Ausländische Beschäftigte verdienen im Schnitt 700 Euro weniger

Schlechtere Jobs Ausländische Beschäftigte verdienen im Schnitt 700 Euro weniger Eine Studie zeigt eine große Kluft am Arbeitsmarkt für Menschen mit und ohne österreichische Staatsbürgerschaft Natas...

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Ausländische Beschäftigte verdienen im Schnitt 700 Euro weniger

Schlechtere Jobs

Ausländische Beschäftigte verdienen im Schnitt 700 Euro weniger

Eine Studie zeigt eine große Kluft am Arbeitsmarkt für Menschen mit und ohne österreichische Staatsbürgerschaft

Natascha Ickert

Arbeit schafft nicht automatisch gleiche Chancen. Ausländische Beschäftigte verdienen in Österreich im Schnitt sogar weniger als österreichische, arbeiten häufiger in unsicheren Jobs und sind in schlechter bezahlten Branchen überrepräsentiert. Damit gleicht der Arbeitsmarkt nicht Ungleichheiten aus, sondern verstärkt sie teilweise.

Ein Kurierfahrer in weißer Hose und neongelbem Oberteil fährt auf einem roten Elektroroller, der mit einer orangenen Lieferbox und einem schwarzen Topcase ausgestattet ist, an einer von Graffiti bedeckten Wand entlang.
Ausländische Beschäftigte arbeiten überdurchschnittlich häufig dort, wo die Arbeit körperlich anstrengend ist, die Bezahlung niedrig und die Arbeitszeiten ungünstig sind.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Arbeiterkammer (AK) Wien und Foresight aus dem März 2026. Sie untersucht die Situation ausländischer Beschäftigter in Österreich. 2024 arbeiteten mehr als eine Million Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft hier. Das entsprach etwa einem Viertel aller unselbständig Beschäftigten. In Wien lag der Anteil bei rund einem Drittel. Auch die Zahl der Grenzpendlerinnen und Grenzpendler hat deutlich zugenommen. Damit sind Personen gemeint, die in einem anderen Land leben, aber in Österreich arbeiten. Seit 2009 hat sich die Anzahl verdreifacht.

Schwieriger Einstieg

Um die ganze Situation zu verstehen, lohnt es sich, sich mehrere Zahlen vor Augen zu führen. Ausländische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sind einerseits häufiger im erwerbsfähigen Alter als österreichische, andererseits sind sie seltener erwerbstätig. Die Erwerbsbeteiligung liegt bei 69 Prozent und damit sechs Prozentpunkte unter jener der österreichischen Bevölkerung.

Besonders schwierig ist die Situation für Frauen. Vor allem junge Frauen, Mütter und Frauen aus Drittstaaten wie Syrien oder Afghanistan sind seltener erwerbstätig. Gerade bei ihnen fehlen zudem häufig berufliche Erfahrungen.

Schlecht bezahlte Jobs

Wer Arbeit findet, landet zudem häufig in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. 16 Prozent der Zugewanderten arbeiten in instabilen Jobs. Dazu zählen etwa Leiharbeit oder befristete Beschäftigung.

Besonders stark zeigt sich die Ungleichheit bei der Verteilung über die Branchen. Ausländische Beschäftigte arbeiten überdurchschnittlich häufig dort, wo die Arbeit körperlich anstrengend ist, die Bezahlung niedrig und die Arbeitszeiten ungünstig sind. Dazu gehören das Hotel- und Gastgewerbe, der Handel, wirtschaftsnahe Dienstleistungen wie die Reinigung und die Baubranche. In Wien ist diese Konzentration besonders ausgeprägt. In besser bezahlten und stabileren Bereichen sind Ausländerinnen und Ausländer dagegen deutlich seltener vertreten. Dazu zählen etwa die öffentliche Verwaltung, die Energieversorgung und das Finanzwesen.

Als Gründe nennt die Studie unter anderem Sprachbarrieren und nicht anerkannte Abschlüsse. Auch Diskriminierung und rechtliche Hürden beim Zugang zu qualifizierten Berufen spielen eine Rolle.

Das schlägt sich direkt beim Einkommen nieder. Ausländische Beschäftigte verdienen im Schnitt rund 700 Euro brutto weniger im Monat als inländische Beschäftigte. Auch das Risiko, trotz Arbeit nicht über die Runden zu kommen, ist höher. Zwölf Prozent der ausländischen Beschäftigten zählen zu den sogenannten Working Poor. Diese Bezeichnung trifft auf Menschen zu, die trotz Erwerbstätigkeit armutsgefährdet oder von Armut betroffen sind.

Bei den inländischen Beschäftigten sind es hingegen nur sieben Prozent. Was das im Alltag bedeutet, beschreibt eine Interviewpartnerin in der Studie. Sie sagt, sie könne es sich etwa nicht leisten, mit Freunden essen zu gehen.

Weniger Zugehörigkeit

Ausländische Beschäftigte sind auch weniger zufrieden mit ihren Arbeitszeitregelungen, da diese oft unregelmäßig sind. Arbeit auf Abruf, Nacht- oder Wochenendarbeit erschweren es, Job und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Erholung und soziale Kontakte werden dadurch schwieriger. Auch mit dem Inhalt ihrer Arbeit sind sie seltener zufrieden. Während etwas mehr als drei Viertel der inländischen Beschäftigten mit ihrem Job zufrieden sind, sind es bei den ausländischen nur etwa zwei Drittel.

Im Betrieb selbst fühlen sich ausländische Beschäftigte ebenfalls weniger eingebunden. Die Beziehung zu den Kolleginnen und Kollegen wird sogar als deutlich schlechter eingeschätzt als von den Österreicherinnen und Österreichern. Hinzu kommen Diskriminierungserfahrungen – 42 Prozent der ausländischen Beschäftigten berichten davon. Ein weiteres Problem ist die Überqualifikation. Ein Fünftel der ausländischen Beschäftigten fühlt sich für die eigene Tätigkeit überqualifiziert.

Situation in Deutschland

Auch in Deutschland zeigt sich ein deutlicher Unterschied bei den Einkommen. Ende 2025 lag das Median-Entgelt ausländischer Vollzeitbeschäftigter bei 3358 Euro brutto im Monat. Bei deutschen Vollzeitbeschäftigten waren es 4396 Euro. Der Verdienstabstand lag damit bei 23,6 Prozent. Der Unterschied ist seit Jahren ähnlich groß.

Besonders auffällig ist der Anteil der Beschäftigten mit niedrigem Lohn. 2025 arbeiteten 30,6 Prozent der ausländischen Vollzeitbeschäftigten für einen Job im Niedriglohnsektor. Bei deutschen Beschäftigten waren es nur 12,3 Prozent.

Folgen

Die Folgen reichen weit über den Arbeitsplatz hinaus. Wer weniger verdient und häufiger in unsicheren Jobs arbeitet, hat weniger finanzielle Spielräume. Das kann den Zugang zu wichtigen Lebensbereichen erschweren. Genannt werden in der Studie etwa der Wohnungsmarkt, kulturelle und Bildungsangebote sowie soziale Kontakte.

Auch unregelmäßige Arbeitszeiten können Teilhabe am Leben erschweren. Wer nachts, am Wochenende oder kurzfristig auf Abruf arbeitet, hat weniger Möglichkeiten für Erholung und ein stabiles Privatleben. Dazu kommen Sprachbarrieren und Diskriminierungserfahrungen.

Die Studienergebnisse zeigen deswegen einmal mehr: Integration findet nicht nur im Unternehmen statt. Sie hängt auch davon ab, ob Arbeit soziale Teilhabe überhaupt ermöglicht. (Natascha Ickert, 3.9.2026)

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