spielplatz. „Das war natürlich alles ziemlich wild damals“, erinnert er sich.

Nach dem Abitur wollte Gerold zunächst Forstwirtschaft studieren. Weil er nicht sofort anfangen konnte, machte er ein Praktikum im Garten- und Landschaftsbau. Es gefiel ihm so gut, dass er eine Lehre begann. Später machte er den Meister. 1993 übernahm er die Firma Giesebrecht Garten- und Landschaftsbau aus Lünen-Niederaden, in der er gelernt hatte. Er sei in die Verantwortung hineingewachsen, sagt er.

Michael Gerold in nachdenklicher Pose.
Michael Gerold muss sich nach einem Schicksalsschlag mit 64 neu erfinden: Manchmal sieht eine Baustelle nur deshalb so wüst aus, weil gerade etwas Neues entsteht.© Stefan Milk

Neue Aufgabe gesucht

Aus Arbeiten für Betriebe, Bauträger und Baufirmen wurde mit den Jahren immer stärker ein Geschäft mit Privatkunden, darunter Prominente aus dem Fußball. Ab etwa 2010 rückte das Thema Wasser in den Mittelpunkt. Schwimmteiche. Naturpools. Später hochwertige Poolanlagen. Etwa acht größere Poolprojekte im Jahr habe das Team zuletzt umgesetzt.

Manche Kunden luden Gerold später zur Einweihungsparty ein. Ob er eine Badehose dabeigehabt habe? „Ja, klar“, sagt er lachend. „Das gehört dann dazu.“

Umzug ans Wasser

Nach der Krise dreht sich für Gerold alles um die Frage, wie es weitergeht. Nach dem Tod seiner Frau zog er um. Das gemeinsame Haus in der östlichen Innenstadt ertrug er nicht mehr. Jetzt lebt er in einer Wohnung nahe der Seseke. Er sagt, er fühle sich dort wohl. Er ist arbeitslos gemeldet, aber das soll so nicht bleiben. „Ich würde gerne etwas machen – und ich muss auch noch!“ Wenn möglich, soll es wieder mit Wasser zu tun haben. Vielleicht als Bau- oder Projektleiter.

Wichtig ist dem 64-Jährigen, gesund zu bleiben. Er hat erlebt, „wie schnell das alles gehen kann“. Das Radfahren hilft ihm dabei, den Kopf freizubekommen. Vieles ist ungewiss. Aber manchmal sieht ein Garten nur deshalb so wüst aus, weil gerade etwas Neues entsteht.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien ursprünglich am 19. Juli 2026.