Antonia Hübsch: Die Freisinger Eiskönigin von Istanbul
StartseiteSportLokalsportLandkreis FreisingStand: 03.09.2026, 08:00 UhrKommentareUns auf Google folgenDa wurden viele Fotos gemacht: Antonia Hübsch (l.) hat mit dem Verein Buz Adamlar GSK im März 2026 die Türki...
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Stand: 03.09.2026, 08:00 Uhr
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Die junge Freisingerin gewinnt während ihres Auslandssemesters mit dem Club Buz Adamlar GSK die Türkische Meisterschaft. Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr.
Freising – Schuld ist die Eismaschine. Nicht jene, die leckeres Erdbeer- oder Schokoladeneis hervorbringt. Sondern die, die im Eisstadion für eine glatte Fläche sorgt. Die hat es der vierjährigen Antonia Hübsch angetan. „Wenn ich mit meinen Eltern beim Schlittschuhlaufen war, kam am Ende des öffentlichen Laufs die Bearbeitungsmaschine, und wenn alles glatt war, durften die Eishockeyspieler einlaufen. Die haben mich total beeindruckt“, erzählt die heute 23-Jährige. So sehr, dass für sie feststeht: Sie will auch mal Eishockey spielen.
Doch noch haben die Eltern das Sagen. Und die sagen erst einmal Nein – auch, als Antonia schon in die Schule geht. Denn das Training findet am Abend statt, vor 22 Uhr ist ans Schlafen nicht zu denken. „Aber wenn Antonia sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann klappt das über kurz oder lang“, sagt ihr Vater, Toni Hübsch, der in Freising ein Fahrradgeschäft hat. Also darf sie gegen Ende ihrer Grundschulzeit doch trainieren, und das tut sie in den folgenden Jahren mit nicht nachlassendem Eifer. Dieses Engagement wird dazu führen, dass sie als junge Frau die Türkische Meisterschaft gewinnt. Doch das ahnt damals noch niemand.

Ihre erste Station sind die Black Bears Freising. Als sich dort nicht mehr genügend Spielerinnen für eine Mannschaft finden lassen, schließen sich die Freisingerinnen vorübergehend mit Dachau zu einer Spielgemeinschaft zusammen. Danach wieder Freising. Der damalige Trainer ist von Antonias Schlagschüssen begeistert. Er schickt sie zum Probetraining nach Ingolstadt, zu den Frauen des ERC Ingolstadt, den „Pantherinnen“. Die spielen in der Deutschen Frauen-Eishockey-Liga. Dazwischen ist Hübsch in Dorfen aktiv. Sie bekommt eine Doppellizenz – und spielt zeitweilig für Dorfen und für Ingolstadt. Wäre sie ein Mann, würde man von einer Herkulesaufgabe sprechen.
Spagat zwischen Schule und Sport
Nebenbei geht sie zur Schule. Wobei „nebenbei“ so nicht stimmt. Das Training auf dem Eis und das Lernen am Camerloher-Gymnasium – das ist ein Spagat. „Die Lehrer hielten die Schule für wichtiger und die Trainer das Eishockey“, sagt Antonia Hübsch, und ihr Vater ergänzt: „Sie kann super priorisieren und ist extrem strukturiert. Mit so wenig Aufwand wie möglich erreicht sie das Maximum.“ Sie lernt im Auto und in den Trainingspausen. Und irgendwie bringt sie auch noch die Zeit auf, Klavier und Saxophon zu üben. Selbst im Sommer bleibt nicht viel Zeit fürs Abhängen mit Freunden. Denn auch in der spielfreien Zeit wird trainiert. Die Saison beginnt ja schon wieder im September. Ganz fernab von Eishockey ist sie nur auf Donousa, einer griechischen Insel in der südlichen Ägäis, wo sie regelmäßig mit ihren Eltern und ihrer Schwester die Ferien verbringt.

Bald stellen sich Erfolge ein: In ihrer ersten Saison 2022/23 beim ERC Ingolstadt gewinnt ihr Team erstmals den DEB-Pokal. Und auch in ihrer zweiten Spielzeit beim ERC gibt es etwas zu feiern: Die Ingolstädterinnen werden erneut Pokalsieger und zudem Deutscher Vizemeister.
Disziplin, Ehrgeiz und Freude am Sport: Das ist nötig, um so weit zu kommen – und dazu die Unterstützung ihrer Eltern Toni Hübsch und Kirsten Eckner. Die selbstständige Osteopathin übernimmt viele Fahrdienste, solange Antonia noch keinen Führerschein hat. Während der Woche zum Training, an den Wochenenden zu Spielen, immer wieder ins Trainingslager. Tausende Kilometer kommen zusammen. Dazu die teure Ausrüstung: Schläger, Schlittschuhe, Helm, Handschuhe, Schienbeinschoner – das wächst alles nicht mit. Deshalb muss regelmäßig eine neue Ausrüstung angeschafft werden.

Auf eine Karriere als Vollprofi vertraut Hübsch nicht. Denn in Deutschland können Frauen im Eishockey nicht von ihrem Sport leben – im Gegensatz zu anderen Ländern. Also beginnt sie an der Technischen Universität München „Management and Technology“ zu studieren, inzwischen ist sie im achten Semester. Ihr siebtes macht sie im Ausland, mit Unterstützung eines Erasmus-Stipendiums. Sie geht in die Türkei – und weil sie auch weiter Eishockey spielen will, heuert sie bei einem der größten türkischen Einhockeyclubs an: beim Buz Adamlar GSK in Istanbul. Es gibt ein kleines, aber immerhin regelmäßiges Einkommen sowie eine Wohnung. Und vor allem gibt es Wertschätzung – mehr, als sie hierzulande je bekommen hat. „Die Türken stehen hinter ihren Sportlern und sind stolz auf deren Erfolge“, erzählt Antonia Hübsch.
Einen Erfolg, einen sehr großen, kann sie mit dem Club Buz Adamlar GSK verbuchen: Sie wird mit dem Verein im Frühjahr 2026 Türkische Meisterin. Alle Fans wollen Selfies mit der deutschen Stürmerin machen. Ihre Eltern verfolgen das Endspiel auf dem Handy, während sie im Skiurlaub sind.
Rückkehr zu den Pantherinnen
Steht nun eine große Karriere als Eishockeyspielerin bevor? Erst einmal macht sie ihren Bachelor und dann ihren Master an der TU München. Und sie steigt wieder bei den Pantherinnen in Ingolstadt ein. Sehr zur Freude von ERC-Teammanager Thorsten Krestel: „So schön, dass Toni wieder zurück ist. Mit ihrer Erfahrung, ihrer positiven Art und ihrem Spirit ist sie total wichtig für unser Team.“ Beste Voraussetzungen also für weitere große Erfolge.
Johanna Stadler