Bester Freund und potenzielle Gefahr: Postboten trainieren in Wabern den Umgang mit Hunden
StartseiteLokalesFritzlar-HombergWabernStand: 25.09.2026, 08:00 UhrKommentareUns auf Google folgenTrainieren den Ernstfall: Ina Di Stasio mit ihren Schäferhunden und den Mitarbeitern der Post. Diese haben freiw...
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Stand: 25.09.2026, 08:00 Uhr
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Ein Hund hat eine Postbotin in Höxter mit 17 Wunden ins Krankenhaus gebissen. Hundetrainerin Ina Di Stasio erklärt in Wabern, welche Warnsignale Zusteller kennen müssen.
Wabern – „Der macht nichts.“ Diesen Satz hören Postboten oft, wenn sie an Haustüren oder in Gärten Hunden begegnen. Doch immer wieder liegen Hundehalter falsch. Im Schnitt 1500 Mal werden Zusteller bundesweit pro Jahr angegriffen, 50 Vorfälle registriert die Postniederlassung Kassel jährlich. Im Zustellstützpunkt Wabern bereitet Ina Di Stasio, Postmitarbeiterin und Hundetrainerin, ihre Kolleginnen und Kollegen aus dem Schwalm-Eder-Kreis und Waldeck-Frankenberg auf den Ernstfall vor.

Rund zehn Millionen Hunde sind derzeit in Deutschland gemeldet. Heißt: Im Schnitt hat jeder vierte bis fünfte Haushalt mindestens einen Hund. Ein Postzusteller, der auf einer Tagestour 300 bis 500 Briefe und Pakete ausliefert, wird also mit dem ein oder anderen Hund in Berührung kommen. Zumindest in der Theorie. Praktisch geht die Sicherheit vor. Stehe am Gartentor ein Schild, etwa mit der Aufschrift „Hier wache ich“, betrete er das Grundstück grundsätzlich nicht mehr, berichtet ein Zusteller. Für Björn Schlauß, Trainer bei der Post, ist klar: „Kein Brief ist es wert, dass wir dafür von einem Hund gebissen werden.“
Auch Gähnen kann ein Warnsignal sein
Vor zweieinhalb Jahren kam Ina Di Stasio auf die Idee, bei der Post Schulungen zum Umgang mit Hunden anzubieten. Di Stasio kommt aus Osterode im Landkreis Göttingen und arbeitet selbst bei der Post. Zudem ist sie Hundetrainerin und seit mehr als 20 Jahren Mitglied im Schäferhundverein. Grundkenntnisse über Hunde sind laut Di Stasio unerlässlich für Postzusteller. Etwa, wenn es darum geht, Hüte- und Herdenschutzhunde voneinander zu unterscheiden. Hütehunde wie Border Collies oder Deutsche Schäferhunde hätten traditionell die Aufgabe, die Herde zusammenzuhalten. Herdenschutzhunde – Pyrenäenberghunde etwa oder Komondore – seien hingegen darauf getrimmt, diese zu verteidigen. „Die machen viel schneller ernst als Hütehunde.“
Kein Brief ist es wert, dass wir dafür von einem Hund gebissen werden.
In Höxter habe Anfang des Jahres ein Hund der Rasse Deutsch Drahthaar eine Briefträgerin angegriffen, erzählt Di Stasio. Die erfahrene Postbotin habe sich totgestellt, bis das Tier von ihr abließ. Mit 17 Bisswunden in Brustkorb, Armen und Genitalbereich sei die Frau ins Krankenhaus gekommen. Ihren Job habe sie danach aufgegeben. Solch schwere Fälle sind die absolute Ausnahme und auch im Gebiet des Zustellstützpunkts Wabern noch nicht vorgekommen. Der Hundetrainerin zufolge ist es dennoch essenziell, Warnsignale zu erkennen – und im Notfall angemessen zu reagieren. So könne Gähnen bei Hunden ein Zeichen von Unsicherheit oder Stress sein.
Rechtliche Lage
Gemäß Paragraph 833 des Bürgerlichen Gesetzbuchs haftet der Halter für alle Verletzungen und Beschädigungen, die sein Hund verursacht. Das gilt also auch für alle Fälle, in denen ein Postbote unverschuldet auf einem Grundstück gebissen wird. Ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht: Bissiger Hund“ am Gartenzaun ändert daran nichts. Einzig der Hinweis „Privatgrundstück: Betreten verboten“ entbindet von der Haftung.
Die wichtigste Regel, falls es zu einer bedrohlichen Situation kommt: Ruhe bewahren. „Blickkontakt vermeiden, sich langsam entfernen und auf keinen Fall über das Tier beugen“, zählt Di Stasio auf. Wenn ein Hund zubeißt, seien Zappeln, Schlagen oder Treten unbedingt zu unterlassen. „Das weckt nur den Beutetrieb.“ Um zu zeigen, wie solch eine Begegnung tatsächlich aussehen kann, hat die Hundetrainerin ihre beiden Rüden Mythos und Harlem mitgebracht. Die geschulten Hunde laufen auf die Zusteller zu und springen gegen die Postkisten, die die Teilnehmer schützend vor sich halten.
Im Zweifel wartet der Brief in der Filiale
Bei Gesprächen mit den Zustellern wird klar: Mehrere haben auf ihren Touren bereits brenzlige Situationen erlebt. Sei es der Hund, der um die Ecke schoss, oder die Gartentür, die mit Gewalt zugehalten werden musste. Die beste Prävention gegen Erfahrungen wie diese und Schlimmeres sind die Hundehalter. „Das Ganze lebt davon, dass die Menschen einsichtig sind“, sagt Schlauß. Hundehalter seien oft von Emotionen geleitet, erklärt Di Stasio. „Sie lieben ihren Hund, werden sich aber nicht immer ihrer Pflichten bewusst.“ Dabei seien sie es, die für Verletzungen von Postboten hafteten.
Jeder Zweite muss krankgeschrieben werden
Die Deutsche Post verzeichne pro Jahr etwa 1500 Fälle von Hundeangriffen, erklärt Thomas Kutsch, Pressesprecher der Post für Mittel-, Nord- und Osthessen sowie Thüringen. Die Tendenz sei insgesamt leicht sinkend. Zu Covid-Zeiten, als sich viele Leute einen Hund anschafften, seien mehr Vorfälle verzeichnet worden. Im Gebiet der Postniederlassung Kassel, in dem rund 3000 Zustellerinnen und Zusteller sechs Tage die Woche arbeiten, gebe es jährlich ungefähr 50 Angriffe, sagt Kutsch. In etwa fünfzig Prozent der Fälle müssten die Betroffenen danach krankgeschrieben werden.
Läuft ein Hund frei auf einem Grundstück herum, rät Schlauß den Zustellern, dieses gar nicht erst zu betreten. „Jeder Kunde hat schließlich die Möglichkeit, Briefkästen oder Klingeln außerhalb anzubringen.“ Sei eine Zustellung nicht möglich, werde der Kunde benachrichtigt. Dann gebe es am nächsten Tag einen weiteren Versuch. Im Zweifel müsse der Kunde den Brief oder das Paket in der Filiale abholen.