Bergbus: An schönen Tagen Gedränge wie in der Tokioter U-Bahn

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Bergbus: An schönen Tagen Gedränge wie in der Tokioter U-Bahn

Stand: 18.09.2026, 19:00 Uhr

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Mal überfüllt, mal nur wenig genutzt: Die Auslastung des Bergbusses in die Eng schwankt stark.

Mal überfüllt, mal nur wenig genutzt: Die Auslastung des Bergbusses in die Eng schwankt stark. © Arndt Pröhl

An schönen Sommertagen quetschen sich Wanderer in den überfüllten Bergbus nach Eng – doch valide Fahrgastzahlen hat das Landratsamt nicht. Ob Fahrräder künftig wieder mitgenommen werden dürfen, ist noch offen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Finanzierung des Bergbusses in die Eng war lange umstritten. Zwischenzeitlich stand sogar im Raum, das Angebot für Wanderer im Jahr 2025 ganz zu streichen. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Unklar ist allerdings, wie gut das Angebot tatsächlich angenommen wird. „Da auf der Linie keine automatischen Fahrgastzählsysteme im Einsatz sind, haben wir keine validen Daten“, berichtet Sabine Schmid, Pressesprecherin des Landratsamts.

Wettrennen um Plätze im Bus

Bei Stichproben des Tölzer Kurier ergibt sich ein uneinheitliches Bild. Am Freitag, 4. September, steigt am Omnibus-Bahnhof in Bad Tölz nur ein einziger Fahrgast zu. Ganz anders ist das Bild am Samstag, 15. August. Es ist ein traumhafter Sommertag, der Zug von München nach Lenggries ist sehr gut gefüllt. Als sich am Lenggrieser Bahnhof die Zugtüren öffnen, beginnt ein Wettrennen darum, wer als Erster den Bus erreicht. Für die vielen Wanderer ist kaum Platz, am Ende herrscht ein Gedränge wie in der Tokioter U-Bahn. Fünf Minuten dauert es, bis sich auch der letzte wartende Fahrgast in den überfüllten Bus gequetscht hat.

Daten zur Fahrgastzählung 2024 liegen noch nicht vor

Kommt es hin und wieder vor, dass Wanderer wegen Überfüllung nicht mehr mitgenommen werden können? Eine verlässliche Antwort darauf gibt es nicht. „Detallierte Infos über überfüllte Busse liegen uns nicht vor“, heißt es in dem Schreiben des Landratsamts. „Es ist aber davon auszugehen, dass an schönen Tagen die Kapazitätsgrenze in den Bussen erreicht bzw. überschritten wird.“ Die letzte große Erhebung der Fahrgastzahlen habe von Mitte 2024 bis Mitte 2025 stattgefunden: „Deren Daten liegen leider noch nicht vor.“

Zusätzliche Attraktivität durch das Deutschland-Ticket

Auch Anke Ellmann, Leiterin der Alpenvereins-Geschäftsstelle in Bad Tölz, kann die Auslastung nicht beziffern: „Ich glaube schon, dass der Bus relativ gut angenommen wird. Zu Stoßzeiten gibt es schon das Problem, dass der Bus übervoll ist.“ Nach ihrer Beobachtung sei die Nachfrage in den vergangenen zehn Jahren gestiegen: „Durch das Deutschland-Ticket ist das Angebot noch attraktiver geworden.“

MVV-Tarif gilt

Für alle Haltestellen des Bergbusses gilt nun der MVV-Tarif. Damit sind das Deutschlandticket, das Bayern-Ticket und die MVV-Tickets auf der gesamten Strecke bis in die Eng gültig. Für Inhaber einer Gästekarte ist für den Streckenabschnitt in Österreich hingegen ein separates Ticket erforderlich. Der Bergbus fährt bis Anfang Oktober sechsmal täglich an Wochenenden und Feiertagen sowie zweimal wochentags von Lenggries in die Eng.

Intensiver Austausch mit Tirol

Die Finanzierung bleibt ein politisches Thema. So forderte der Kreistag im vergangenen Jahr, dass sich das Bundesland Tirol an den jährlichen Kosten in Höhe von 200.000 Euro beteiligt. Neuigkeiten gibt es dazu bislang nicht: „Wir befinden uns derzeit im intensiven Austausch mit der österreichischen Seite über die Fortführung des Angebots ab 2029“, heißt es aus dem Landratsamt. „Finanzierung und Ausschreibungsdetails werden derzeit auf Fachebene besprochen.“ Anschließend sollen die zuständigen Gremien über die Fortführung der Linie entscheiden. Bis einschließlich 2028 trägt der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen die Kosten der Linie allein.

Kein Fahrradtransport mehr

Als der RVO noch für die Linie zuständig war, konnten Fahrgäste ihr Fahrrad gegen einen kleinen Aufpreis im Bus mitnehmen. Bis zu fünf Zweiräder hatten Platz. Seit dem Beitritt des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen zum MVV ist dies jedoch nicht mehr möglich. Seither gibt es lediglich für zusammenklappbare Räder und Kinderräder Ausnahmen.

Fahrradanhänger wären denkbar

Hintergrund sei der Einsatz anderer Fahrzeuge auf der Strecke, teilte auf Anfrage eine Sprecherin der Deutschen Bahn mit: „Nachdem zuletzt die Nachfrage nach Fahrradmitnahme stark gesunken ist, kommen auf der Strecke nun durchgängig 15-Meter-Busse zum Einsatz. In diesen Fahrzeugen stehen Reisenden mehr Sitzplätze zur Verfügung, allerdings ist das Anbringen eines Fahrradanhängers nicht erlaubt.“

Anhänger werden getestet

Beim Bergsteigerbus ist eine Fahrradmitnahme für die Zukunft laut Sabine Schmid jedoch nicht generell ausgeschlossen. Fahrradanhänger würden im MVV bereits testweise auf einzelnen Linien eingesetzt. Voraussetzung für eine dauerhafte Fahrradmitnahme sei, „dass Fahrplanstabilität und Zuverlässigkeit des Busverkehrs gewährleistet bleiben“. Auch für den Bergsteigerbus wäre eine künftige Fahrradmitnahme damit grundsätzlich möglich. Dafür müsste der MVV zunächst ein tragfähiges Konzept entwickeln und prüfen, ob die Linie dafür geeignet ist.