Varta-Insolvenz: Zahlreiche Investoren wollen bei Batteriehersteller einsteigen

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Varta-Insolvenz: Zahlreiche Investoren wollen bei Batteriehersteller einsteigen

Varta-Insolvenz: Überraschend viele Interessenten melden sich – 2300 Jobs weiter ungewiss

Stand: 31.07.2026, 19:53 Uhr

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Der insolvente Batteriehersteller Varta lockt viele Interessenten an. Das bestätigt Insolvenzverwalter Tobias Wahl. Rund 2300 Jobs bleiben ungewiss.

Ellwangen – Eine Pleite muss nicht das Ende bedeuten, das zeigt sich derzeit beim schwäbischen Batteriehersteller Varta. Zwar hat das Unternehmen vor rund einer Woche für seine Konzernmutter sowie drei weitere Einheiten einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt, doch am Markt regt sich bereits Bewegung. Der vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl von der Kanzlei Anchor meldet reges Interesse potenzieller Investoren, wie er mitteilte.

Batteriehersteller Varta

Geldgeber wollen Haushaltsbatterien aus Konzern herauslösen. (Archivbild) © Bernd Weißbrod/dpa

„Es gibt bereits jetzt zu diesem frühen Zeitpunkt eine erfreulich große Zahl von Interessenten“, teilte Wahl mit. Wer sich konkret für eine Übernahme interessiert, ließ er offen. Ob es sich um Finanzinvestoren oder um Industrieunternehmen handelt, wollte er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht kommentieren. Diese Zurückhaltung ist in frühen Phasen von Insolvenzverfahren üblich, schließlich sollen mögliche Bieter ihre Verhandlungsposition nicht vorzeitig preisgeben.

Insolvenzverwalter meldet großes Interesse an Varta

Genau darum geht es nun in den kommenden Wochen um eine tragfähige Lösung, die sowohl das Unternehmen als auch möglichst viele Arbeitsplätze sichert. Varta selbst hatte in dieser Woche mitgeteilt, dass eine langfristige Perspektive durch den Verkauf an einen Investor sowie der Erhalt von Arbeitsplätzen das erklärte Ziel des Verfahrens seien. Dass sich überhaupt Interessenten finden, mag angesichts der finanziellen Schieflage überraschen, ergibt aus Sicht des Insolvenzverwalters aber durchaus Sinn. „Der Markt für Energiespeicher ist unverändert eine Zukunftsbranche“, sagte Wahl. Batterien und Energiespeicherlösungen bleiben demnach auch mittelfristig gefragt, etwa für Elektromobilität, Consumer-Elektronik oder stationäre Speichersysteme.

Hinzu kommt das technische Erbe des Unternehmens. Varta verfüge über umfangreiches Know-how in diesem Sektor, so Wahl weiter. „Aufgrund der hohen technischen Kompetenz und gewachsener Kundenbeziehungen in der ganzen Welt glaube ich an die Chance für eine nachhaltige Sanierungslösung.“ Genau diese Kombination aus Fachwissen und weltweitem Kundenstamm dürfte es sein, die das Unternehmen für potenzielle Käufer interessant macht, selbst wenn die Bilanz aktuell wenig einladend wirkt.

Vier Varta-Gesellschaften betroffen, Haushaltsbatterien ausgenommen

Damit der Blick auf die Details nicht verloren geht, lohnt sich ein Rückblick auf den Ablauf. Das Unternehmen aus Ellwangen hatte den Insolvenzantrag in Eigenverwaltung für die Varta AG als Konzernmuttergesellschaft sowie für drei weitere Einheiten gestellt. Nicht betroffen ist der Geschäftsbereich mit den Haushaltsbatterien, den wichtige Geldgeber aus dem Konzern herauslösen wollen. Dieser Bereich läuft also unabhängig vom Insolvenzverfahren weiter. Mittlerweile hat sich zudem die rechtliche Ausgangslage verändert. Die vier betroffenen Einheiten befinden sich Varta zufolge nicht mehr in der Eigenverwaltung, sondern in klassischen vorläufigen Insolvenzverfahren. Diese Umstellung bedeutet in der Praxis, dass der vorläufige Insolvenzverwalter mehr Kontrolle über die Geschäftsführung übernimmt, als es bei der Eigenverwaltung der Fall gewesen wäre.

Noch keine Entscheidung über Verkauf im Paket oder einzeln

Für die betroffenen Beschäftigten und Beobachter drängt sich naturgemäß die Frage auf, wie eine Investorenlösung konkret aussehen könnte. Ob die vier Gesellschaften als Gesamtpaket angeboten werden oder einzeln verkauft werden sollen, ist nach Angaben von Wahl noch offen. „Wir sind aktuell in der Bestandsaufnahme und Analyse bei allen vier Gesellschaften, wenige Tage nach den Insolvenzanträgen“, erklärte er. Der Fokus liege in dieser Phase klar auf der Sicherung des laufenden Geschäftsbetriebs, bevor überhaupt Details zu einer möglichen Käuferstruktur feststehen können.

Diese Priorisierung ist nachvollziehbar, denn ohne einen stabilen Geschäftsbetrieb würde jede Investorenlösung deutlich an Wert verlieren. Kunden, Lieferketten und Produktionsprozesse müssen also zunächst gesichert werden, ehe über die Zukunft einzelner Unternehmensteile entschieden werden kann.

Etwa 2300 Beschäftigte betroffen: Wie es für Varta jetzt weitergeht

Wie viele Menschen von der aktuellen Entwicklung unmittelbar betroffen sind, lässt sich immerhin schon beziffern. Bei den vier von der Insolvenz betroffenen Unternehmen arbeiten laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter rund 2300 Menschen. Für sie dürfte die Ungewissheit über den weiteren Verlauf besonders belastend sein, zumal die Frage nach möglichen Stellenstreichungen im Zuge einer Restrukturierung bislang unbeantwortet bleibt.

Auf die Frage, ob er im Zuge der Restrukturierung mit dem Verlust von Arbeitsplätzen rechne, wollte sich Wahl noch nicht festlegen. Auch hierfür sei es aus seiner Sicht noch zu früh. Diese Aussage passt zum bisherigen Muster des Verfahrens, in dem viele zentrale Fragen bewusst offengehalten werden, solange die Bestandsaufnahme noch läuft. In den kommenden Wochen dürfte sich zeigen, welche der interessierten Parteien tatsächlich konkrete Angebote vorlegen und wie stark sich das Insolvenzverfahren letztlich auf die Belegschaft in Ellwangen auswirkt. (ls mit dpa)