Ärger um Ed Sheeran und Macklemore: Vorbands sagen ab, Greta Thunberg droht
Texttafeln auf schwarzem Grund, gepostet auf Instagram, das kann zwei Dinge bedeuten. Es hat Ärger gegeben. Oder es wird noch Ärger geben. Rund um die laufende US-Stadiontour von Ed Sheeran haben nun sowohl der...
- 5 min read
Texttafeln auf schwarzem Grund, gepostet auf Instagram, das kann zwei Dinge bedeuten. Es hat Ärger gegeben. Oder es wird noch Ärger geben. Rund um die laufende US-Stadiontour von Ed Sheeran haben nun sowohl der britische Musiker als auch sämtliche seiner Vorbands solche Weiß-auf-Schwarz-Texte veröffentlicht.
Ed Sheeran muss die Tour, Stand jetzt, allein weiterspielen, falls sie unter diesen Umständen überhaupt noch stattfindet. Die Vorbands haben ihm per Instagram abgesagt. Es ist die größtmögliche Eskalation in einem Streit, der begann, als der amerikanische Rapper Macklemore bei einem Konzert am 4. September sagte, er habe diese Tour auch deshalb spielen wollen, um dort zwei Wörter zu sagen, die ihm sehr am Herzen lägen: „Free Palestine“.
InstagramDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von Instagram angereichert
Um Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Instagram angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.
Am vergangenen Montag gab der Tourveranstalter daraufhin bekannt, Macklemore werde nicht weiter auftreten. Die Besitzer der Stadien würden ihn nicht auftreten lassen, die Tour könne mit ihm also nicht stattfinden. Nach Gesprächen „mit den Beteiligten“ sei die Entscheidung gefallen, Macklemore rauszuwerfen. Wer aber waren die Beteiligten? Etwa auch Ed Sheeran?
Danach veröffentlichte Macklemore also eine Reihe von Instagram-Texttafeln. „Ed“ sei sein Freund. Man kenne sich seit 13 Jahren, habe so viel gemeinsam durchgemacht. „Ich sehe ihn als meinen Bruder.“ Trotzdem müsse er die Wahrheit sagen über das, was da passiert sei. „Ed Sheeran und sein Team haben die Entscheidung getroffen, mich aus der ,Loop Tour‘ zu entfernen.“ Er verstehe das, „Ed“ sei in einer „abgefuckten“ Lage, weil die Stadienbesitzer Druck auf ihn ausübten.
Es gebe mehr als einen Weg zum Frieden, sagt Ed Sheeran in seinem Statement
Sein Kumpel habe auch gesagt, die palästinensische Flagge und die Worte „Free Palestine“ empfänden viele Menschen als verletzend. „Ich habe ihm gesagt, wenn diese Worte mehr Anstoß erregen als Zehntausende durch Israel getötete Kinder, dann gibt es da einen fundamentalen Unterschied zwischen diesen Leuten und mir.“ Sheeran habe seine Haltung, sich auf keine von beiden Seiten schlagen zu wollen, einfach nicht überwinden können.

Frauen im Hip-Hop
:„Dass ich Typen mal aufs Maul haue, die sich übergriffig verhalten, lasse ich gern so stehen“Seit den Loveparades der Neunziger hat kein so stumpf daherballernder Pop-Trend ein so immenses Analysebedürfnis ausgelöst: Ein paar Begegnungen mit den Protagonistinnen des Genres „Fotzenrap“.
Der antwortete, ebenfalls auf Instagram, er müsse „einige Fakten klarstellen“. Macklemore habe ihn gebeten, bei der Tour mitspielen zu dürfen, dem habe er, Sheeran, zugestimmt, weil er ihn als Musiker schätze. Die Entscheidung, ihn rauszuschmeißen, habe der Tourveranstalter getroffen, mit dem Macklemore auch den Vertrag gemacht habe, nicht er. Und er sei auch „nicht mitschuldig“ dadurch, dass er sich im Krieg in Gaza auf keine Seite schlage.
„Ich habe meine Sicht auf diesen schrecklichen Konflikt“, dass er sich nicht öffentlich dazu äußere, bedeute nicht, dass ihm das alles egal sei. „Ich nutze meine Bekanntheit und meine Plattform, um einen Raum der Sicherheit und Zuflucht zu erschaffen, um Diplomatie zu ermöglichen und Diskussionen offenzuhalten.“ Es gebe mehr als einen Weg zum Frieden.
Der treibende Akteuer hinter Macklemores Rauswurf ist der US-Milliardär Robert Kraft
Was die anderen Vorbands davon hielten, machten sie in den Stunden nach dem Erscheinen von Sheerans Statement öffentlich klar.
„Ed war immer ein Freund für mich und hat mein Leben verändert, ich kann ihm dafür gar nicht genug danken“, schrieb der irische Sänger Aaron Rowe. „Aber als Iren wissen wir nur zu gut, was Völkermord, erzwungene Hungersnot und gewaltsame Besatzung bedeuten.“ Er könne nicht tatenlos zusehen, wie „Milliardäre ihre Macht nutzen, um die Stimmen derer zum Schweigen zu bringen, die sich gegen den israelischen Völkermord aussprechen und auf die brutale Ermordung von Kindern aufmerksam machen.“ Er sei, wenn Macklemore nicht mitspiele, ebenfalls raus. Die anderen drei Bands äußerten sich ähnlich. Am Dienstagabend hatten alle abgesagt, als Protest gegen das Auftrittsverbot.
Der treibende Akteur hinter der Entscheidung, Macklemore nicht mehr auftreten zu lassen, immerhin darin sind sich beide Seiten einig, war der Milliardär Robert Kraft, dem das Gillette Stadium in Foxborough, Massachusetts, gehört. Er habe, so stellt Sheeran es dar, die anderen Stadienbesitzer zusammengetrommelt, um das Auftrittsverbot für Macklemore zu erwirken. Dem widersprach Kraft nicht, als er sich am Dienstag gegenüber verschiedenen Medien in einer Stellungnahme äußerte.
Die Entscheidung, sagte er, beruhe nicht nur auf diesem einzelnen Auftritt des Rappers, sondern auf „einer längeren Geschichte antisemitischer Rhetorik und Bildsprache, die unserer Meinung nach für die jüdische Gemeinschaft zutiefst beleidigend und verletzend war“. Kraft fügte hinzu, dass er sich gern mit Macklemore zusammensetzen und über die Fakten sprechen würde, „denn letztlich ist unser Ziel dasselbe – Frieden für alle Menschen, ein Ende des Leidens und ein Ende allen Hasses“.
Macklemore seinerseits sagte bei seinem zweiten Auftritt der Tour, als seine „Free Palestine“-Rede beim vorigen Konzert schon Kreise im Internet zu ziehen begann: „An alle meine jüdischen Brüder und Schwestern: Kritik an Israel, Kritik an der Apartheid, die Ablehnung von Völkermord – das ist in keiner Weise eine Kritik an euch. Meine Botschaft gilt dem Frieden, der Liebe dafür, dass alle Menschen mit Würde, Respekt und Gleichberechtigung behandelt werden.“
Diverse bekannte Stimmen klatschten online Beifall für Macklemore und die anderen Vorbands. Greta Thunberg, die frühere Klimaaktivistin, die sich heute vor allem gegen den israelischen Militäreinsatz engagiert, schrieb unter das Statement von Macklemore, offenbar an Ed Sheeran gerichtet: „Das sehr aktive Schweigen von Künstlern angesichts von Ungerechtigkeit und Völkermord wird nicht vergessen werden.“ Das ist wohl als Drohung zu verstehen.