Ausländer-Obergrenze in Schulklassen „das falsche Signal“: Was Bayern stattdessen macht
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Ausländer-Quote in Schulklassen „das falsche Signal“: Kultusministerium zeigt, was Bayern stattdessen macht
Stand: 23.09.2026, 14:27 Uhr
Italien will starre Obergrenzen für ausländische Kinder in Schulklassen einführen. Keine Option für Bayern, meint das Kultusministerium und verweist auf alternative Programme.
München – Giorgia Meloni plant an Italiens Schulen eine Obergrenze von 30 Prozent ausländischen Kindern pro Klasse. Das Bayerische Kultusministerium äußert sich klar gegen eine Übernahme des Meloni-Vorstoßes in Bayern.

Auf Anfrage des Münchner Merkur von Ippen.Media teilt das Ministerium mit, dass es die schulischen Maßnahmen anderer Länder grundsätzlich nicht bewerten möchte. Zur Frage, ob so eine Regelung auch für Bayern denkbar wäre, äußert es sich aber deutlich: Eine Obergrenze für Schüler mit Migrationshintergrund pro Klasse oder Schule wäre in Bayern „schon organisatorisch nicht umsetzbar – und auch pädagogisch das falsche Signal.“
„Nicht umsetzbar“: Bayerns Kultusministerium rechnet mit Ausländer-Quote in Schulkklassen ab
Konkret bedeutet das laut Ministerium: Um eine Quote einzuhalten, müssten Kinder aus Stadtteilen mit hohem Migrationsanteil per Bus in andere Stadtteile oder ins Umland gebracht werden. Das widerspreche aber dem pädagogischen Grundsatz, dass gerade jüngere Kinder möglichst wohnortnah zur Schule gehen sollen. Genau so äußert sich auf Anfrage unserer Redaktion auch Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands: „Eine künstliche Umverteilung würde lange Schulwege verursachen und das Prinzip der wohnortnahen Beschulung, gerade im Primarbereich, erheblich erschweren.“
Statt einer Obergrenze setzt Bayern nach eigenen Angaben auf gezielte Förderprogramme für Schulen mit hohem Anteil an Kindern mit unzureichenden Deutschkenntnissen. Dazu gehören etwa pädagogische Unterstützungskräfte und Schulsozialpädagogen. An Grund- und Mittelschulen gibt es zudem sogenannte „Berater Migration“. Außerdem können Klassen zeitweise geteilt werden, wenn der Migrationsanteil über 50 Prozent liegt und mehr als 25 Schüler in der Klasse sind.
Ein zentraler Baustein ist laut Kultusministerium die verbindliche Sprachstandserhebung, die seit 2025 bayernweit eineinhalb Jahre vor der Einschulung durchgeführt wird. Kinder mit deutlichem Förderbedarf müssen dann laut Kultusministerium verpflichtend eine geförderte Kita mit Vorkurs Deutsch besuchen, um noch vor Schulstart die nötige Sprachförderung zu erhalten.
Seit dem laufenden Schuljahr 2024/2025 gibt es laut Ministerium außerdem schulartunabhängige Deutschklassen für die Jahrgangsstufen 5 und 6 – an Mittel-, Wirtschafts- und Realschulen sowie Gymnasien. Sie richten sich an neu zugewanderte Kinder und Jugendliche mit keinen oder nur geringen Deutschkenntnissen, die dem Unterricht in einer normalen Klasse noch nicht folgen könnten. Ziel ist es, sie so weit vorzubereiten, dass sie später am Regelunterricht teilnehmen können.
„In den vergangenen Jahren wurden an nahezu allen Schularten Sprachförder- und Integrationsmaßnahmen implementiert, um neu zugewanderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene leistungs- und begabungsgerecht bestmöglich zu unterrichten“, so das Ministerium. Neben der Sprachförderung geht es dabei auch um Integration sowie Werte- und Allgemeinbildung. Wichtig laut Ministerium: Sprachförderung ist keine reine Aufgabe des Deutschunterrichts, sondern soll fächerübergreifend in allen Fächern stattfinden.
Eine weitere wichtige Maßnahme ist das Startchancen-Programm, mit dem gezielt Schulen in schwierigen Lagen unterstützt werden. In Bayern nehmen daran 580 Schulen teil. Welche Schulen mitmachen dürfen, entscheidet ein Sozialindex, der unter anderem Kinderarmut, nichtdeutsche Familiensprache und Migrationserfahrung berücksichtigt.
Auf diese alternativen Maßnahmen verwies auch Simone Fleischmann, Präsidentin des bayerischen Lehrerverbands BLLV im Interview mit unserer Redaktion. Auch die vorschulischen Tests seien „genau richtig“. Allerdings verweist Fleischmann auch darauf, dass es in der Praxis aktuell nicht überall genügend Fachpersonal gebe, um die erkannten Defizite auch aufzufangen. So gebe es aktuell auch nicht überall genügend sogenannte Vorkurse, um ausreichend individuell zu fördern. (Verwendete Quellen: Anfrage an das Bayerische Kultusministerium, Rai News, frühere Berichterstattung, Interview BLLV-Präsidentin, Anfrage Deutscher Lehrerverband) (rjs)