Bayerischer Rentner lässt Betrüger festnehmen – und wird danach mit Mafia-Methoden terrorisiert

tzMünchenRegionStand: 31.07.2026, 19:18 UhrKommentareUns auf Google folgenRentner Bruno Schmaus (r.), hier mit Markus Nothelfer, dem stellvertretenden Leiter des Kommissariats 61 (Vermögensdelikte mit Bandenbez...

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Bayerischer Rentner lässt Betrüger festnehmen – und wird danach mit Mafia-Methoden terrorisiert

Stand: 31.07.2026, 19:18 Uhr

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Rentner Bruno Schmaus (r.) und Markus Nothelfer, stellvertretender Leiter Kommissariat 61 (Vermögensdelikte mit Bandenbezug) aufgenommen vor einer Presserunde des Polizeipräsidiums zur Festnahme von Callcenter-Betrügern. Der Rentner Bruno Schmaus hat in den letzten Jahren mehrfach bei der Festnahme von Callcenter- und Enkel-Trick-Betrügern mitgeholfen. (zu dpa: „Hobby Gangsterjagd: Rentner überführt erneut Betrüger“)

Rentner Bruno Schmaus (r.), hier mit Markus Nothelfer, dem stellvertretenden Leiter des Kommissariats 61 (Vermögensdelikte mit Bandenbezug). © Lennart Preiss, dpa

Über ihn hat ganz Deutschland gestaunt: Bruno Schmaus (79) aus Pullach hilft der Polizei, Telefonbetrüger zu fassen. Jetzt erzählt er, wie die üble Bande sich an ihm rächte.

München, Pullach – Die beiden Bestatter im Anzug sind verwirrt. Sie sollen die Leiche von Bruno Schmaus (79) abholen – doch der steht vor ihnen. Quicklebendig sogar, gerade hat er die Haustür aufgemacht. Eine Szene, die die Videokamera über dem Hauseingang festgehalten hat. Es ist der 22. Juli, 18.50 Uhr – gerade hat jemand den Rentner aus Pullach für tot erklärt.

Schmaus ist sicher: Der böse Streich ist eine Warnung – die Rache einer Telefonbetrügerbande. Ein paar Tage vor dem Bestatter-Besuch hatte er geholfen, einen von ihnen festnehmen zu lassen. Der 21-jährige Pole wurde am 20. Juli gefasst, sitzt in Untersuchungshaft.

So legt Bruno (79) die Verbrecher rein

Schmaus legt seit Jahren Verbrecher rein. Sie rufen ihn an, geben sich als Enkel oder Söhne in Not aus und versuchen, ihm sein Geld abzuluchsen – der sogenannte Enkeltrick oder Schockanruf. Tausende fallen seit Jahren darauf rein, verlieren bis zu hunderttausende von Euro.

Schmaus aber dreht den Spieß um. Er spielt zum Schein mit und organisiert die Geldübergabe, bei der die Polizei dann zuschnappt. Vier Festnahmen hat er so schon ermöglicht.

Betrüger rächen sich: „Ich habe täglich Telefonterror“

Doch seit seinem letzten Coup sind die Kriminellen sauer. Und lassen ihm seitdem keine Ruhe! „Normalerweise hört man nichts mehr von ihnen. Aber jetzt habe ich täglich massiven Telefonterror.“

In den Tagen nach dem 20. Juli klingelte ununterbrochen das Telefon – immer von einer italienischen Nummer, sagt Schmaus. Am 22. Juli standen die Bestatter vor seiner Tür. „Sie meinten, mein Sohn habe angerufen, sie sollen die Leiche von Bruno Schmaus abholen“, sagt er.

Und das war erst der Anfang.

Eine Aufnahme aus dem Hof: Ein Paketbote kommt ans Haus, dabei hat Bruno gar nichts bestellt.

Eine Aufnahme aus dem Hof: Ein Paketbote kommt ans Haus, dabei hat Bruno gar nichts bestellt. © privat

Am 23. Juli gegen Mittag nahm die Videokamera einen Mann in seinem Hof auf. Ein Mann im weißen Hemd mit roter Tasche – ein Pizzalieferant. „Dabei hatte ich nichts bestellt.“ Um 16.30 Uhr am gleichen Tag war wieder Besuch bei Schmaus. Die Kamera zeigt einen Paketboten. Er klingelt, geht ums Haus herum, geht wieder. Und um 16.49 Uhr war wieder Alarm. Dieses Mal kam ein Taxifahrer zum Haus gefahren. „Er ging ums Haus, dann klingelte er.“ Auch den hatte er nicht bestellt, sagt Schmaus. „Das waren mit Sicherheit die.“

Anrufe auch aus dem Ausland

Zwei Tage war dann kurz Ruhe, sagt Schmaus. Doch dann gingen die Anrufe wieder los – immer von einer deutschen Handynummer und anderen Nummern mit italienischer oder österreichischer Vorwahl.

„Sie haben es nicht verkraftet, dass sie auf mich hereingefallen sind.“ Ihm mache das keine Angst. Dennoch: Die Telefon-Rache der Telefonbetrüger sei eine „andere Qualität“, sagt er. Deshalb gehe er gerade nicht ran. „Ich denke, die wollen mich testen. Ich lasse erst mal ein Jahr oder so vergehen, bis ich mich wieder mit so einem auseinandersetze.“