Start in die Euroleague: FC Bayern gewinnt Auswärtsspiel gegen Hapoel Tel Aviv

Der FC Bayern startet mit einem 86:84-Sieg bei Hapoel Tel Aviv in die Euroleague. Die Philosophie von Trainer Gavel geht auf: eine aggressive Defense mit Spielern, die ihm und dem Klub etwas beweisen wollen.

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Start in die Euroleague: FC Bayern gewinnt Auswärtsspiel gegen Hapoel Tel Aviv

War das ein Lächeln? Tatsächlich, Anton Gavel konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Doch als er nach der Partie gegen Hapoel Tel Aviv das Geschehen analysierte, hatte der Basketballtrainer des FC Bayern seine Emotionen in gewohnter Manier schon wieder unter Kontrolle – und reichte die Glückwünsche für den 86:84-Sieg zum Start in die Euroleague-Saison umgehend an seine Spieler weiter.

Dabei war dem 41-Jährigen zum Start in den höchsten europäischen Wettbewerb ein bemerkenswertes Debüt gelungen, gegen einen hoch eingeschätzten Konkurrenten. Hapoel ist eines jener finanziell großzügig alimentierten Teams, der israelische Eigner und Multimillionär Ofer Yannay pumpt enorme Summen in seinen Kader. So warb er den Serben Vasilije Micic aus der amerikanischen Profiliga NBA ab und machte ihn zum Bestverdiener der Euroleague. 5,6 Millionen Dollar netto soll Hapoel Micic jährlich überweisen, Teamkollege Eliah Bryant zählt mit knapp drei Millionen ebenfalls zu den zehn Topverdienern der Liga. Zwei herausragende Spieler, mit denen sich ein Klub neben viel individueller Qualität auch Diskussionen einkauft: Profis dieser Gehaltsklasse müssen ihr Salär stets mit entsprechenden Leistungen rechtfertigen.

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Das gelang ihnen am Donnerstag nur bedingt: Micic gestaltete zwar das Hapoel-Spiel, ging voran und war mit 14 Zählern nach Topscorer Dan Oturu (20 Punkte) zweitbester Schütze, auch Bryant punktete zweistellig (10) und hatte seine Momente. Den Euroleague-Fehlstart aber konnten beide nicht verhindern. Nur in der Anfangsphase spielte Hapoel, das seine Heimspiele bis auf Weiteres in der bulgarischen Hauptstadt Sofia austrägt, seine individuelle Klasse aus. Vor allem Oturu stellte mit 14 Rebounds eine Überlegenheit an den Brettern her – und eine 21:16-Führung nach dem ersten Viertel.

„Wir hatten in der ersten Halbzeit etwas Probleme in der Verteidigung. Schon im zweiten Viertel haben wir das lösen können, und das dritte war klar unser bestes in diesem Spiel“, erklärte FCB-Coach Gavel den Spielverlauf. Der Trainer hatte vor der Partie daran erinnert, dass es „einige Mannschaften gibt, die auf dem Papier besser sind als wir“. Dem setzt er eine Gruppe Profis entgegen, „die große Ambitionen haben, zu zeigen, dass sie auf diesem Level bestehen können“. Was diese eindrucksvoll taten, allen voran Andreas Obst, der regelmäßig Rechenschaft seiner außergewöhnlichen Klasse ablegt. In der schwierigen Phase vor der Halbzeit war es der Welt- und Europameister, der Distanzwürfe versenkte oder zum Korb zog und so mit 19 Punkten Münchner Topscorer wurde.

Rokas Jokubaitis deutet seine hohen Fähigkeiten an, er übernimmt in kritischen Phasen das Münchner Spiel

Allerdings gab es einige schöne Erkenntnisse zusätzlich: Johannes Voigtmann spielt seit Wochen auf hohem Niveau, er traf auch den entscheidenden Dreier zum 86:84, denn zuvor hatte es Tel Aviv, dank Micic, Bryant und Antonio Blakeney (11), tatsächlich geschafft, einen zwischenzeitlichen 18-Punkte-Rückstand (57:75) in eine 84:83-Führung zu wandeln. Voigtmann (11) sicherte den letztlich verdienten Sieg, dem allerdings eine feine Teamleistung zugrunde lag.

Das Herzstück von Gavels Spielphilosophie ist eine aggressive Defense, darüber hinaus scharte er Profis um sich, die unbedingten Willens sind, ihm und dem Klub „etwas zu beweisen“, wie er erklärte: „Zunächst muss es der Spieler selbst wollen und zeigen, dass er sich auf diesem Niveau mit den Besten messen kann, dass er dazugehört.“ Justinian Jessup (11) etwa, der laut Gavel „eine solide Debütsaison in der Euroleague gespielt hat“. Die soll er nun nicht nur bestätigen, sondern „eine Schippe drauflegen“ – was ihm gelang. Oder die Zugänge Miles Norris und Marjon Beauchamp, die sich sofort gewinnbringend ins Teamplay einfügten. Oder auch Rokas Jokubaitis: Der hochgelobte Spielmacher musste die gesamte Vorsaison verletzt passen und will jetzt unbedingt seine großen Fähigkeiten zeigen. Auch das gelang, der litauische Regisseur übernahm in kritischen Phasen das Spiel und überzeugte mit teils spektakulären Vorlagen.

Johannes Thiemann, der Welt- und Europameister, war nach zwei Spielzeiten in Japan voller Vorfreude auf die Euroleague, was seinem starken Auftritt mit 15 Punkten und sieben Rebounds anzumerken war: „Das hat mir gefehlt, wir wollen eine der Mannschaften sein, die positiv überraschen.“

Viel Zeit für Jubel bleibt nicht, schon an diesem Samstag gastiert Alba Berlin zum Bundesliga-Duell im Münchner BMW Park. Beim Meister hatte Thiemann vor seinem Japan-Gastspiel „viele schöne Jahre“. Das ist am Spieltag vergessen, da will er dafür sorgen, dass sein Trainer wieder Grund zum Lächeln hat.