Bericht: Auch Ägypten warnte Israel vor 7. Oktober

Bereits Anfang September haben israelische Medien berichtet, dass Israels Premier Benjamin Netanjahu kurz vor dem Überfall der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 von den Vereinigten Arabischen Emiraten gewarnt worden war. Laut einem am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht des US-Magazins „The Atlantic“ soll Netanjahu auch von Ägypten vor einem „großangelegten Angriff“ gewarnt worden sein. Netanjahu wies das am Samstag zurück.

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Bericht: Auch Ägypten warnte Israel vor 7. Oktober

Bericht

Bereits Anfang September haben israelische Medien berichtet, dass Israels Premier Benjamin Netanjahu kurz vor dem Überfall der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 von den Vereinigten Arabischen Emiraten gewarnt worden war. Laut einem am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht des US-Magazins „The Atlantic“ soll Netanjahu auch von Ägypten vor einem „großangelegten Angriff“ gewarnt worden sein. Netanjahu wies das am Samstag zurück.

Online seit gestern, 21.27 Uhr

(Update: gestern, 22.40 Uhr)

Die bekannte US-Journalistin Vivian Salama beruft sich in ihrem Artikel für „The Atlantic“ auf Regierungsvertreter in Israel, Ägypten und anderen arabischen Ländern sowie auf Vertreter in den USA und Europa. Den Recherchen zufolge reiste der einflussreiche ägyptische Geheimdienstchef Abbas Kamel kurz vor dem Angriff am 7. Oktober nach Israel und blieb dort für eine Stunde. Er ist nach wie vor eine zentrale Person bei den Vermittlungsbemühungen Ägyptens und Katars zwischen Israel und der Hamas.

Unklar bleibt, wen Kamel 2023 getroffen hat. Allein seine Anwesenheit in Israel habe aber die Dringlichkeit gezeigt, so Regierungsvertreter. Seine Botschaft an Israel sei gewesen, dass sich „das Fenster schließe, um eine Katastrophe abzuwenden“. Kamel habe wirtschaftliche Zugeständnisse an die Hamas empfohlen, um eine Verschärfung des Konflikts zu vermeiden.

Der ägyptische Geheimdienstchef Abbas Kamel
Ägyptens Geheimdienstchef Kamel warnte laut Bericht Israel vor einem Angriff der Hamas

Netanjahu dementiert Informationen

Ein ehemaliger israelischer Regierungsvertreter hält es dem Bericht zufolge für ausgeschlossen, dass Netanjahu nicht von dem Besuch oder Treffen mit Vertretern der israelischen Geheimdienste gewusst habe. Netanjahu hatte bereits zwei Tage nach dem Überfall der Hamas dementiert, dass es eine Warnung aus Ägypten gegeben habe. Er wies auch zurück, dass es ein direktes oder indirektes Treffen mit Kamel gegeben habe.

Auch am Samstag hieß es aus dem Büro von Netanjahu, dass die Behauptung im „The Atlantic“-Artikel falsch sei. Sie werde wieder aufgewärmt, um die israelische Öffentlichkeit zu manipulieren. Erst vor wenigen Tagen wies Netanjahu Berichte über mögliche Warnungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten als „falsche Geschichte“ zurück. Er kündigte eine Verleumdungsklage gegen die israelische Tageszeitung „Haaretz“ an.

Warnungen offenbar auch von Emiraten

„Haaretz“ hatte berichtet, dass die Regierung auch aus den Emiraten vor einem möglichen Hamas-Überfall gewarnt worden sei. Die Zeitung beruft sich unter anderem auf hochrangige Vertreter Israels und andere Staaten weltweit. Der Präsident der Emirate, Mohammed bin Sajed Al Nahjan habe Netanjahu in einem 45 minütigen Telefonat eineinhalb Wochen vor dem 7. Oktober alarmiert, dass der damalige Hamas-Chef Jahja Sinwar eine großangelegte Offensive gegen Israel plane. Dem Bericht zufolge informierte Netanjahu die israelischen Sicherheitschefs aber nicht darüber.

Al Nahjan habe auch die Sorge geäußert, dass das bevorstehende Ereignis nicht nur zu einem Blutvergießen führen, sondern auch die gesamte Region destabilisieren könnte. Dem Bericht zufolge habe Netanjahu „relativ gelassen“ auf die Warnung reagiert und versichert, dass Israel „auf jegliches Szenario vorbereitet“ sei.

Laut „Haaretz“ wurden drei hochrangige ausländische Regierungsvertreter über den Inhalt des Telefonats informiert. Die Emirate wollten zu dem „Haaretz“-Bericht bisher nicht Stellung nehmen. Seit dem 7. Oktober seien die Bemühungen der Emirate durchgehend auf Deeskalation, regionale Stabilität und die Verhinderung weiterer Gewalt ausgerichtet gewesen.

„Direkte Verantwortung“ Netanjahus

Brisant sind die Berichte wegen der bevorstehenden Parlamentswahl in Israel. Kritiker und Kritikerinnen werfen Netanjahu vor, keine persönliche Verantwortung für das Massaker vor knapp drei Jahren übernommen zu haben. Der ehemalige Ministerpräsident Naftali Bennett warf Netanjahu vor, er trage „persönliche und direkte Verantwortung“ für die vielen Todesopfer des 7. Oktober 2023. Der Regierungschef könne daher „nicht einmal eine Minute länger in seinem Amt bleiben“.