Am Golf geht die Angst um, dass der Krieg außer Kontrolle gerät

USA-Iran Am Golf geht die Angst um, dass der Krieg außer Kontrolle gerät Sowohl Teheran als auch Washington schließen die Wiederaufnahme von Verhandlungen nicht aus. Gleichzeitig wird der Radius der Kr...

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Am Golf geht die Angst um, dass der Krieg außer Kontrolle gerät

USA-Iran

Am Golf geht die Angst um, dass der Krieg außer Kontrolle gerät

Sowohl Teheran als auch Washington schließen die Wiederaufnahme von Verhandlungen nicht aus. Gleichzeitig wird der Radius der Kriegshandlungen immer größer

Analyse

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Gudrun Harrer

Eine Frau geht an einem Wandgemälde mit anti-amerikanischer Graffiti-Kunst in Teheran, Iran, vorbei. Das Graffiti zeigt ein großes Kriegsschiff in einer dramatischen Szene, umgeben von Wellen und farbintensiven, abstrakten Elementen.
Anti-USA-Graffitis gibt es in Teheran in Hülle und Fülle.

Zu Wochenbeginn waren neue Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zumindest wieder ein Thema – eine Nachricht, die die Ölmärkte begierig aufnahmen. Aber der Krieg wurde dennoch mit voller Härte weitergeführt, in der Nacht auf Montag mit US-Angriffen, "zu Ehren der großen Patrioten", von drei gefallenen US-Soldaten, wie US-Präsident Donald Trump sagte. Am Morgen danach folgten iranische Schläge in Bahrain und Kuwait und auf Tanker in der Meerenge von Hormus.

Die Angst geht weiter um, dass die neue Kriegsrunde am Golf in eine Spirale mündet, die sich immer schneller dreht und nicht mehr zu kontrollieren ist. Während der letzten Woche hatten sich die beiderseitigen Angriffe kontinuierlich ausgeweitet, was Art und Lage der Ziele betrifft. Der Iran wendet sich zunehmend gegen zivile Infrastruktur. Besonders alarmierend waren am Sonntag, den zweiten Tag in Folge, die Luftschläge gegen eine Entsalzungsanlage in Kuwait

Als sich Trump am Sonntag beim Fußball-Weltcupfinale feiern – beziehungsweise auspfeifen – ließ, wusste er bereits, dass zu den drei toten US-Soldaten in Jordanien auch noch "Dutzende" Verletzte kommen, wie die New York Times berichtet. Die US-Armee ist auch deshalb zurückhaltend mit der Freigabe solcher Daten, weil sie militärische Informationen für den Angreifer enthalten. Aber eines ist sicher, der Krieg ist, anders als Trump Anfang März versprochen hatte, lange, und er fordert auch US-Menschenleben, bisher sechzehn. Die Verwundetenzahl ist unbekannt.

Die Kosten für die USA sind hoch, auch die politischen. Die Partner der USA in der Golfregion haben jede Hoffnung verloren, dass die USA sie vor iranischen Angriffen schützen können. Neben den arabischen Staaten am Persischen Golf – auch jenen, die sich immer um Verhandlungen bemüht haben –, wurden etwa erneut die irakischen Kurden angegriffen.

"Wirtschaft in Trümmern"

Was auf iranischer Seite los ist, wie groß die Schäden nicht nur an der militärischen, sondern auch der zivilen Infrastruktur sind, wie viele Tote und Verletzte es gibt, liegt ohnehin im Dunkeln. Aber es ist unbestreitbar, was Außenminister Marco Rubio am Sonntag vor Medien sagte: "Irans Wirtschaft liegt in Trümmern." Die Menschen halten sich kaum noch über Wasser. Auch wenn sich das Regime über deren Bedürfnisse hinwegsetzt, wird es immer schwerer werden, den 93-Millionen-Staat am Laufen zu halten. Selbst wenn das Regime den Krieg überlebt, hat es noch nicht die Nachkriegszeit überstanden.

Zaghaft werden im Iran öffentliche Stimmen laut, die den Konfrontationswillen des Regimes indirekt kritisieren. Eine Online-Petition gegen den Krieg habe – Stand vorige Woche – 100.000 Unterzeichner und Unterzeichnerinnen in kürzester Zeit gefunden, meldeten Iran-Plattformen. 268 Prominente aus unterschiedlichen Bereichen unterschrieben eine Antikriegserklärung. In ihr wird der Dichter Saadi zitiert: "Selbst wenn du die Stärke eines Elefanten und die Klauen eines Löwen hast, für mich ist Friede immer noch besser als Krieg."

Außenminister Abbas Araghchi sagte am Wochenende sinngemäß, Verhandlungen mit den USA könnten auf Basis iranischer nationaler Interessen stattfinden. Das klingt nicht nach Einlenken. Aber pragmatische Kräfte in Teheran schließen weiterhin ein Arrangement mit den USA nicht aus. Denjenigen iranischen Politikern, die so etwas öffentlich sagen, sitzen jedoch die Hardliner im Nacken.

Gespaltene Führung?

Rubio deutete in seinem Pressegespräch an, dass die iranische Führung gespalten sei. Am Wochenende wurde eine Botschaft des untergetauchten neuen religiösen Führers Mojtaba Khamenei veröffentlicht, in der er das "Memorandum of Understanding" mit den USA von Mitte Juni als hinfällig bezeichnete. Wie sehr das tatsächlich seine Entscheidung ist – oder vielmehr die der neuen Revolutionsgarden-Militärelite – ist unklar. Der Sohn des getöteten Ali Khamenei, der auf dessen Begräbnis nicht zu sehen war, wurde im Juni auch vorgeschoben, um die Verhandlungen mit den USA zu rechtfertigen.

Ob die US-Regierung ihr Ziel, den Iran aus der Straße von Hormus zu zwingen, durch einen noch so harten Luftkrieg überhaupt erreichen kann, bezweifeln jedoch viele Experten und Expertinnen. Die Islamische Republik, die trotz des US-israelischen "Enthauptungsschlags" Ende Februar offenbar nie in ihrem Überleben gefährdet war, will ihre neue Stärke in einer Nachkriegsordnung reflektiert sehen. Die Straße von Hormus ist ein Symbol dafür.

Militäranalysten sahen im Muster der US-Angriffe der vergangenen Woche Hinweise, dass die US-Armee eine Militäroperation am Boden planen könnte, um Hormus zu übernehmen. Dazu müssten sie wohl einen Küstenstreifen im Südiran besetzen, konkrete Details fehlen. Aber es ist auffällig, dass im Südiran nicht nur rein militärische Ziele, sondern auch Brücken, Bahnverbindungen und Flugplätze attackiert wurden. Auch militärische Anlagen weiter im Norden oder im Südwesten, die Experten auf einer militärischen "Südachse" verorten, wurden getroffen.

In früheren Kriegsszenarien war eine US-Landung auf der iranischen Insel Kharg mit ihren Öl-Terminals und Lagern ein wiederkehrendes Motiv, um die iranischen Ölexporte völlig abzuschneiden. Die jetzigen Überlegungen gehen darüber weit hinaus. Allerdings wird nicht nur an der prinzipiellen Machbarkeit und den Erfolgsaussichten gezweifelt, sondern auch, ob Trump vor den US-Zwischenwahlen Anfang November zu so einem Schritt überhaupt bereit ist.

Bis Syrien und Jemen

Die Gefahr einer Eskalation, die auch als Folge von Fehleinschätzungen und nicht beabsichtigten hohen Opferzahlen entstehen könnte, ist immens. Dass die geografische Ausweitung schon im Gange ist, zeigte ein iranischer Angriff auf die Militärbasis al-Tanf in Syrien vor wenigen Tagen. Die USA bestreiten zwar, dort noch präsent zu sein. Aber Trump selbst versucht, Syrien in die Konfrontation mit dem Iran zu involvieren und fordert Präsident Ahmed al-Sharaa auf, sich im Libanon dem Kampf gegen die schiitische Hisbollah anzuschließen.

Auf der anderen Seite der arabischen Halbinsel sitzen die jemenitischen Huthis, die die Fähigkeit hätten, die Route durch das Rote Meer zu stören beziehungsweise mit einer Sperre der Meerenge von Bab al-Mandab völlig zu unterbrechen. Am Montag erklärte die Gruppe, die seit 2014 die Hauptstadt Sanaa kontrolliert, eine "Seesperre gegen das kriminelle Saudi-Arabien".

Saudi-Arabien hatte vergangene Woche den Flughafen von Sanaa angegriffen, um einen iranischen Flug an der Landung zu hindern, die Huthis antworteten ihrerseits mit Luftschlägen. Seit 2022 gab es einen zuerst formellen, dann informellen Waffenstillstand zwischen Riad und Sanaa nach sieben Jahren Krieg. Auch er ist jetzt gefährdet. (Gudrun Harrer, 20.7.2026)

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