Straße von Hormus bestimmt Ihren Dieselpreis – warum die Politik machtlos zusieht

tzWirtschaftNach dem Tankrabatt kommt die Rechnung: Spritpreise steigen den achten Tag in FolgeStand: 21.07.2026, 08:00 UhrKommentareUns auf Google folgenDie Spritpreise steigen acht Tage in Folge, E10 nähert s...

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Straße von Hormus bestimmt Ihren Dieselpreis – warum die Politik machtlos zusieht

Nach dem Tankrabatt kommt die Rechnung: Spritpreise steigen den achten Tag in Folge

Stand: 21.07.2026, 08:00 Uhr

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Die Spritpreise steigen acht Tage in Folge, E10 nähert sich dem Allzeithoch. Die Bundesregierung plant keine neuen Entlastungen und verweist auf geopolitische Zwänge. Ein teures Politikversagen.

München – Der Tankrabatt ist Geschichte, die Rechnung kommt jetzt. E10 kostet 2,15 Euro pro Liter, Diesel 2,18 Euro – acht Tage Preisanstieg ohne Unterbrechung. Laut ADAC-Daten ist E10 aktuell 13,6 Cent teurer als vor zwei Wochen nach Ende des Tankrabatts, beim Diesel beträgt die Preissteigerung 23,1 Cent gegenüber dem Stand vor zwei Wochen.

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Der aktuelle E10-Preis liegt laut ADAC-Daten gut fünf Cent unter dem Allzeithoch aus 2022. Die Bundesregierung? Schaut zu und verweist auf die Straße von Hormus. Regierungssprecher Stefan Kornelius formuliert es so: Man müsse mit den Schwankungen leben. Neue Entlastungen? Nicht geplant.

Die Spritpreise steigen acht Tage in Folge.

Die Spritpreise steigen acht Tage in Folge. © IMAGO / Rene Traut

Die Erklärung aus Berlin klingt nach Kapitulation vor der Realität. Der Iran-Konflikt treibe die Ölpreise, die Lage am Persischen Golf bleibe angespannt, wie n-tv berichtet. Über die Meerenge zwischen Iran und Oman fließen täglich Millionen Barrel Öl – jede Eskalation schlägt direkt auf die Zapfsäulen durch. Doch statt aktiver Wirtschaftspolitik setzt die Koalition auf Durchhalteparolen.

Die bisherigen Maßnahmen hätten für Beruhigung gesorgt, so Kornelius. 80 Prozent des Tankrabatts seien bei den Autofahrern angekommen, bestätigt das Bundeskartellamt.

Nach Medienberichten auf Basis von Kartellamts-Schätzungen könnten rund 200 Millionen Euro des insgesamt etwa 1,6 Milliarden Euro großen Steuerausfalls bei Mineralölkonzernen verblieben sein. Ein Geschenk an die Branche, bezahlt vom Steuerzahler.

Ferienverkehr trifft auf Preisexplosion

Die Sommerferien verschärfen die Situation zusätzlich. Mit dem Ferienstart in Nordrhein-Westfalen steigt die Nachfrage an den Tankstellen um bis zu zehn Prozent. Wer Richtung Alpen, Nord- oder Ostsee fährt, zahlt Rekordpreise – und das bei voller Auslastung der Autobahnen.

Der ADAC rechnet auch am kommenden Wochenende mit massivem Reiseverkehr. Nur Bayern und Baden-Württemberg haben noch keine Ferien, alle anderen Bundesländer sowie die Nachbarstaaten befinden sich im Urlaubsmodus. Der perfekte Sturm für die Mineralölbranche: hohe Nachfrage, knappes Angebot, geopolitische Unsicherheit.

CSU fordert langfristige Lösungen statt Schnellschüsse

Alexander Hoffmann, Vorsitzender der CSU-Bundestagsabgeordneten, lehnt einen neuen Tankrabatt ab. Die Kosten seien zu hoch – 800 Millionen Euro pro Monat könne der Bundeshaushalt nicht dauerhaft stemmen. Stattdessen setzt die CSU auf die Einkommensteuerreform ab 2027 und fordert eine Deeskalation im Nahen Osten.

Das Luxemburger Modell mit staatlich verordneten Preisobergrenzen wird diskutiert, stößt aber auf Widerstand. Kritiker warnen vor Versorgungsengpässen und dem Ende des Wettbewerbs. Weitere Optionen wie höhere Pendlerpauschale oder Übergewinnsteuer für Ölkonzerne bleiben Gedankenspiele ohne konkrete Umsetzungspläne.

Ölpreis als Preistreiber – mit Ausschlägen nach oben und unten

Der Rohölpreis ist seit Anfang des Monats massiv gestiegen und zieht die Spritpreise mit. Am Montagmorgen (20. Juli) gab der Ölpreis leicht nach, nachdem der Iran Verhandlungen mit den USA andeutete. Diesel und E10 wurden minimal günstiger – ein kurzes Aufatmen.

Doch die Grundtendenz bleibt: Solange die Straße von Hormus unsicher ist, bleiben die Preise volatil. Laut einer ADAC-Auswertung lag der bundesweite Durchschnittspreis für Diesel am 7. April bei rund 2,45 Euro pro Liter – davon ist der aktuelle Preis noch weit entfernt. Bei E10 sieht es anders aus: Laut ADAC-Daten liegt der Preis gut fünf Cent unter dem absoluten Rekord aus 2022.

Business Punk Check

Die Bundesregierung verkauft Hilflosigkeit als Strategie. Statt die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und geopolitischen Krisen anzugehen, verweist Berlin auf externe Faktoren und hofft auf Deeskalation. Der Tankrabatt war ein teurer PR-Stunt: 1,6 Milliarden Euro Kosten, 200 Millionen Euro Gewinn für Mineralölkonzerne, null strukturelle Veränderung.

Jetzt zahlen Pendler, Logistikunternehmen und der Mittelstand die Rechnung, während die Politik auf 2027 vertröstet. Das Luxemburger Modell? Könnte funktionieren, wird aber nicht kommen, weil die Lobby zu stark ist.

Übergewinnsteuer? Politisch tot. Die unbequeme Wahrheit: Wer heute auf Verbrenner setzt, bleibt Spielball globaler Ölmärkte. Unternehmen mit Fuhrparks sollten Elektrifizierung und Mobilitätsbudgets priorisieren – nicht auf die nächste Steuersenkung warten. Die kommt nämlich nicht.