"Wölfe sehen wir gerne im Wald, Jäger nicht so gerne"

Fast jeder kommt mal an der Tanke vorbei. Zwei rbb|24-Reporter sprechen Leute an der Zapfsäule in Brandenburg an und fragen, was sie umtreibt. Heute: ein Paar, das gern im Wald ist und Heavy Metal liebt.

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"Wölfe sehen wir gerne im Wald, Jäger nicht so gerne"

An der Tanke in Brandenburg

“Wölfe sehen wir gerne im Wald, Jäger nicht so gerne”

Illustration: Heavymetall Paar "An der Tanke". (Quelle: rbb)
Illustration: Heavymetall Paar "An der Tanke". (Quelle: rbb)

Icon Kommentar

rbb|24 will mit den Gesprächsprotokollen, die "An der Tanke" entstanden sind, Einblicke in verschiedene Gedankenwelten geben und Sichtweisen dokumentieren, ohne diese zu bewerten oder einzuordnen. Sie geben die Meinungen der Gesprächspartner wieder.

Wer: ein Paar, er ist Sozialarbeiter, sie Kellnerin
Alter: beide 50
Uhrzeit: 11:18 Uhr
Fahrzeug: VW T4
Getankt: nichts, Pakete abgegeben
Woher: von zu Hause
Wohin: zum Einkaufen
Wo: eine Tanke im Landkreis Teltow-Fläming

Er: Wir wohnen hier in der Nähe seit sieben Jahren. Wir kommen ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Nähe zu Berlin und Freunde, die dort leben, haben uns hergelockt.

Er, lange offene Haare, ist von Anfang an neugierig, was das wohl für ein Gespräch wird. Sie hält sich erstmal zurück, wirkt noch unentschlossen, ob sie mitreden will.

Sie: Ich arbeite auch in Berlin.

Er: Wir wohnen in der Nähe vom Bahnhof, da lässt es sich gut pendeln. Außer wenn die Züge nicht fahren.

Er lacht.

Er: Ich arbeite in der stationären Jugendhilfe in Mittenwalde. Da geht es um Hilfe in der Erziehung. Für Jugendliche gibt es viel zu wenig. Das ist eine große Schwierigkeit. Der Bedarf ist immer größer geworden. Ich glaube, das ist armutsbedingt. Das Prekariat wird größer. Es gibt mehr Leute mit weniger Geld, mehr Gewalt in Familien. Sicher hat auch die Pandemie ihren Anteil.

Beide haben viele Tattoos an Armen und Händen.

Er: Wir gehören der Heavy Metal-Szene an. Wir machen hin und wieder kleine Konzerte selbst. Kleinere Sachen gibt es auch hier in Gegend, aber das wird immer weniger.

Sie: In Thüringen und Sachsen ist das meiste.

Er: Clubs gibts ganz wenige in Lübben, aber das meiste in Berlin. Berlin saugt alles ab.

Sie: Ich arbeite in einem bayrischen Biergarten am Ostkreuz. Wir haben viele Stammgäste, alles gemischt.

Er: Wir wohnen bewusst nicht in Berlin. Wir haben zwei große Mischlinge. Die brauchen Platz, das geht in der Stadt nicht. Die brauchen einen Garten. Wo wir wohnen gibt es keine Jäger.

Sie: Wölfe haben wir im Wald schon drei Mal gesehen. Ein Mal ein Pärchen.

Jetzt taut sie auf. Mit den Wölfen - damit kann sie etwas anfangen.

Sie:Tagsüber war das immer. Die Wölfe sind scheu und hauen dann ab.

Er: Einmal haben wir sogar welche aufgeweckt. Die lagen etwa 50 Meter vom Weg entfernt.

Sie: Wölfe sehen wir gerne im Wald, Jäger nicht so gerne. Ich hoffe, dass die Wölfe in unserem Wald sich nicht von den Jägern erwischen lassen.

Ihre Stimme wurde deutlich lauter, als sie das sagte. Er stimmt ihr zu. Später nach dem Gespräch erzählt sie, dass genau in diesem Augenblick ein Mann in Jäger- oder Förstermontur an uns vorbei gelaufen ist, das sei ihr unangenehm gewesen.

Sie: Unseren Hund haben die Wölfe zum Glück nicht gesehen, nur gerochen. Die Wölfe gucken kurz und verschwinden dann. Wir sind jeden Tag zwei Mal im Wald. Zur Pilzsaison sind wir auch drei, vier Stunden im Wald.

Abgesehen von unserem Leben hier wäre es mir wichtig, dass die Politik weniger Kriegstreiberei anstrebt. Es sollte mehr auf Menschen und Soziales geachtet werden. Nicht überall kürzen und die Leute noch mehr arbeiten lassen.

Er: Vor Ort mehr Angebote für Jugendliche wünschen sie sich ebenfalls. In Halbe konnte der Jugendclub nicht weiter finanziert werden, weil der Gemeinde das Geld fehlt. Stattdessen hat die AfD dort ein Büro eröffnet. Damit zieht sie die Jugend natürlich an. Weil die dann Grillnachmittage machen und so weiter.

Nur Ehrenamtliche können nicht alles auffangen. Dann streiten sich die Ortsvorsteher um Windparks. Dabei sollte es mehr um die Zukunft junger Menschen gehen.

Die Stimmung im Ort während der Bauernproteste und der Diskussionen um Remigration ist sehr unangenehm gewesen. Das waren dieselben Leute.

Sie: Privat hatten wir zum Glück noch keine Probleme.

Er: In den Ortschaften merkt man, dass die eine Hälfte eher AfD-getüncht ist, die anderen versuchen dagegenzuhalten. In den Ortsratssitzungen sitzen sich zwei Lager gegenüber.

Die AfD stellt die Größe dar, die die anderen Parteien und Bündnisse gemeinsam bilden. Oft ist der Ton sehr rau, es wird sehr persönlich. Das sind verhärtete Fronten. Ein richtiges Miteinander ist das nicht.

Sendung: rbb|24, 04.08.2026, 19:17 Uhr
Audio: rbb|24, 04.08.2026, Yasser Speck im Gespräch mit Jonas Wintermantel und Anna Bordel

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