Benediktbeuern: Söder eröffnet sanierte Fraunhofer-Glashütte im Kloster

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Benediktbeuern: Söder eröffnet sanierte Fraunhofer-Glashütte im Kloster

Stand: 18.09.2026, 19:00 Uhr

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Feierliche Wiedereröffnung der historischen Glashütte: (v.li.) Prof. Timo Mappes (Deutsches Optisches Museum), Prof. Michael Decker (Deutsches Museum), Toni Ortlieb (Bürgermeister Benediktbeuern), Prof. Holger Hanselka (Präsident Fraunhofer-Gesellschaft), Ministerpräsident Markus Söder, Klosterdirektor Pater Heinz Menz und  Markus Speidel (Direktor Münchner Stadtmuseum) schneiden das symbolische Band durch.

Feierliche Wiedereröffnung der historischen Glashütte: (v.li.) Prof. Timo Mappes (Deutsches Optisches Museum), Prof. Michael Decker (Deutsches Museum), Toni Ortlieb (Bürgermeister Benediktbeuern), Prof. Holger Hanselka (Präsident Fraunhofer-Gesellschaft), Ministerpräsident Markus Söder, Klosterdirektor Pater Heinz Menz und Markus Speidel (Direktor Münchner Stadtmuseum) schneiden das symbolische Band durch. © Arndt Pröhl

Die historische Glashütte in Benediktbeuern ist nach ihrer Sanierung wieder eröffnet worden – mit einem Festakt zu Ehren des Wissenschaftspioniers Joseph von Fraunhofer. Ehrengast war Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Neben der neu gestalteten Ausstellung erwartet Besucher künftig auch ein lebensgroßer KI-Avatar Fraunhofers.

Benediktbeuern – Seine Spektrallinien revolutionierten die Optik, seine Erfindungen ebneten den Weg für Präzisionsmessungen und moderne Lichttechnik. Doch Joseph von Fraunhofer (1787 bis 1826) war weit mehr als ein herausragender Forscher: Der gebürtige Straubinger hatte stets auch die praktische Anwendung seiner Erkenntnisse im Blick. Die Verbindung von Wissenschaft und Praxis, für die Fraunhofer schon zu Lebzeiten stand, prägt bis heute die Fraunhofer-Gesellschaft, die heuer den 200. Todestag ihres Namensgebers würdigt.

Museum und Erinnerungsort

Benediktbeuern nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Auf dem Gelände des Klosters entwickelte Fraunhofer schlierenfreies Flintglas und entdeckte die später nach ihm benannten Linien im Sonnenspektrum. Die historische Glashütte, heute Museum und Erinnerungsort an seine bahnbrechenden Arbeiten, wurde beim Unwetter 2023 stark beschädigt. Ihre Sanierung und Wiedereröffnung nahm jetzt die Fraunhofer-Gesellschaft zum Anlass, das Wirken des berühmten Optikers und visionären Unternehmers mit einem Festakt im historischen Speisesaal des Ordenshauses zu würdigen.

Gespräch mit dem KI-Avatar: In dem Museum können Besucher dem digitalen Gastgeber Fragen stellen.

Gespräch mit dem KI-Avatar: In dem Museum können Besucher dem digitalen Gastgeber Fragen stellen. Rechts Schauspieler Andreas M. Bräu, der sich als Joseph von Fraunhofer verkleidet hat. © Arndt Pröhl

Ehrengast war Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). In seiner Rede stellte er die Verbindung von Innovation und Identität, Hightech und Heimat als besondere Stärke des Freistaats heraus. Forschung und Wissenschaft seien angesichts des zunehmend härteren internationalen Wettbewerbs von entscheidender Bedeutung. „Die dynamischen Veränderungen sind enorm“, betonte Söder. Die Fraunhofer-Gesellschaft stehe für eine weltweit anerkannte angewandte Forschung, von der insbesondere der Mittelstand, die Herzkammer der Wirtschaft, profitiere. Mit seiner Hightech-Agenda sei der Freistaat auf dem richtigen Weg, so Söder weiter. Gefördert und vorangetrieben würden damit Forschungsprojekte von Künstlicher Intelligenz und Medizin bis hin zur Luft- und Raumfahrt.

Auch für das Don Bosco Kloster hatte der Landesvater eine gute Nachricht im Gepäck: Der Freistaat werde die umfangreichen Sanierungsarbeiten infolge der schweren Hagelschäden vom August 2023 unterstützen. „Wir lassen das Kloster nicht allein“, sagte Söder. Dieses sei eine „überragende Bildungsstätte“ und spiele insbesondere für die Jugendarbeit eine wichtige Rolle.

Prof. Michael Decker, Generaldirektor des Deutschen Museums, richtete in seinem Hauptvortrag den Blick auf das, was Joseph von Fraunhofer auszeichnete. Dessen ursprüngliches Ziel sei es gewesen, hochwertiges Glas herzustellen, das beispielsweise für Vermessungsinstrumente benötigt wurde. Dabei seien dem ehrgeizigen Niederbayern „folgenreiche Entdeckungen“ gelungen. Auf ihnen beruhten heute unter anderem wichtige Erkenntnisse der Astro- und Quantenphysik.

Mit Forschung allein sei es nicht getan, betonte Prof. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, die ihren Hauptsitz in München hat. Entscheidend sei der „unternehmerische Mut“. Genau darauf sei die Fraunhofer-Gesellschaft mit ihren Instituten spezialisiert: wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Lösungen und Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft zu überführen. „Das ist unser Geist, das macht uns aus“, sagte Hanselka.

Volles Haus: Zum Festakt haben sich die Gäste aus Wissenschaft, Politik, Kirche und Wirtschaft im historischen Speisesaal des Klosters versammelt.

Volles Haus: Zum Festakt haben sich die Gäste aus Wissenschaft, Politik, Kirche und Wirtschaft im historischen Speisesaal des Klosters versammelt. © Arndt Pröhl

Zusammen mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Kirche eröffnete Ministerpräsident Söder die historische Glashütte, die von der Fraunhofer-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen betrieben wird. Dabei wurde nicht nur das denkmalgeschützte Gebäude instand gesetzt, sondern auch das darin untergebrachte kleine Museum konzeptionell neu gestaltet.

Die Ausstellung zeigt neben den beiden Schmelzöfen zahlreiche Schautafeln, Werkzeuge zur Glas- und Metallbearbeitung, optische Instrumente und weitere Exponate. Die Geschichte des Betriebs reicht bis ins Jahr 1805 zurück: Nach der Säkularisation richtete der Fabrikant Joseph von Utzschneider auf dem Klostergelände die Glashütte und ein optisches Institut ein. Von 1807 bis 1819 war auch Joseph von Fraunhofer hier tätig.

Lebensgroßer KI-Avatar

Neues Highlight ist ein interaktiver, lebensgroßer KI-Avatar des Tüftlers. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat diesen mit allen verfügbaren Informationen „gefüttert“ und trainiert. Die Besucher können künftig mit dem Avatar, der auf einem Bildschirm erscheint, in verschiedenen Sprachen ins Gespräch kommen und Fragen stellen. Bei der ersten Präsentation im historischen Speisesaal wollte die Technik allerdings nicht mitspielen. „Das ist der Vorführeffekt“, sagte Entwickler Stephan Wilhelm augenzwinkernd. Bei den späteren Führungen durch die Glashütte, die von der Europäischen Physikalischen Gesellschaft den Ehrentitel „Historische Stätte der Physik“ verliehen bekam, funktionierte der digitale Gastgeber dann wie vorgesehen.