(+) Toiletten-Streit: Jetzt droht Schleswig der Event-Schwund

Schleswig-Holstein Bizarrer Toiletten-Streit im Norden: Veranstalter droht mit drastischen Konsequenzen Veranstalter Ingo Harder will in Zukunft auf einen Großteil seiner Veranst...

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(+) Toiletten-Streit: Jetzt droht Schleswig der Event-Schwund

Schleswig-Holstein

Bizarrer Toiletten-Streit im Norden: Veranstalter droht mit drastischen Konsequenzen

Veranstalter Ingo Harder will in Zukunft auf einen Großteil seiner Veranstaltungen in Schleswig verzichten.
Marcel Nass

Schleswig lehnt Zuschüsse für Toilettenwagen bei Innenstadt-Events ab. Ein Veranstalter zieht nun Konsequenzen – mehrere Feste stehen auf der Kippe.

Die Entscheidung ist gefallen: Nachdem bereits in den Fachausschüssen ausgiebig über eine mögliche Förderung von Toiletten bei Events in der Schleswiger Innenstadt diskutiert wurde, hat sich die Ratsversammlung nun mehrheitlich gegen ein entsprechendes Programm entschieden. Die Stadtverwaltung hatte nach dem Wegfall der öffentlichen WC-Anlage am abgerissenen Parkhaus den Vorschlag eingereicht, in den kommenden zwei Jahren die Kosten für die Aufstellung von Toilettenwagen bei Veranstaltungen zu übernehmen, um die Organisatoren zu entlasten und die Wirtschaft in der Ladenstraße zu unterstützen.

Der Bauausschuss stand diesem Vorschlag in einer Sitzung bereits positiv gegenüber. Eine Wende gab es dann jedoch im Finanzausschuss, dessen Mitglieder sich mehrheitlich gegen eine Förderung aussprachen. So sah es letztendlich auch in der jüngsten Sitzung der Ratsversammlung aus, die die endgültige Entscheidung gegen die Förderung fällte. Die Stadt wird demnach kein Programm auf den Weg bringen, um die Kosten für Toilettenwagen bei Großveranstaltungen in der Innenstadt zu übernehmen.

Bürgermeister sprach sich für Förderung aus

Dabei warb Bürgermeister Jonas Kähler noch einmal dafür, die angepeilten Kosten in Höhe von rund 10.000 Euro für diesen Zweck in Kauf zu nehmen, um die Planung von Veranstaltungen in der Ladenstraße während der Bauphase für das neue Parkhaus und das Bürgerforum zu erleichtern. „Wir wollen mehr Frequenz in der Innenstadt. Dafür sind Veranstaltungen immens wichtig“, betonte Kähler. Unterstützung bekam der Bürgermeister dabei von den Grünen, dem Bündnis für Bürger (BfB) und vom parteilosen Ratsherrn Uwe Schröder.

Gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung stimmten insbesondere die Fraktionen der CDU, SPD, FDP und des SSW. „Wir können nicht alle Kosten auf die Allgemeinheit übertragen und damit privates unternehmerisches Risiko minimieren. Es gibt bereits eine Förderung, aber die Kassen sind leer. Und es finden ja auch Veranstaltungen außerhalb der Innenstadt statt. Die müssten wir dann auch unterstützen“, sagte unter anderem der SPD-Fraktionsvorsitzende Henrik Vogt. Viele andere Ratsmitglieder stimmten dem auch in Anbetracht der angespannten Haushaltslage der Stadt zu.

Veranstalter ärgert sich über Entscheidung der Politik

Zu den Veranstaltern, die diese Entscheidung besonders hart trifft, gehört Ratsherr Ingo Harder. Der Organisator des Stadtfestes „Schleswig swingt“ hatte aufgrund der Kosten für die Anmietung eines Toilettenwagens in diesem Jahr bereits darauf verzichten, sein „Sommervergnügen“ auf dem Capitolplatz auszurichten. Nach dem Beschluss der Ratsversammlung zeigte sich Harder entsprechend enttäuscht: „Ich möchte mit meinen Events dazu beitragen, dass die Innenstadt belebt wird. Dass die Politik das nicht fördern möchte, kann ich nicht verstehen. Und das betrifft ja nicht nur mich, sondern alle Veranstalter, die etwas für die Ladenstraße tun möchten“, sagt er.

Blauer Containeranhänger mit Treppe vor einem Backsteingebäude an einer Straße
Die Stadt möchte Veranstalter unterstützen und für eine begrenzte Zeit die Aufstellung von Toilettencontainern in der Innenstadt fördern. Diesem Vorschlag erteilte die Ratsversammlung nun aber mehrheitlich eine Absage. (Archivbild)
Sven Windmann

Harder stört sich vor allem an dem oft genannten Argument, dass es sich bei der Anmietung eines Toilettenwagens um „unternehmerisches Risiko“ handele. Dem entgegnet der Ratsherr (BfB), der an der Abstimmung aus Gründen der Befangenheit nicht teilnahm: „Das hat nichts mit Risiko zu tun. Durch den Wegfall der öffentlichen Toiletten am Parkhaus sind das einfach nur zusätzliche Kosten, die ich nicht auf mich nehmen möchte.“

Mehrere Events von Ingo Harder könnten nun ausfallen

Deshalb kündigt der Veranstalter nun auch weitreichende Konsequenzen an. Er möchte in Zukunft nur noch wenige Events in der Innenstadt ausrichten. „Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, zur Unterstützung der Ladenstraße bis zur Fertigstellung des Parkhauses acht bis zehn Veranstaltungen pro Jahr zu machen. Ich habe mir dazu auch schon einige neue Formate, wie zum Beispiel den Blaulichttag, überlegt. Davon werde ich jetzt aber Abstand nehmen“, sagt Harder.

Seine Pläne sehen nun wie folgt aus: „Das ‚Anpunschen‘ zum Ende des Jahres wird noch stattfinden, weil die Schausteller des Weihnachtsmarktes mir netterweise einen Toilettenwagen zur Verfügung stellen. Auch „Schleswig swingt“ werde ich 2027 noch machen, weil dafür schon zu viel vorbereitet ist. Dann werde ich aber nur noch die Kohltage planen, weil ich dafür kein WC brauche“, so Harder. Alle anderen Events wie das „Frühsommerfest“ oder das „Sommervergnügen“ sollen demnach 2027 ausfallen. Wie es darüber hinaus mit seinen Events weitergeht, lässt Harder fürs Erste offen. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de.)