Ärger über volle Schulbusse in Konradsdorf
StartseiteRegionWetteraukreisStand: 24.09.2026, 01:00 UhrKommentareUns auf Google folgenEltern berichten von überfüllten Bussen und Schülern, die nicht mitgenommen wurden. Die VGO sieht nach Kontrollen inzwisch...
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Stand: 24.09.2026, 01:00 Uhr
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Eltern berichten von überfüllten Bussen und Schülern, die nicht mitgenommen wurden. Die VGO sieht nach Kontrollen inzwischen keine anhaltenden Kapazitätsprobleme – doch Fragen zur Auslastung und Sicherheit bleiben offen.
Ortenberg – Ein Mädchen sitzt auf dem Boden eines voll besetzten Busses, ein Junge gerät mit seinem Fuß in den Türbereich, bei einem anderen wird der Schulranzen beim Schließen der Bustür eingeklemmt. „Das sind keine abstrakten Beschwerden über mangelnden Komfort, sondern Schilderungen von Kindern über ihre Heimfahrt nach der Schule“, sagt Jeannette Bechtold. Manchmal würden Schüler auch gar nicht mitgenommen, weil der Bus zu voll sei.
Schülerbefragung: Drei Sichtweisen
Jeannette Bechtold hält die Beteiligung der Schüler für unverzichtbar, weil diese täglich erleben, wie gut die Busverbindungen in der Praxis funktionieren. Ihre Erfahrungen sollten daher systematisch erhoben und ausgewertet werden. Bechtold hat dafür einen anonymen Fragebogen vorbereitet und dem Schulleiter geschickt. Tobias Stolte unterstützt eine solche Befragung nicht, da sie zum einen über die Schulkonferenz beantragt werden müsse; zum anderen solle kein Präzedenzfall geschaffen werden, der künftige Schülerbefragungen „zu allem und jedem“ möglich mache. Manuela Priess, Vorsitzende des Schulelternbeirats, hält die Einbindung der Schülerperspektive „inhaltlich sicherlich für sinnvoll“. Eine Befragung könne jedoch nicht von einer Einzelperson oder dem SEB durchgeführt werden. Dafür seien unter anderem eine Abstimmung mit der Schulleitung und eine datenschutzrechtliche Prüfung erforderlich. Zudem müsse abgewogen werden, ob die Befragung tatsächlich neue Erkenntnisse bringen würde.
Bechtold kennt die Problematik aus eigener Erfahrung. Ihre ältere Tochter, die seit mehr als vier Jahren die Gesamtschule besucht, habe sie wiederholt abholen müssen, weil sie nicht in den Bus gekommen sei. Seit diesem Schuljahr geht auch ihre jüngere Tochter nach Konradsdorf. Sie habe inzwischen Angst und fahre nach der sechsten Stunde nur noch in Begleitung ihrer Schwester.
Ihre Kinder seien kein Einzelfall, wie sie von anderen Eltern wisse. Auch auf einem Elternabend seien die wiederkehrenden Probleme thematisiert worden. Da Bechtold bereits mit der VGO in Kontakt stand, sei sie vom Elternbeirat der Klasse und anwesenden Eltern gebeten worden, die bekannten Probleme zu bündeln. Seitdem hätten sich mehr als 30 Eltern mit Beschwerden und Rückmeldungen in dieser Angelegenheit an sie gewandt. Dabei hätten sich die Buslinien FB-45, FB-81 und FB-82 als Schwerpunkte der Problematik herauskristallisiert. Besonders betroffen seien die Verbindungen nach Nidda und Altenstadt kurz nach dem Unterrichtsschluss um 13 Uhr.
Herausforderungen wegen Baustellen
Nach den Erfahrungen ihrer Töchter und dem Feedback vom Elternabend machte sich Bechtold an mehreren Tagen selbst ein Bild vor Ort. Zusammen mit Rückmeldungen von Eltern und Schülern erstellte sie eine 18-seitige Dokumentation zur Schülerbeförderung. Das Ergebnis sei kein pauschales Bild eines täglich zusammenbrechenden Busverkehrs, wie Bechtold betont. Es zeige vielmehr deutliche Belastungsspitzen bei einzelnen, für bestimmte Wohnorte alternativlosen Verbindungen – mit gravierenden Folgen für die betroffenen Kinder.
Die Verkehrsgesellschaft Oberhessen bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung, dass es in den ersten beiden Schulwochen zu einem „erhöhten Fahrgastaufkommen“ und nahezu ausgeschöpften Buskapazitäten nach der sechsten Unterrichtsstunde gekommen sei. Wie viele Beschwerden beziehungsweise konkrete Fälle von stehengelassenen Schülern es gab, teilte die VGO auf Nachfrage indes nicht mit.
In der dritten Schulwoche habe die Verkehrsgesellschaft die Abfahrten nach der sechsten Stunde kontrolliert. Bei den insgesamt fünf Kontrollen der Linien FB-3, -45, -81 und -82 seien jedoch „keine Kapazitätsprobleme festgestellt“ und „keine Fahrgäste stehengelassen“ worden. Ob eingeschränkte Bewegungs- und Festhaltemöglichkeiten oder blockierte Türbereiche bereits als Kapazitätsproblem gewertet werden, ließ die VGO offen.
Vor große Herausforderungen stelle den Busverkehr die derzeitige Baustellensituation rund um die Schule, insbesondere auf der B275 zwischen Ranstadt und Selters. „Durch den Bau des Radweges muss eine Vielzahl an Einschränkungen auf dem regulären Linienweg berücksichtigt werden“, heißt es in der Stellungnahme. So verkehrten derzeit unter anderem sieben Linien, die den Schulstandort Konradsdorf anfahren, nach Baustellenfahrplänen.
Schulleiter sieht keine generelle Überlastung
Ähnlich wie die VGO sieht auch Schulleiter Tobias Stolte derzeit keine generelle Überlastung der Schulbusse. Er habe selbst mehrere Fahrten beobachtet und dabei keine problematische Situation festgestellt. Auch die zu Schuljahresbeginn geschilderte Situation habe sich aus seiner Sicht inzwischen eingependelt. Zugleich betont er, dass er einzelne problematische Fälle nicht ausschließen könne. Generell befinde sich die Schule in einem guten und kontinuierlichen Austausch mit der VGO.
Jeannette Bechtold hingegen hält die Ergebnisse der VGO-Kontrollen für nicht ausreichend nachvollziehbar. Für sie gehe es nicht allein darum, ob die rechnerisch zulässige Zahl von Sitz- und Stehplätzen erreicht werde. „Entscheidend ist auch, ob Kinder mit Schulranzen sicher ein- und aussteigen, Haltegriffe erreichen und Tür- und Gangbereiche frei bleiben können“, betont sie. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Fall, den sie selbst – ebenso wie ein VGO-Mitarbeiter – vor Ort beobachtet habe: Auf Anordnung des Busfahrers seien sechs wartende Schüler durch Zusammenrücken noch in den eigentlich überfüllten Bus „hineingequetscht“ worden. Solche Bedingungen hält Bechtold für „nicht zumutbar“ und will sich weiter für eine Lösung des Problems einsetzen.