Genmanipulierte Bananen: Chance gegen Aussterben durch Pilze und Braunfärbung?

In England könnte bald eine Banane auf den Markt kommen, die mit der Genschere Crispr/Cas verändert wurde. Die Methode könnte auch helfen, die Frucht gegen einen tödlichen Pilz resistent zu machen.

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Genmanipulierte Bananen: Chance gegen Aussterben durch Pilze und Braunfärbung?

Bananen werden dank Genmanipulation nicht mehr so schnell braun. Können sie damit auch vor dem Aussterben gerettet werden?

In England könnte bald eine Banane auf den Markt kommen, die mit der Genschere Crispr/Cas verändert wurde. Die Methode könnte auch helfen, die Frucht gegen einen tödlichen Pilz resistent zu machen.

03.10.2026, 05.30 Uhr

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Wird niemals braun: Bananenattrappe aus Plastik.

Wird niemals braun: Bananenattrappe aus Plastik.

Annick Ramp / NZZ

Die Banane ist eine Problemfrucht: Im Obstsalat werden die Scheibchen schnell braun und unansehnlich. Das klingt vielleicht nicht nach einer der ganz grossen Herausforderungen der Menschheit. Doch das kleine Ärgernis multipliziert sich enorm. Denn die gelbe Südfrucht steht ganz weit oben in der Gunst der Schweizer Kunden: 79 Millionen Kilogramm wurden 2025 davon verkauft. Rund ein Drittel davon landet jedoch ungegessen im Abfall.

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In England, wo Bananen ebenfalls die Obst-Hitparade anführen, könnte bald eine Lösung des Problems auf den Markt kommen: die bräunungsresistente Banane. Eine solche Sorte der britischen Biotechfirma Tropic hat gerade die entscheidende Hürde auf dem Weg zu einer Marktzulassung genommen, sie erhielt von der Zulassungsbehörde den Status einer «Präzisionszüchtung».

Im Fall der neuen Banane gelang dies mithilfe der Genschere Crispr/Cas, mit deren Hilfe die Tropic-Forscher Gene für das Enzym Polyphenol-Oxidase ausgeschaltet haben. Es sorgt für die Braunfärbung des Fruchtfleisches bei Luftkontakt. Die neue Sorte behält auch aufgeschnitten für mehrere Tage ihre gelbliche Farbe. Der Unterschied zur herkömmlichen Gentechnik: Crispr/Cas hinterlässt keine Spuren artfremder DNA im Erbgut des Zielorganismus und gilt daher als weniger invasiv.

Für die Gegner jeglicher Gentechnik ist das Haarspalterei. Weil ihr Einfluss in der EU und der Schweiz besonders gross ist, hat dort bisher noch kein geneditiertes Nahrungsmittel die hohen Hürden einer Zulassung genommen. In England ist die neue Banane dagegen eine von etlichen Crispr-Feldfrüchten, denen seit Anfang 2026 Präzisionsstatus zugesprochen wurde. Und in den USA ist die Sorte bereits auf dem Markt.

Der klassischen Supermarktbanane droht das Aus

Braun anlaufendes Fruchtfleisch ist vielleicht ein Luxusproblem. Doch die Genschere könnte auch bei einer wesentlich grösseren Herausforderung helfen: der Rettung der Supermarktbanane vor dem Aussterben.

Dieses droht durch einen Schimmelpilz namens Tropical Race 4 (TR4), der bei Bananenpflanzen die Panamakrankheit auslöst. Er dringt über die Wurzeln ein, die Staude stirbt innert weniger Monate ab. Die Krankheit breitet sich seit den 1990er Jahren von Asien kommend in den Bananenplantagen der Welt aus, praktikable Gegenmittel gibt es nicht.

Noch ist das schon vor zwanzig Jahren prophezeite «Bananageddon» nicht da, noch sind nicht alle Anbaugebiete betroffen, der stete Strom der gelben Früchte von Süd nach Nord fliesst – noch. Doch in vielen Anbauländern wie den Philippinen geht die Produktion seit Jahren stetig zurück.

Das Ende der Gros Michel

Wie schlimm es mit TR4 noch werden könnte, zeigt sein Vorgänger, die Variante TR1. Sie breitete sich ab Ende des 19. Jahrhunderts in den kolonialen Bananenplantagen der Welt aus. Damals hatte sich die Banane eben erst von einem Luxusprodukt zu einem Alltagsobst und einem globalen Handelsgut entwickelt. Doch TR1 raffte die Bananenstauden der damals dominierenden Sorte Gros Michel dahin: Um 1960 stellten die letzten Plantagen, die auf «Big Mike» setzten, den Betrieb ein.

Die Rettung kam durch eine andere Sorte, die 1830 über etliche Umwege aus Indochina im Gewächshaus von William George Spencer Cavendish, dem sechsten Duke of Devonshire, gelandet war. Die Cavendish-Banane ist zwar etwas kleiner und empfindlicher als die Gros Michel, sie erwies sich aber als vollständig resistent gegenüber TR1.

«Die Cavendish war der absolute Hit, sie gedieh selbst auf völlig pilzverseuchten Böden», erzählt Gert Kema. Der niederländische Pflanzenpathologe forschte bis zu seiner Pensionierung an der Universität Wageningen an Pilzkrankheiten von Bananen.

Für etliche Jahre erschien die Versorgung mit Bananen wieder sicher. Doch dann kam TR4. «Die Supermarktbanane, wie wir sie kennen, ist existenziell bedroht – und ein Nachfolger war lange nicht in Sicht», sagt Kema. Das zentrale Problem mit der Cavendish sei die extreme Form von Monokultur, in der sie weltweit angebaut werde.

Der Fluch der Klonbanane

Die Sorte entstand Anfang des 19. Jahrhunderts im Dschungel Südostasiens als zufälliger Hybrid zweier Wildbananenarten. Bei dieser Kreuzung kam es zu einem genetischen Missgeschick, durch das die Hybridbanane nicht wie sonst einen doppelten, sondern einen dreifachen Satz von Chromosomen erhielt. Der Vorteil: Solche triploiden Bananen bilden keine harten Samen aus, die sonst den Grossteil der Frucht füllen und den Genuss der Frucht arg schmälern. Der Nachteil: Mit der unfruchtbaren Banane lässt sich keine klassische Züchtung betreiben – denn dafür muss man verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Merkmalen kreuzen können.

Viele Kerne, wenig Fleisch: das Innere einer Wildbanane.

Viele Kerne, wenig Fleisch: das Innere einer Wildbanane.

PD

Aus diesem Grund stammen heute sämtliche Cavendish-Stauden in den Plantagen der Welt von Lord Cavendishs Exemplar ab. Sie sind genetisch identische Klone, die über Ableger, heute auch mithilfe von Zellkulturen vermehrt werden. Und sie sind alle gleich anfällig für TR4. «Was wir dringend brauchen, ist mehr genetische Vielfalt», sagt Kema.

Doch woher soll die kommen, wenn man die Cavendish zwar vermehren, aber nicht züchten kann? Hier könnte die Geneditierung mit Crispr/Cas helfen. Sie erlaubt, Resistenzgene gegen TR4 aus Wildbananen direkt in die Cavendish einzufügen, wie australische Forscher bereits zeigten.

Gert Kema arbeitet inzwischen als Berater im Rahmen von Yelloway, einem Joint Venture des heute in der Schweiz sitzenden Bananengiganten Chiquita und des Biotechunternehmens Key Gene. Dort setzt man auf einen ganz klassischen Ansatz: Ausgehend von den zahlreichen Wildbananenarten Asiens sollen per Kreuzungszüchtung eine Fülle von neuen, fruchtbaren Sorten entstehen. Sie stellen den möglichst breiten Genpool für den nächsten Züchtungsschritt bereit, in dem gänzlich neue triploide, kernlose Verzehrsorten entstehen. Und das wäre bei Bedarf immer wieder mit neuen Merkmalskombinationen und Resistenzgenen der Wildbananen möglich. Das Jahrzehnte währende genetische Monopol der Cavendish wäre zerschlagen.

Der erste so erzeugte Prototyp namens Yelloway One wurde vor zwei Jahren präsentiert und wächst bereits in Testplantagen in Indonesien und den Philippinen. Bis jetzt gelang dies ganz ohne Gentechnik – ein enormer Vorteil für die Vermarktung in Europa.

Doch Kema ist kein Dogmatiker. Für einen möglichen Nachfolger für die Cavendish könnte die Editierung per Genschere ein wichtiges Werkzeug sein, um den Prozess zu beschleunigen und an Details der Kreuzungen zu feilen – wäre da nur nicht das Problem mit den skeptischen Verbrauchern.

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