Antike Pandemie: Entvölkerte die Cyprianische Pest das römische Nîmes?

KI-Stimme. InfoInmitten der politischen und gesellschaftlichen Krise des Römischen Reiches wurde weite Teile des Imperiums von einer schweren Epidemie erfasst. Die sogenannte Cyprianische Pest forderte im 3. Ja...

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Antike Pandemie: Entvölkerte die Cyprianische Pest das römische Nîmes?

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Inmitten der politischen und gesellschaftlichen Krise des Römischen Reiches wurde weite Teile des Imperiums von einer schweren Epidemie erfasst. Die sogenannte Cyprianische Pest forderte im 3. Jahrhundert zahlreiche Menschenleben und könnte in einigen Regionen zu einem erheblichen Bevölkerungsrückgang beigetragen haben. Hinweise auf die Auswirkungen dieser Epidemie liefert nun auch das römische Aquädukt von Nîmes, wie deutsche Forscher in einer aktuellen Studie herausgefunden haben.

Aquädukt von Nîmes als Zeugnis einer Katastrophe

Das Aquädukt von Nîmes dient der Forschung als bedeutender archäologischer Zeitzeuge und ermöglicht Einblicke in wichtige Phasen der Stadtgeschichte. Es wurde um das Jahr 50 n. Chr. errichtet, um Wasser in die römische Stadt Nemausus, das heutige Nîmes, zu leiten. Ein Forschungsteam der Johannes Gutenberg Universität Mainz untersuchte Karbonatablagerungen, die sich durch das fließende Wasser entlang des rund 50 Kilometer langen Systems gebildet haben. Mithilfe von Kohlenstoff, Sauerstoff und Strontiumisotopen sowie verschiedenen Spurenelementen konnten die Wissenschaftler Veränderungen des Wasserflusses und der Wasserqualität rekonstruieren. Die Ablagerungen entstanden schichtweise und bewahrten dadurch Informationen über die Umweltbedingungen und ihre Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte.

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Besonders aufschlussreich sind die Zyklen der Sauerstoffisotope, die Informationen über lange Zeiträume speichern und Rückschlüsse auf die damaligen Wasserverhältnisse ermöglichen. Für das Jahr 146 n. Chr. konnten die Forscher beispielsweise eine Verringerung der durch das Aquädukt transportierten Wassermenge nachweisen. Als mögliche Ursache gilt die Umleitung eines Teils des Wassers zur Bewässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen.

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Ab etwa 230 n. Chr. zeigten die Ablagerungen erste Hinweise auf einen zunehmenden Verfall des Systems. In der Folge verschlechterte sich die Wasserqualität zunehmend. Um 270 n. Chr. erreichte schließlich kein Wasser mehr den tiefer gelegenen Abschnitt des Aquädukts, der die Versorgung von Nîmes sicherstellte. Dieser Zeitpunkt fällt mit einer Phase wirtschaftlicher und politischer Instabilität in der römischen Stadt zusammen und liegt zudem in der Zeit der sogenannten Cyprianischen Pest, die zwischen etwa 250 und 270 n. Chr. weite Teile des Römischen Reiches erfasste.

Die Forscher der Studie, über die „Archeology News“ berichtet, halten es für möglich, dass die Epidemie zu einem deutlichen Rückgang der Bevölkerung von Nîmes beigetragen haben könnte. Eine kleinere Stadtbevölkerung hätte vermutlich auch den Bedarf an Wasser zum Trinken, für die Körperpflege und für öffentliche Bäder reduziert. Weitere archäologische Befunde aus der Region weisen ebenfalls auf tiefgreifende Veränderungen in dieser Zeit hin.

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Nutzung des Aquädukts: Geschichte nimmt Einfluss

Die Studie verdeutlicht, wie sich die Funktion derselben Infrastruktur im Laufe der Zeit an veränderte gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedingungen anpassen konnte. In der frühen Geschichte des Aquädukts beeinflussten vor allem klimatische Veränderungen die verfügbare Wassermenge. Später veränderten eine zunehmende Nutzung des Wassers für die Landwirtschaft, der Bevölkerungsrückgang und Verschiebungen der Machtverhältnisse im ländlichen Raum die Funktion und Bedeutung des Systems.

Über Jahrhunderte hinweg konnte das Aquädukt unterschiedliche Umweltbedingungen überstehen. Erst als Nîmes zunehmend an Bevölkerung und wirtschaftlicher Bedeutung verlor, veränderte sich auch der ursprüngliche Zweck der Wasserleitung grundlegend. Bemerkenswert ist, dass das Bauwerk noch im fünften Jahrhundert Wasser führte, obwohl die zentrale Wasserversorgung der Stadt bereits lange zuvor eingestellt worden war.

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Cyprianische Pest im Römischen Reich

Historische Quellen aus dem 3. Jahrhundert berichten von einer schweren Epidemie, die heute als Cyprianische Pest bezeichnet wird. Sie breitete sich zwischen etwa 250 und 270 n. Chr. in weiten Teilen des Mittelmeerraums und des Römischen Reiches aus und forderte vermutlich zahlreiche Todesopfer. Zu den bekannten Persönlichkeiten, deren Tod möglicherweise mit der Epidemie in Verbindung steht, zählen die römischen Kaiser Hostilian, der im Jahr 251 n. Chr. starb, und Claudius II. Gothicus, der im Jahr 270 n. Chr. demnach ebenfalls einer Krankheit zum Opfer fiel. Die genaue Ursache der Epidemie ist bis heute nicht eindeutig geklärt.