Ärger über Massentourismus: Benimmregeln für den Urlaub

Die Urlaubssaison ist in vollem Gang. Viele beliebte Urlaubsorte leiden allerdings unter Massentourismus und reagieren mit strengeren Regeln. So wird im kroatischen Split etwa ein Alkoholverkaufsverbot in den Nachtstunden geprüft, während in einer spanischen Gemeinde sogar das Urinieren ins Meer verboten ist. Und auf Mallorca wird im August wegen der Sonnenfinsternis ein Touristenhotspot geschlossen, wie „El Pais“ am Sonntag berichtete.

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Ärger über Massentourismus: Benimmregeln für den Urlaub

Ärger über Massentourismus

Die Urlaubssaison ist in vollem Gang. Viele beliebte Urlaubsorte leiden allerdings unter Massentourismus und reagieren mit strengeren Regeln. So wird im kroatischen Split etwa ein Alkoholverkaufsverbot in den Nachtstunden geprüft, während in einer spanischen Gemeinde sogar das Urinieren ins Meer verboten ist. Und auf Mallorca wird im August wegen der Sonnenfinsternis ein Touristenhotspot geschlossen, wie „El Pais“ am Sonntag berichtete.

Online seit heute, 13.16 Uhr

Rund 94 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher gaben bei einer ÖAMTC-Befragung Ende März an, dieses Jahr im Sommer verreisen zu wollen. Bei den beliebtesten Auslandsreisezielen liegt Italien auf Platz eins, gefolgt von Kroatien, Griechenland und Spanien.

Auch europaweit bleibt Italien im Sommer 2026 die beliebteste Destination, der OTA-Auslastungsgrad, also der Anteil belegter Unterkünfte auf Onlineplattformen, liegt bei über 50 Prozent, so Zahlen des italienischen Innenministeriums.

Der Ansturm bringt aber auch Schattenseiten mit sich: Die Berichte über Lärm, Müll und schlechtes Benehmen von Reisenden häufen sich. Viele Regionen und Gemeinden reagieren darauf mit Verboten und Richtlinien.

Flanieren im Bikini verboten

In der kleinen italienischen Gemeinde Varenna am Comer See etwa gibt es seit Kurzem neue Benimmregeln für Besucherinnen und Besucher. Wer mit freiem Oberkörper oder in Badebekleidung durch die Gassen flaniert, riskiert ein Bußgeld zwischen 50 und 200 Euro. Die Gemeinde will damit gegen die negativen Folgen des Massentourismus vorgehen.

Varenna am Comer See (Italien)
Seit Ende Juni gilt in Varenna eine strenge Kleiderordnung

Jedes Jahr besuchen Hunderttausende Touristinnen und Touristen das Dorf mit seinen rund 700 Einwohnern. Überfüllte Gassen und Lärm führen zu steigendem Ärger unter den Einheimischen. Bürgermeister Mauro Manzoni betont, dass Touristen weiterhin willkommen seien, die Lebensqualität der Bewohner dürfe jedoch nicht dem Massentourismus geopfert werden.

Selfies können teuer werden

Auch das kleine Fischerdorf Portofino an der ligurischen Küste zieht jedes Jahr Hunderttausende Gäste aus aller Welt an. Dort wurden bereits im Vorjahr strenge Regeln für das Tragen von Badekleidung im Ort erlassen. Zudem gibt es seit 2023 an mehreren Plätzen im Ort „No-Waiting-Zonen“: Wer für Erinnerungsfotos zu lange stehen bleibt und den Fußgängerverkehr blockiert, muss mit einer Geldstrafe rechnen.

eine Familie sitzt am Hafen von Portofino (Italien) und macht Fotos
Die pastellfarbenen Häuser Portofinos sind bei Hobbyfotografen sehr gefragt

Der Nobelort mit rund 500 Einwohnerinnen und Einwohnern ist aufgrund seiner malerischen Promenade ein beliebtes Fotomotiv, gerade in der Hochsaison führt das dazu, dass die engen Gassen verstopfen.

Sardinien schützt seine Strände

Eines der beliebtesten Urlaubsziele Italiens ist die Mittelmeer-Insel Sardinien, sie ist vor allem für ihre paradiesischen Sandstrände bekannt. Um diese in ihrer ursprünglichen Schönheit zu erhalten, gelten für Besucherinnen und Besucher teilweise strenge Regeln.

Auf dem berühmten Korallenstrand La Pelosa bei Stintino gibt es etwa Richtlinien für die Benutzung von Hand- und Strandtüchern. Hier müssen Sonnenanbeter zuerst eine Bast- oder Strohmatte auslegen, erst dann darf das Badetuch platziert werden.

der Strand La Pelosa auf Sardinien
La Pelosa im Norden Sardiniens gilt als absoluter Traumstrand

Damit soll verhindert werden, dass der weiße Sand an den Handtüchern hängenbleibt und somit abgetragen wird. Wer keine Matte benutzt, riskiert eine Geldstrafe von 100 Euro, wer Sand als Andenken – etwa in einem Behälter – mit nach Hause nehmen will, kann mit bis zu 1.000 Euro gestraft werden.

Der Umgang mit Sand beschäftigt zahlreiche Urlaubsorte. Auf der deutschen Insel Sylt etwa ist das Bauen von Sandburgen verboten, als Grund wird angegeben, dass die empfindlichen Dünen nicht geschädigt werden sollen. Wer dagegen verstößt, dem drohen Bußen von bis zu 1.000 Euro. Auch auf der spanischen Insel Teneriffa ist das Sandburgenbauen tabu, Türme und tiefe Löcher könnten zur „Stolperfalle“ werden, so die Begründung.

Kein Platz für Jause von daheim

In der süditalienischen Region Apulien haben die Betreiber privater „Lidos“, also Strandbäder, ihren Gästen das Mitbringen eigener Jause verboten. Die Strandbadbetreiber begründen diesen Schritt mit „internen Regelungen zum Schutz von Ordnung und Sauberkeit“. Apuliens Regionalpräsident Antonio Decaro äußerte Kritik an dem Vorgehen, bereits die Preise für Sonnenschirme und Liegen seien vielerorts sehr hoch.

Mitunter finden sich auch Vorschriften, die einigermaßen skurril anmuten. Wer etwa an den Stränden in der Gemeinde Lepe im Südwesten Spaniens auf den Weg zum WC verzichten will, muss aufpassen. Seit 2012 ist das Urinieren im Meer hier verboten. Wird man erwischt, drohen Geldstrafen von bis zu 750 Euro – wie genau das Verbot kontrolliert wird, ist nicht bekannt.

Mallorca schließt Bergpfad

Die spanische Baleareninsel Mallorca beschäftigte seit Längerem die Frage, wie mit einem erwarteten Massenansturm wegen der am 12. August von Spanien aus gut zu sehenden totalen Sonnenfinsternis umzugehen ist. Nun entschieden die Behörden, just zu der Zeit des astronomischen Phänomens einen beliebten Bergpfad im UNESCO-Weltkulturerbe Serra de Tramuntana zu sperren.

Touristen fotografieren Sonnenuntergang vom Aussichtspunkt „Sa Foradada" auf Mallorca
Das UNESCO-Weltkulturerbe Serra de Tramuntana in Mallorca ist ein beliebter Hotspot für Touristinnen und Touristen

Der Ort ist für viele ein beliebter Hotspot, um den Sonnenuntergang zu bestaunen. Aufgrund der Sonnenfinsternis werden jedoch solche Menschenmassen erwartet, dass der Besucheransturm kaum zu regeln sei, wie die Zeitung „El Pais“ am Sonntag berichtete. Mehrere Plattformen gegen Massentourismus riefen sogar zu Protesten auf.

Kroatien will Alkoholverkauf einschränken

Viele junge Menschen aus Österreich zieht es im Sommer nach Kroatien in den Partyurlaub. Alkoholexzesse in den kroatischen Touristenhochburgen sorgen allerdings schon seit Längerem für Unmut unter den Einheimischen. Ende Mai kündigte die kroatische Regierung an, hier einen Riegel vorzuschieben. Mittlerweile hat das Parlament in Zagreb eine Gesetzesänderung beschlossen, die es kroatischen Städten und Gemeinden ermöglicht, ein nächtliches Alkoholverbot zu verhängen.

Lokale an der Strandpromenade von Split (Kroatien)
Split ist für sein reges Nachtleben bekannt

Mehrere Städte haben ein derartiges Verbot bereits angekündigt, darunter die Touristenhotspots Hvar, Zadar und Makarska. Im dalmatinischen Split hat Bürgermeister Tomislav Suta erklärt, auf Grundlage der Reform ein Verkaufsverbot für Alkohol in Geschäften von 21.00 bis 6.00 Uhr einzuführen, Bars und Restaurants sollen nicht betroffen sein.

Derzeit befindet sich der geplante Beschluss in der öffentlichen Anhörung, erhält er grünes Licht, tritt die Regelung voraussichtlich ab August in Kraft – also noch während der diesjährigen Tourismussaison.

Quadfahren in Griechenland streng geregelt

Neue Regeln für Urlauber gibt es auch in Griechenland, dort soll die Vermietung von Quads deutlich strenger geregelt werden. Wie Verkehrsminister Konstantinos Kyranakis Anfang Juni angekündigt hatte, sollen Fahrerinnen und Fahrer künftig mindestens fünf Jahre im Besitz eines Führerscheins sein, um ein solches Fahrzeug mieten zu dürfen.

Touristen auf der griechischen Insel Santorin auf einem Quad
Quadvermieter müssen Führerscheine in Zukunft genauer überprüfen

Hintergrund sind steigende Unfallzahlen, an denen auch zahlreiche vor allem junge Touristen beteiligt sein sollen, wie das griechische Nachrichtenportal Newsauto.gr unter Berufung auf den Rettungsdienst berichtete.