Begräbnis für Kriegsverbrecher: Ratko Mladic wird in Serbien verehrt
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Begräbnis für Kriegsverbrecher Wieso Mladic von vielen Serben gefeiert wird
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Der Leichnam von Ratko Mladic wurde am Donnerstag von Den Haag nach Belgrad geflogen, wo er am Montag begraben werden soll. Mladic verbüsste in den Niederlanden eine lebenslange Gefängnisstrafe für die von ihm im Bosnienkrieg (1992–1995) begangenen Kriegsverbrechen – unter anderem wurde er für den Völkermord in Srebrenica oder die Belagerung Sarajevos verurteilt. Trotz dieser Verbrechen wird der bosnisch-serbische Ex-General von vielen verehrt, wie die letzten Tage zeigten. SRF-Auslandredaktor und Balkankenner Janis Fahrländer erklärt, wie man in Serbien mit seinem Tod umgeht.
Janis Fahrländer
Auslandredaktor
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Janis Fahrländer ist Redaktor in der Auslandredaktion von Radio SRF. Dort ist er zuständig für die Berichterstattung über die Balkanstaaten.
Wieso wird Mladic in Serbien begraben?
Eine Beerdigung in Bosnien-Herzegowina, wo Mladic geboren ist, ist ausgeschlossen. In Serbien dagegen ist eine Regierung an der Macht, die bereit ist, dem verurteilten Kriegsverbrecher ein Begräbnis in Ehren zu ermöglichen. Auch wohnt Mladics Familie in Belgrad. Dabei will sich Serbien immer von den Verbrechen im Bosnienkrieg distanzieren: Serbien als Staat habe damals nichts mit dem Krieg im Nachbarland zu tun gehabt. Diese eigene, historisch nicht haltbare Version untergräbt Belgrad nun selbst, indem man Mladic als serbischen General behandelt.
Mladic war wegen Kriegsverbrechen im Bosnienkrieg verurteilt worden. Unter anderem war er verantwortlich für den Mord an 8000 muslimischen Männern und Jugendlichen in Srebrenica. (27.8.2026)
REUTERS/Stringer
Wie wird in Bosnien mit dem Tod Mladics umgegangen?
In verschiedenen Orten im serbisch geprägten Landesteil Bosniens kam es in den letzten Tagen zu Gedenkveranstaltungen für Mladic. Dort wurde sein Name skandiert, seine Taten glorifiziert. Kein einziger bosnisch-serbischer Politiker hat sich von Mladic distanziert. Im Gegenteil: Er wird als Kriegsheld dargestellt und nicht als das, was er ist: ein wegen Völkermord verurteilter Kriegsverbrecher. Für seine Opfer waren die letzten Tage ein Schlag ins Gesicht und eine Retraumatisierung. Zu sehen, wie ihre Landsleute Mladic feiern, hinterlässt bei vielen bosnischen Muslimen Angst und Schmerz.
Der bosnisch-serbische Ex-General Mladic wird von vielen verehrt
Wie steht der serbische Präsident Vucic zum Verstorbenen?
Aleksandar Vucic hat die letzten Tage gezeigt, dass er weiterhin ganz in der Tradition der 90er-Jahre steht. Vucic war unter dem ehemaligen Präsidenten Slobodan Milosevic Minister. Davor war er auch einige Zeit als Freiwilliger im Bosnienkrieg. Vucic steht für die personelle Konstanz seit den 90er-Jahren. Ein Bruch – oder gar eine Aufarbeitung der Rolle Serbiens in den Kriegen – hat es nie wirklich gegeben. Der serbische Präsident handelt dabei aber nicht losgelöst von der Bevölkerung. Auch in Serbien sehen viele in Ratko Mladic einen Helden. Kritische Stimmen dagegen sind in der Minderheit.
Ein von der Polizei begleiteter Fahrzeugkonvoi mit dem Sarg des verstorbenen bosnisch-serbischen Generals Ratko Mladic verlässt den Flughafen Belgrad. Mladic starb am 27. August im Alter von 84 Jahren.
EPA/MARKO DJOKOVIC
Die EU warnt Serbien vor einem Staatsbegräbnis. Wird die Warnung ignoriert?
Ja. Vucic sagte, man rechne am Montag mit Zehntausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Begräbnis. Mladic wurde gestern auch mit einer militärischen Ehrendelegation am Flughafen empfangen. Laut Vucic werde der Staat sicherstellen, dass alles geordnet ablaufe. Über die Form des Begräbnisses entscheide aber die Familie. Möglicherweise wird es formell also kein offizielles Staatsbegräbnis sein. Auch ob staatliche Repräsentanten teilnehmen werden, ist unklar. Am Ende ist dies aber gar nicht so wichtig. Denn Vucic hat schon jetzt allen klargemacht, wo er steht.
Rendez-vous, 4.9.2026, 12:30 Uhr ; srf/harm;blac;liea