Bezirk Lichtenberg lehnt Anti-Hacker-Software des Berliner Senats ab

Nach dem massiven Hackerangriff in Berlin gibt es offenbar Streit zwischen Senat und Bezirken über die Absicherung der IT-Systeme. So verweigert der Bezirk Lichtenberg einem vom Senat engagierten Unternehmen den Zugriff auf seine Server.

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Bezirk Lichtenberg lehnt Anti-Hacker-Software des Berliner Senats ab

Bedenken wegen Datenzugriff

Bezirk Lichtenberg lehnt Anti-Hacker-Software des Berliner Senats ab

Das Rathaus des Berliner Bezirks Lichtenberg (Quelle: dpa/Joko)
Das Rathaus des Berliner Bezirks Lichtenberg (Quelle: dpa/Joko)
  • Senat hat US-Unternehmen "Crowdstrike" mit Spurensuche auf Hackerkollektiv "Rhysidia" beauftrag
  • Bezirk Lichtenberg lehnt "Crowdstrike"-Software ab
  • Bezirk kritisiert "nahezu unbegrenzten Zugriff" der Software auf Daten und mögliche Überwachung von Arbeitsgeräten

Icon Kommentar

Bei der Absicherung und Prüfung der Berliner IT-Systeme nach dem massiven Hackerangriff gibt es teils erhebliche Differenzen zwischen Landes- und Bezirksebene.

So lehnt es aktuell der Bezirk Lichtenberg ab, das von der Senatskanzlei engagierte US-Unternehmen "Crowdstrike" auf die Server des Bezirks zu lassen. Das geht aus einem internen Schreiben hervor, das dem rbb exklusiv vorliegt. Die US-amerikanische Firma soll die landeseigene IT auf Schäden, Spuren und mögliche Hinterlassenschaften des Hackerkollektiv "Rhysidia" untersuchen, um die Systeme wieder nutzbar zu machen.

Bezirk kritisiert "unbegrenzten Zugriff" für Software

Der Bezirk Lichtenberg aber teilte der Senatskanzlei nun mit, dass man große Bedenken gegenüber "Crowdstrike" habe. Deren Software mit dem Namen "Falcon Agent" würde im Bezirk "nahezu unbegrenzten Zugriff" auf sämtliche Daten erlangen, auch personenbezogene, und wäre wohl auch "nie wieder zu entfernen".

Die Software sei zudem in der Lage, sämtliche Arbeitsgeräte – und damit auch die Dienstkräfte der Verwaltung – zu überwachen. Dabei würden auch dienstliche Daten erfasst und abgeleitet, heißt es in dem Schreiben des Bezirks. "Nach entsprechenden Rückmeldungen aus anderen Bezirken führt sie zudem zu teils schweren Störungen in der Ablauffähigkeit von Fachverfahren, Diensten und Programmen und birgt ein erhebliches Risiko bezüglich der Arbeitsfähigkeit des Bezirksamtes."

Lichtenberg: Haben keine Hinweise auf Hacker gefunden

Lichtenberg führt zudem an, seine eigenen Systeme bereits geprüft und keine Hinweise darauf gefunden zu haben, dass die Hacker auch dort aktiv waren. Man nutze das Produkt einer Konkurrenzfirma von "Crowdstrike", um sich gegen IT-Angriffe zu schützen.

Man werde "Crowdstrike" den Zugang zu Lichtenbergs Bezirks-IT nur dann ermöglichen, wenn der Senat "die gesamte Verantwortung übernimmt", inklusiver aller Kosten, so der Bezirk. Die Senatskanzlei teilte dem Bezirk nach rbb-Informationen am Samstagabend mit, dass die Software "alternativlos" sei. Für deren Einsatz übernehme man die Verantwortung.

2024 kam es zu weltweiten IT-Ausfällen wegen eines fehlerhaften Updates des Virenschutzprogrammes "Falcon" bei "Crowdstrike" [tagesschau.de]. Betroffen war damals auch unter anderem der Flughafen BER.

Berliner Daten im Darknet veröffentlicht

Die Daten waren Mitte August bei einem Angriff auf das Berliner Landesnetz erbeutet worden - also das Netzwerk der Berliner Verwaltung. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bestätigte in der vergangenen Woche, dass Berlin nach dem Datendiebstahl erpresst werde. Wie die Senatskanzlei mitteilte, verlangten die Erpresser 30 Bitcoin, was rund zwei Millionen Euro entspricht.

Vonseiten des Senats wurde mehrfach bekräftigt, dass das Land nicht zahlen wolle. Nach Ablauf eines Ultimatums wurden Daten zum Download veröffentlicht. Das gab die Hackergruppe Rhysida am Freitagnachmittag auf ihrer Webseite im Darknet bekannt.

Sendung: rbb|24, 05.09.2026, 18:40 Uhr

Audio: rbb|24, 05.09.2026, Sebastian Schöbel

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