Staat kassiert Milliarden mit Kippen: So viel mehr sollen Zigaretten jetzt kosten
StartseitePolitikBundestag will höhere Tabaksteuer: Staat winken Milliarden – so viel sollen Zigaretten bald kostenStand: 14.10.2026, 19:23 UhrKommentareUns auf Google folgenRauchen wird teurer – und der Staat ...
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Bundestag will höhere Tabaksteuer: Staat winken Milliarden – so viel sollen Zigaretten bald kosten
Stand: 14.10.2026, 19:23 Uhr
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Rauchen wird teurer – und der Staat verdient kräftig mit. Die Tabaksteuer soll stärker erhöht werden als geplant. Die Zigarettenpreise steigen jedes Jahr.
Berlin – Am Donnerstagabend geht es im Bundestag ums Rauchen. Unter Tagesordnungspunkt 25 steht die Änderung des Tabaksteuergesetzes auf der Agenda. Die schwarz-rote Regierung will damit die Tabaksteuer anheben. Auf Raucherinnen und Raucher kommen damit schon bald höhere Preise fürs Quarzen zu, während die Regierung auf Milliardeneinnahmen hoffen darf.

„Durch die Gesetzesänderung werden Steuermehreinnahmen erzielt“, heißt es im Entwurf des neuen Gesetzes. Die Regierungsfraktionen haben nach Informationen des Münchner Merkur von Ippen.Media im zuständigen Finanzausschuss auf den letzten Metern noch einmal nachgeschärft: Zigaretten werden teurer als ursprünglich gedacht. Das berichtet auch die dpa.
Jedes Jahr mehr: So viel sollen Zigaretten mit der neuen Tabaksteuer kosten
Schon kommendes Jahr steigt der Preis für eine Schachtel mit 20 Zigaretten auf mindestens 9,10 Euro. In der ursprünglichen Gesetzes-Version waren für 2027 nur 8,77 Euro vorgesehen. Wie geplant soll der Zigarettenpreis anschließend jedes Jahr spürbar steigen. 2028 sind es 9,91, 2029 dann 10,81 Euro, ehe der Schachtelpreis im Jahr 2030 auf mindestens 11,78 Euro steigt. Diese Werte sind nur Mindestwerte. Es ist davon auszugehen, dass die Tabakindustrie höhere Preise veranschlagt. Markenzigaretten könnten nach Informationen unserer Redaktion so bis zu 15 Euro pro Packung kosten.
| Jahr | Preis für Packung mit 20 Zigaretten |
|---|---|
| 2027 | 9,10 € |
| 2028 | 9,91 € |
| 2029 | 10,81 € |
| 2030 | 11,78 € |
Für den Staat heißt das: Mehreinnahmen in Milliardenhöhe. 2027 sollen es 1,5 Milliarden Euro mehr sein, 2030 sogar 4,5 Milliarden Euro zusätzlich. Im vergangenen Jahr hatte der Fiskus 17,6 Milliarden Euro an Tabaksteuern eingenommen. Zusätzlich kommt eine höhere Steuer auf den sogenannten Drehtabak. Aktuell ist eine 30-Gramm-Packung Feinschnitt für sechs bis acht Euro zu haben, sie enthält etwa doppelt so viel Tabak wie in einer vorgefertigten 20er-Zigarettenpackung. Wie stark die Tabaksteuer auf den Drehtabak wirkt, ist bislang unklar. Medienberichten zufolge könnte der gewichtete durchschnittliche Kleinverkaufspreis jedoch auf mehr als 12 Euro im Jahr 2030 ansteigen.
Streeck für höhere Tabaksteuer: „Der Preis ist einer der wirksamsten Hebel“
Der Bundesdrogen- und Suchtbeauftragte, Hendrik Streeck, unterstützt eine höhere Tabaksteuer. „Der Preis ist einer der wirksamsten Hebel, um Jugendliche vom Einstieg abzuhalten und Raucher beim Ausstieg zu unterstützen“, sagte Streeck dem Münchner Merkur von Ippen.Media. Zugleich gehe es um ein „klares ordnungspolitisches Prinzip“, so der CDU-Politiker. „Es ist falsch, Gewinne zu privatisieren und die gesundheitlichen Folgekosten der Allgemeinheit zu überlassen.“
Tabak verursache jedes Jahr rund 30 Milliarden Euro direkte Kosten im Gesundheitswesen und weitere 67 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Schäden. „Deshalb gehört ein fester Teil der zusätzlichen Einnahmen in Prävention, Rauchentwöhnung, Kontrollen und Behandlung.“ Das Wort Prävention kommt in dem 24 Seiten langen Gesetzesentwurf jedoch kein einziges Mal vor. Es heißt lediglich: „Die Gesetzesänderung dient auch dem Schutz der öffentlichen Gesundheit und steht im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen, die Raucherquote von Jugendlichen und Erwachsenen zu senken.“
Ein realistisches Ziel? „Das kann man durchaus“, meint der Suchtforscher Heino Stöver. „Aber es muss balanciert erfolgen, ausgerichtet an der Verhältnismäßigkeit der Risiken.“ Im Gespräch mit dem Münchner Merkur von Ippen.Media sagt Stöver, Tabakrauchen sei bei ärmeren Menschen stärker verbreitet. „Wir müssen also darauf achten, diese Population nicht von heute auf morgen zu stark zu belasten. Das führt sonst dazu, dass noch schädlichere Produkte oder der Schwarzmarkt genutzt werden.“ Stöver nennt daher ein Alternativkonzept: „Tabakpolitik sollte aber durchaus klar sein und zum Beispiel sagen: in so und so viel Jahren kostet die Packung 15 oder 20 Euro. Dann können sich Raucher darauf einstellen.“
Bis zu dieser starken Erhöhung „sollten massiv alle möglichen Präventionsangebote angeboten werden und dabei auch erklärt werden, dass die E-Zigarette oder der Nikotinbeutel mögliche Alternativen wären“, sagt Stöver. „Also eine klare Ansprache an die Verbraucher, und nicht nur: Wir erhöhen jetzt die Steuern nur homöopathisch, und im Übrigen geht das Geld beispielsweise in den Tankrabatt.“
Tabaklobby gegen höhere Steuer: „Auf kommunaler Ebene kommt davon nichts an“
Die Tabakindustrie lehnt die Tabaksteuer in ihrer geplanten Form derweil wenig überraschend ab. Der niederbayerische Tabakhersteller Pöschl hat einen Brief an Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) geschrieben. Die Argumentation des Unternehmens: Raucher würden bei stark steigenden Preisen verstärkt ins benachbarte Ausland – etwa Tschechien oder Österreich – ausweichen, um dort günstiger Tabak zu kaufen. Doch „wer zum Tabakwareneinkauf über die Grenze ins benachbarte Ausland fährt, belässt es ja nicht nur beim Tabak“, heißt es in dem Brief, der unserer Redaktion vorliegt. Menschen würden tanken, zum Friseur gehen oder andere Dienstleistungen vor Ort nutzen.
Dieses Geld fehle „dann der Wirtschaft, den Kommunen vor Ort und natürlich auch dem Bund“, steht in dem Schreiben, auf das Klingbeil laut Pöschl-Geschäftsführer Patrick Engels nicht reagiert hat. Zudem sei die Tabaksteuer eine Bundessteuer. „Die Tabaksteuer ist eine Bundessteuer. Jeder Euro davon geht nach Berlin, bis auf den letzten Cent. Auf kommunaler Ebene kommt davon nichts an“, sagt Engels, der im Gespräch mit unserer Redaktion betont: „Wir haben nichts gegen die Tabaksteuer als solche, sie ist fiskalpolitisch systemrelevant. Aber so wie sie ist, geht sie zu weit.“ (Quellen: Finanzausschuss Deutscher Bundestag, Gesetzesentwurf zur Änderung des Tabaksteuergesetzes, Bundesfinanzministerium, Heino Stöver, Pöschl Tabak, eigene Recherchen)