Briefmarken-Grafiker Ernst Kößlinger: 100 unveröffentlichte Entwürfe zu sehen

Das Gemeindearchiv Planegg zeigt knapp 100 unveröffentlichte Briefmarkenentwürfe des 2020 gestorbenen Grafikers. Sein bekanntestes Motiv gewann 1995 den Titel der schönsten europäischen Briefmarke.

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Briefmarken-Grafiker Ernst Kößlinger: 100 unveröffentlichte Entwürfe zu sehen

Stand: 16.10.2026, 07:40 Uhr

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Auftakt zur Vernissage und Ausstellungseröffnung von „Kleine Meisterwerke der Grafik“ von Ernst Kößlinger am 14.10.26 ab 18.30 Uhr in der Musikschule in Planegg mit Biografie von Herr Kößlinger und Musikalischen Beträgen der Musikschüler. Klaviertrio v.l.: Caecilia Kocher / Violine, Anson Wu / Klavier, Tim Reitschuler / Violoncello. Foto: Dagmar Rutt

„Musik trifft Kunst“: Die Vernissage im Konzertsaal der Musikschule an der Würm in Planegg eröffneten Caecilia Kocher, Anson Wu und Tim Reitschuler (r.) mit einem Stück von Clara Schumann. Im Hintergrund das Plakat zur Ausstellung „Ernst Kößlinger – Kleine Meisterwerke der Grafik“. © Dagmar Rutt

Das Gemeindearchiv Planegg zeigt knapp 100 unveröffentlichte Briefmarkenentwürfe des 2020 gestorbenen Grafikers Ernst Kößlinger. Zu einem seiner preisgekrönten Motive inspirierte ihn eine Martinsrieder Postbotin. Es wurde 1995 zur schönsten europäischen Briefmarke gewählt.

Planegg – Annette ist nicht gekommen. Eingeladen war die Martinsrieder Postbotin, die nur beim Vornamen genannt wurde und die den Grafiker Ernst Kößlinger zum preisgekrönten Motiv der radelnden Postbotin inspiriert hatte. Doch bei der Vernissage der Ausstellung „Ernst Kößlinger – Kleine Meisterwerke der Grafik“ am Mittwoch in der Musikschule an der Würm tauchte das Vorbild für die über den Lenker gebückte Frau mit wehendem Pferdeschwanz nicht auf. So blieb den Besuchern nur, im Anschluss ans festliche Programm in der Galerie des Gemeindearchivs eine Replik der Sonderbriefmarke zu betrachten, die 1995 zur schönsten europäischen Marke gewählt worden war. Der Originalentwurf befindet sich im Archiv für Philatelie in Bonn, ebenso wie die Originale der 38 weiteren Motive Kößlingers, die im Laufe von vier Jahrzehnten Wettbewerbssieger wurden.

Die Martinsrieder Postbotin Annette, verewigt auf einer preisgekrönten Briefmarke von 1995 von Ernst Kößlinger

Die Martinsrieder Postbotin Annette, verewigt auf einer preisgekrönten Briefmarke von 1995. © Nicole Kalenda

Der 2020 verstorbene Grafiker und Grafikdesigner Ernst Kößlinger, der von 1977 an in Martinsried lebte, wäre heuer 100 Jahre alt geworden. Seine Familie nahm dies zum Anlass, seinen Nachlass zu ordnen, und gewährte Gemeindearchivarin Barbara Reinicke Einblick. Diese wählte aus mehr als 400 unveröffentlichten Briefmarkenentwürfen knapp 100 aus, um sie in der Galereie wie in einem begehbaren Briefmarkenalbum zu präsentieren.

Kößlinger machte sich erst als Plakatkünstler einen Namen, bevor er zur Briefmarke kam. „Seine erste Einladung zu einem Gestalter-Wettbewerb für eine Sonderbriefmarke der Deutschen Bundespost erhielt Ernst Kößlinger im Jahr 1970“, sagte Reinicke bei ihrer Werkeinführung. Damals habe er noch nicht gewonnen, dafür bei seiner zweiten Teilnahme: Die Sonderbriefmarke zum 100. Todestag des evangelischen Theologen Wilhelm Löhe erschien 1972.

Reinickes Passagen zu Kößlingers Leben und Schaffen wechselten sich ab mit Erläuterungen zu Motiven im Kontext der Musik, die Musikschulleiter Fabian Bögelsack vortrug, etwa zu Claudio Monteverdi und Carl Orff. Das Monteverdi-Briefmarkenmotiv hatte es nicht in den Umlauf geschafft, das Orff-Motiv hingegen schon als Wettbewerbssieger 1995.

Der Vortrag wurde ergänzt durch Musik, ganz wie es das Format „Musik trifft Kunst“ verlangt. Zum fünften Mal arbeiteten auf diese Weise Musikschule und Gemeindearchiv zusammen, zum ersten Mal im Rahmen einer Vernissage. Einer der Höhepunkte war der Auftritt der Martinsrieder Sopranistin Seung-Hee Jang, begleitet von Petra Löhlein am Klavier, mit Liedern von Franz Schubert und Richard Strauss.

Auch wenn nach dem Vortrag in der Cafeteria der Musikschule ein Buffet wartete, zog es etliche Besucher ohne Zwischenstopp zur Ausstellung ins Gemeindearchiv. Dort konnten sie anhand der Sonderbriefmarke zum 100. Geburtstag Carl Orffs ermessen, wie viel Arbeit hinter einer Briefmarke steckt. Zu sehen sind die vorbereitende Entwurfsserie im Originalformat, der fertige Entwurf in sechsfacher Größe ausgeführt, und der Ersttagsbrief mit Sonderstempel.

Es war nie nur ein Motiv, das Kößlinger einreichte. Das zeigt sich auch am Komiker Karl Valentin, der von 1941 bis zu seinem Tod 1948 in Planegg lebte. Dreimal hängt er im Bereich „Persönlichkeiten“, ergänzt durch vier Max-Reger-Motive und fünfmal Rainer Maria Rilke.

Zu sehen ist die Ausstellung bis 20. November montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie zusätzlich dienstags von 14 bis 17 Uhr (Pasinger Straße 22).