Bedrohungsmanagement: So erkennen die Kantone Gefahren frühzeitig
Amoktat von Aarau Wie die Kantone Gewalttaten verhindern wollen Um Gewalttaten zu verhindern, setzen die Kantone auf ein Bedrohungsmanagement. Das Wichtigste...
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Amoktat von Aarau Wie die Kantone Gewalttaten verhindern wollen
Um Gewalttaten zu verhindern, setzen die Kantone auf ein Bedrohungsmanagement. Das Wichtigste dazu kurz erklärt.
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Was ist das KBM? Oft fällt eine gefährdende Person auf, bevor sie eine Gewalthandlung begeht. Täterinnen und Täter zeigen bestimmte Verhaltensweisen oder äussern Drohungen – sogenanntes «Leaking». Das Kantonale Bedrohungsmanagement (KBM) setzt genau hier an. Es soll Vorzeichen erkennen, die Gefahr einschätzen und wenn nötig entschärfen. Der forensische Psychiater Marc Graf von der Universität Basel erklärt den Sinn so: «Das Bedrohungsmanagement funktioniert unterhalb der Schwelle der Strafverfolgung, aber oberhalb der psychiatrischen Betreuung. Es füllt somit eine Lücke.»
Welche Schritte werden bei einer Bedrohung eingeleitet? Geschulte Ansprechpersonen in verschiedenen Institutionen wie zum Beispiel Sozialämtern, Spitälern und Schulen melden ihre Beobachtungen an die Fachstelle Kantonales Bedrohungsmanagement. Diese führt vorhandene Informationen verschiedener Stellen zusammen und beurteilt das Risiko. Falls nötig, kontaktiert sie die gefährdende Person direkt, ohne dass es zu einem Polizeieinsatz oder einer Anzeige kommt.
Welche Risikogruppen und -faktoren gibt es? Das KBM unterscheidet drei Kategorien von Risikopersonen. Erstens die klassischen Gefährder, von denen eine Gewaltbereitschaft gegen Dritte ausgeht. Zweitens terroristische Gefährder, die gemäss dem Bundesgesetz über polizeiliche Massnahmen zur Bekämpfung von Terrorismus eingestuft werden. Und drittens beschuldigte Personen, gegen die bereits ein konkretes Strafverfahren läuft. Risikofaktoren sind etwa Vorstrafen, bestehender Waffengebrauch oder eine Affinität für Waffen, Suchtmittelkonsum oder etwa eine psychische Störung. Noch wichtiger ist laut Experte Graf aber die Verhaltensebene – liegen etwa bereits Fälle von Stalking vor.
Beim Bedrohungsmanagement erkennen und entschärfen Behörden mögliche Gewaltgefahren, bevor es zu einer Tat kommt.
KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi
Was sind die Rahmenbedingungen? Das Bedrohungsmanagement arbeitet im Spannungsfeld der persönlichen Grundrechte, der Privatsphäre und letztlich auch des Datenschutzes. Dass Letzterer ein Hindernis für die Arbeit der Polizei sei, erlebt Marc Graf, der selbst im Kanton Graubünden tätig ist, aber selten. May Beyli, forensische Psychologin an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, stellt zudem klar: «Es gibt keine Register oder Schattendateien.» Stattdessen schauten sich die involvierten Stellen jeweils Einzelfälle an.
Wie erfolgreich ist das KBM? Das Bedrohungsmanagement ist erst seit wenigen Jahren operativ. Im luzernischen Sempach, wo am Donnerstag eine Fachtagung zum Thema stattfand, betonen die Teilnehmenden, dass es vorwärts geht mit der Sensibilisierung – etwa durch Schulungen bei betroffenen Institutionen wie etwa der Arbeitslosenversicherung. «Ein gutes Bedrohungsmanagement kann schwere Gewalttaten verhindern», erklärt Marc Graf. Das statistisch zu belegen, sei allerdings schwierig.
Was kann man aus dem Fall Aarau lernen? Der mutmassliche Täter von Aarau lebte zurückgezogen im jurassischen Dorf Montsevelier. Den Behörden war er laut aktuellem Stand zuvor nicht bekannt. «Dass ein Täter der Polizei völlig unbekannt war, ist bei so schweren Taten die absolute Ausnahme», sagt der forensische Psychiater Marc Graf. Der Experte nimmt die Zivilgesellschaft als Ganzes in die Pflicht. «Wenn man sieht, dass jemand problematisches Verhalten zeigt, dann soll man das melden – auch für diese Person.»
Tagesschau, 3.9.2026, 19:30 Uhr ; srf/mcep;hues;brus