Neues Schulkonzept in Hessen: Mehr Deutsch, mehr Mathe – und ein neues Pflichtfach

Mehr Deutsch, mehr Mathe – und ein neues Pflichtfach: In ein neues Bildungspaket sollen laut schwarz-roter Landesregierung zusätzlich 50 Millionen Euro fließen. Viele Änderungen kommen allerdings erst in einigen Jahren – das kritisiert die Opposition.

  • 5 min read
Neues Schulkonzept in Hessen: Mehr Deutsch, mehr Mathe – und ein neues Pflichtfach

Service Navigation

Bildungspaket der Landesregierung Zusatzstunden in Deutsch und Mathe – und ein neues Pflichtfach

Mehr Deutsch, mehr Mathe – und ein neues Pflichtfach: In ein neues Bildungspaket sollen laut schwarz-roter Landesregierung zusätzlich 50 Millionen Euro fließen. Viele Änderungen kommen allerdings erst in einigen Jahren – das kritisiert die Opposition.

Drei Grundschulkinder bekommen in einer Kleingruppe Matheunterricht

Auch Teil des Bildungspakets: Grundschulkinder, die Probleme in Mathe haben, sollen künftig in Kleingruppen Zusatzstunden Mathe bekommen. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die Landesregierung hat am Montag ein neues "Bildungschancenpaket" vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Grundkompetenzen in Deutsch und Mathematik.

Hessens Schülerinnen und Schüler sollen künftig mehr Zeit mit Lesen, Schreiben und Rechnen verbringen. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) begründete den Schwerpunkt des Pakets damit, dass diese Fähigkeiten das Fundament für die weitere Bildung seien.

Audiobeitrag

Audio

04:31 Min.|Kathinka Mumme

Bild © hessenschau.de| zur Audio-Einzelseite

Ende des Audiobeitrags

"Wer die Grundlagen nicht beherrscht, der kann auch die Chancen der Zukunft nicht nutzen", sagte Rhein. Gleichzeitig soll der Umgang mit digitalen Medien und Künstlicher Intelligenz (KI) einen verpflichtenden Platz im Stundenplan bekommen.

Bis zum Ende der Legislatur (Januar 2029) will Schwarz-Rot nach eigenen Angaben zusätzlich 50 Millionen Euro für das Paket einsetzen. Für dauerhafte Maßnahmen sollen zudem 680 Lehrkräftestellen finanziert werden. Die Landesregierung verweist außerdem auf den regulären Bildungsetat für 2026 in Höhe von 6,2 Milliarden Euro. Rhein wies deshalb den Vorwurf zurück, das Land spare bei der Bildung.

Zusätzliche Deutschstunde in Grundschulen

Besonders viel soll sich an den Grundschulen ändern. Erstklässler bekommen künftig eine zusätzliche Deutschstunde – sie haben damit sieben Stunden Deutsch pro Woche. In der dritten und vierten Klasse soll außerdem jeden Tag 20 bis 25 Minuten gelesen werden.

Kultusminister Armin Schwarz (CDU) bezeichnete Lesen, Schreiben, Zuhören und Sprechen als grundlegende Fähigkeiten für Bildungserfolg und gesellschaftliche Teilhabe. "Jede Unterrichtsstunde in Hessen muss auch eine Deutschstunde sein", sagte Schwarz am Montag.

Beim Lesen gehe es nicht nur darum, die Fähigkeit selbst zu erlernen: "Lesen lernen ist der erste Schritt. Aber Lesen zum Lernen, das ist der zweite Schritt."

Drei Minister stellen das Bildungspaket vor: Kultusminister Schwarz (CDU), Ministerpräsident Rhein (CDU) sowie Vize-Ministerpräsident Kaweh Mansoori (SPD) am Montag in der Staatskanzlei

Gleich drei Minister stellen das Bildungspaket vor: Kultusminister Schwarz (CDU), Ministerpräsident Rhein (CDU) sowie Vize-Ministerpräsident Kaweh Mansoori (SPD) am Montag in der Staatskanzlei Bild © Tobias Häuser (hr)

Auch in Mathematik soll früher angesetzt werden. Für Kinder, die Schwierigkeiten in Mathematik haben, sind zusätzliche Förderstunden in Kleingruppen vorgesehen. Hinzu kommen feste Übungszeiten für mathematische Grundlagen. Vize-Ministerpräsident Kaweh Mansoori (SPD) will so verhindern, "dass aus Bildungslücken irgendwann verschlossene Türen werden".

Schrittweise Einführung geplant

Allerdings werden viele der Vorhaben nicht sofort umgesetzt. Die zusätzliche Deutschstunde kommt beispielsweise erst zum Schuljahr 2028/29.

Die neue Lesezeit startet zunächst im zweiten Halbjahr 2026/27 als Pilotprojekt an 100 Grundschulen und soll zwei Jahre später für alle Grundschulen verpflichtend werden. Auch bei der zusätzlichen Matheförderung ist eine schrittweise Einführung vorgesehen.

"Digitale Welt" soll Pflichtfach werden

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf digitaler Bildung. Ab dem Schuljahr 2027/28 sollen Viertklässler einen Medienführerschein machen. Gleichzeitig wird "KI und Digitale Welt" in der fünften Klasse zum einstündigen Pflichtfach, ein Jahr später auch in Klasse sechs.

Kultusminister Schwarz bezeichnete das neue Pflichtfach als "etwas ganz Besonderes". In den Klassen fünf und sechs liege der Fokus zunächst auf Medienbildung, später stärker auf Informatik.

Hessen sei damit das erste Bundesland, in dem KI in einem eigenen Schulfach verankert und unterrichtet werde, sagte Schwarz. Später soll ein stärker auf Informatik ausgerichtetes Pflichtangebot für ältere Schülerinnen und Schüler folgen.

Auch für einen verkürzten Namen des neuen Schulfaches im Stundenplan hat der Bildungsminister schon eine Idee: "Wenn man es verkürzen und vielleicht schülergeschmacklich abformulieren will, ist es dann das Fach 'KiDi' (KI und digitale Welt, Anm. d. Red.). Aber das mögen die Schülerinnen und Schüler dann selbst entsprechend entwickeln", so Schwarz.

Kritik aus der Opposition

Die Opposition kritisiert vor allem den Zeitplan und die Stellenplanung. Die AfD fordert die zusätzlichen Deutschstunden und Matheprogramme "sofort und flächendeckend".

Grüne und FDP werfen der Landesregierung dagegen vor, mit dem Paket vorherige Kürzungen nur teilweise wieder zurückzunehmen. Beide verweisen dabei auf die Stellenverteilung nach Sozialindex: Im laufenden Schuljahr sind an sogenannten Brennpunktschulen rund 300 Stellen gestrichen worden, nun sollen in zwei Schritten 200 Stellen wieder hinzukommen. Die Grünen sprechen deshalb von einem "Bildungspäckchen", das frühere Kürzungen nicht ausgleiche.

Auch die FDP bezeichnet das Paket als "Korrekturversuch der eigenen Politik". Grundsätzlich begrüßt ihr Bildungssprecher Moritz Promny mehr Deutsch und Mathematik sowie die verpflichtende digitale Bildung, stellt aber die Frage, woher die Lehrkräfte für die zusätzlichen Angebote kommen sollen. Die AfD wiederum begrüßt die Einführung von "KI und Digitale Welt" zumindest teilweise, fordert aber einen weitergehenden verpflichtenden Informatikunterricht.

Weitere Informationen

Die wichtigsten Maßnahmen des Bildungspakets:

  • Mehr Deutsch: Ab 2028/29 bekommen Erstklässler eine zusätzliche Deutschstunde. In der dritten und vierten Klasse wird eine tägliche Lesezeit von 20 bis 25 Minuten eingeführt – zunächst an 100 Schulen, später verpflichtend an allen Grundschulen.
  • Mehr Mathe-Förderung: In den ersten beiden Klassen kommen zusätzliche Förderstunden in Kleingruppen für Kinder mit Schwierigkeiten hinzu. Außerdem werden feste "Mathezeiten" zum Üben von Grundrechenarten aufgebaut. Für die Klassen fünf und sechs sind zusätzliche Basiskurse vorgesehen.
  • Bettermarks für alle: Das digitale Mathematik-Lernsystem "bettermarks" soll ab sofort über eine Landeslizenz allen Schulen für die Jahrgangsstufen drei bis 13 zur Verfügung stehen.
  • Digitale Welt und KI wird Pflichtfach: Ab 2027/28 wird "KI und Digitale Welt" in Klasse fünf zum Pflichtfach, später auch in Klasse sechs. Viertklässler sollen zudem einen Medienführerschein machen. Ab 2029/30 folgt für ältere Schülerinnen und Schüler ein verpflichtendes Angebot mit stärkerem Informatik-Schwerpunkt
Ende der weiteren Informationen