Autoindustrie auf Schleuderkurs – wo liegen die Chancen?

Weniger Autos, die China-Konkurrenz, die ihr um die Ohren fährt, hohe Kosten – Europas Autoindustrie steht unter enormem Druck. Aussichtslos sei die Lage aber nicht, sagen Fachleute

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Autoindustrie auf Schleuderkurs – wo liegen die Chancen?

Umbruch

Autoindustrie auf Schleuderkurs – wo liegen die Chancen?

Weniger Autos, die China-Konkurrenz, die ihr um die Ohren fährt, hohe Kosten – Europas Autoindustrie steht unter enormem Druck. Aussichtslos sei die Lage aber nicht, sagen Fachleute

Regina Bruckner

In Europa sind die Zeiten für die Autoindustrie dramatisch. Deutschlands Autobauer ziehen allesamt rigide Sparkurse durch, VW hat sich auf einen Sanierungsplan geeinigt. Teil davon: der Abbau von 50.000 Jobs weltweit. Eines der Hauptprobleme: Die Autoproduktion in Europa ist von rund 22 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2017 auf heute rund 16 Millionen geschrumpft. Glaubt man Fachleuten, könnten es in den kommenden fünf bis zehn Jahren acht bis zwölf Millionen werden. "China produziert zu viele Autos. Europa hat zu viele Fabriken. Und beide Probleme treffen nun aufeinander" formuliert es der Carmignac-Analyst Kevin Thozet. Es könnte also noch sehr viel enger werden.

Ein Mitarbeiter in weißer Arbeitskleidung mit der Aufschrift „Volkswagen Sachsen“ arbeitet an der Montage eines blauen Volkswagen ID.3 Elektroautos in der „Gläsernen Manufaktur“ in Dresden. Das Fahrzeug befindet sich auf einer Hebevorrichtung.
Die Probleme in der deutschen Autoindustrie sind Dauerthema. Tausende Beschäftigte bangen um ihre Jobs.

Dabei ist es jetzt schon äußerst ungemütlich: Die Zahl der Großinsolvenzen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro ist in Deutschland im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr auf 33 Firmenpleiten gestiegen, zeigt eine der Deutschen Presse-Agentur vorliegende Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade Stark. Betroffen war demnach die Automobilbranche. Fällt ein Großbetrieb um, trifft das in der Folge Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner.

Stagnierende Märkte

All das steht auch auf der Agenda der Automanager. Der Unternehmensberater Horváth hat sich in deren Chefetagen umgehört. Einmal jährlich werden im Zuge der CxO-Priorities Studie gut 1000 von ihnen zu den Herausforderungen der Branche befragt. Aktuell wurden 90 Vorstände bzw. Geschäftsführer befragt, die Hälfte davon in Firmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Ganz überraschend sind die Erkenntnisse nicht: Die Verbesserung von Kosten- und Gewinnstrukturen reicht nicht mehr aus, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Märkte stagnieren, der Wettbewerb verschärft sich durch schnellere und strukturell starke Akteure. Die Rede ist von Chinas wendiger und üppig subventionierter Autoindustrie, die versucht, rasch möglichst große Marktanteile in Europa zu erobern. US-Präsident Donald Trump scheucht die Hersteller mit seiner Zollpolitik auf, China sitzt auf wichtigen Rohstoffen. Unternehmen überdenken notgedrungen die globale Strukturen, stellen sich regionaler auf, um Zugang zu sichern, Abhängigkeiten zu reduzieren und die Kosten zu steuern. Dazu kommt die rasante technologische Entwicklung: Elektrifizierung, autonome Systeme, digitale Plattformen.

Schwierig, aber nicht aussichtslos

Dynamische Zeiten, in denen der gewinnt, der rasch und flexibel reagieren kann. Hat Europas Autoindustrie in diesem Umfeld eine Chance? Ja, meint Christoph Kopp, Associate Partner und Automotive-Fachmann bei Horváth. Die europäische Autoindustrie befinde sich in einer schwierigen, "aber keineswegs aussichtslosen Position", urteilt Kopp. Die deutschen Autobauer könnten im globalen Wettbewerb weiterhin vorne mitspielen, "aber sie werden nicht automatisch vorne bleiben". Auf der Habenseite verbuchen sie laut Kopp "starke Marken, tiefes Engineering-Know-how und eine hervorragende industrielle Basis". China habe in den letzten Jahren nicht nur in Sachen Kosten, sondern auch bei Entwicklungsgeschwindigkeit, Batteriewertschöpfung und digitaler Kundenerfahrung einen deutlichen Vorsprung aufgebaut. "Ob Europa seine starke Position behaupten kann, hängt davon ab, wie schnell es gelingt, die eigenen Stärken mit wettbewerbsfähigen Kosten, Softwarekompetenz und kürzeren Entwicklungszyklen zu verbinden."

Abheben von den anderen

Dass all das auch die österreichischen Zulieferbetriebe betrifft, liegt auf der Hand. Kaum eine Woche vergeht ohne Hiobsbotschaft aus der Branche. Jobabbau und selbst Werksschließungen gehören dazu. Wo liegt für die Österreicher eine Chance? Wer primär Teile für den Verbrenner baut, gerät naturgemäß besonders unter Druck. Entscheidend sei aber nicht nur die Antriebsart, sondern die Differenzierung, ist Kopp überzeugt: "Besonders unter Druck geraten Produkte, die technisch wenig differenziert, arbeitsintensiv und leicht substituierbar sind. Wer dagegen technologisch differenzierte Lösungen für elektrifizierte, automatisierte und softwaredefinierte Fahrzeuge liefert, hat weiterhin sehr gute Chancen." (Regina Bruckner, 4.9.2026)

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