CDU-Mann Mohr will aus der Verteidigung an die Spitze
Adrian Mohr kandidiert am 13. September für das Bürgermeisteramt in Dörverden. Im März wurde der frühere Landtagsabgeordnete wegen eines sexualisierenden KI-Videos in seiner WhatsApp-Gruppe freigestellt.
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Stand: 01.09.2026, 19:00 Uhr
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Adrian Mohr kandidiert am 13. September für das Bürgermeisteramt in Dörverden. Im März wurde der frühere Landtagsabgeordnete wegen eines sexualisierenden KI-Videos in seiner WhatsApp-Gruppe freigestellt.
Dörverden – Nur noch wenige Minuten bis zum Anpfiff der Partie des TSV Dörverden gegen die zweite Mannschaft des FC Verden 04. Der Rasensprenger erwischt Adrian Mohr mitten im Gespräch mit dieser Zeitung. Eine kalte Dusche bei sommerlichen 28 Grad Celsius.
Der 52-Jährige tritt einen Meter zur Seite und spricht ruhig weiter. Es jucke noch in seinen Füßen, wenn er am Spielfeld stehe, erklärt der frühere Verteidiger. Wenngleich es für die große Karriere als Kicker nicht gereicht habe: „Ich habe technische Schwächen durch konditionelle Mängel ausgeglichen“, scherzt Mohr. Sein letzter Einsatz auf dem Feld endete 2017 für den „FC Landtag“ mit einem Wadenbeinbruch und einem Riss des Syndesmosebandes – mitten im Landtagswahlkampf.
Ein Zurück auf den Platz kann er sich seitdem nicht vorstellen. Einerseits ist die Sorge vor einer weiteren schweren Verletzung zu groß, andererseits hat Mohr andere Karrierepläne: Er tritt am 13. September als Bürgermeisterkandidat der CDU in Dörverden gegen Astrid Weizenkorn-Peters (SPD) an.
Der Wahlkampf in Dörverden ist für den Christdemokraten ein Heimspiel. Mohr lebt mit seiner Familie in Stedorf und genießt den Kontakt zu den Bürgern. Ein Handschlag hier, ein kurzes Gespräch dort. Der Sportplatz ist sein zweites Zuhause, seine Dauerkarte trägt die Nummer eins. Mohrs Ehefrau Karin ist zweite Vorsitzende des Vereins.
Von 2013 bis 2017 saß er im Niedersächsischen Landtag in Hannover, anschließend arbeitete er für die CDU-Landtagsfraktion, zuletzt als deren Geschäftsführer. Im Zuge der Deepfake-Affäre wurde er Ende März 2026 vorläufig von seinen Aufgaben freigestellt. Seinen Lebensmittelpunkt zu verlegen, sei nie infrage gekommen. „Ich bin ein Familienmensch. Das Pendeln mit dem Zug hat mich nicht gestört.“
Mohr erwartet als möglicher neuer Bürgermeister nach eigener Aussage „die härteste Zeit meines Lebens – sowohl zeitlich als auch inhaltlich“. Seit 1996 sitzt er im Gemeinderat, seit 2001 führt er die CDU-Fraktion. Er kennt die Lage der Gemeinde und warnt deshalb vor zu hohen Erwartungen: „Ich bewerbe mich als Bürgermeister und nicht als Messias.“
Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses für Dörverden und Stedorf, der Gewerbe- und Industriepark Barme sowie die Ganztagsgrundschulen seien zentrale Herausforderungen. Scheitere die Gemeinde auch in den kommenden fünf Jahren daran, bei diesen großen Themen entscheidend voranzukommen, müsse selbst eine Gemeindefusion diskutiert werden.
Das Rathaus will Mohr anders führen als Amtsinhaber Alexander von Seggern, den er ausdrücklich als starken Verwaltungskenner lobt. „Aber er hat sich auch sehr aufgerieben“, gesteht Mohr. Deshalb müssten die vier Fachbereichsleitungen unter ihm als Bürgermeister mehr Verantwortung übernehmen.
Dass ein Bürgermeister öffentlich für nahezu alles verantwortlich gemacht werde, sei ihm bewusst. „Wer keinen Gegenwind abkann, darf sich um ein solches Amt nicht bewerben.“
Gegenwind erlebte Mohr im Frühjahr, als er wegen seines Umgangs mit einem KI-generierten, sexualisierenden Video, das eine Mitarbeiterin der CDU-Landtagsfraktion zeigte, in die Kritik geriet. Mohr war Mitglied der WhatsApp-Gruppe, in der das Video geteilt wurde, hatte es aber weder erstellt noch selbst dort eingestellt. Später räumte er ein, die Betroffene nicht umgehend informiert und ihre Perspektive zu wenig berücksichtigt zu haben.
Fast zwei Monate lang habe die Affäre täglich sein Leben bestimmt. Seine Frau sei in dieser Zeit seine wichtigste Ratgeberin gewesen. Freunde hätten angerufen oder unangekündigt vor seiner Tür gestanden. „Da merkt man, auf wen man sich verlassen kann.“
Ein Rückzug von der Kandidatur wäre der einfachste Schritt gewesen, betont Mohr. Er habe sich aber dagegen entschieden, weil viele Menschen ihn zum Weitermachen ermutigt hätten. Die wichtigste Lehre für ihn sei, künftig stärker aus der Sicht Betroffener zu handeln.
Obwohl Mohr die Favoritenrolle im Bürgermeisterwahlkampf annimmt, wähnt er sich nicht in Sicherheit: „Auch beim Fußball muss man schließlich das Spiel erst einmal gewinnen.“
Sollte er in das Bürgermeisterbüro einziehen dürfen, werde ein Familienfoto einen festen Platz auf dem Schreibtisch bekommen. Wenn er einmal die Hände über dem Kopf zusammenschlage, sei es gut, „auf etwas zu schauen, was einem am Herzen liegt“.
Abpfiff. Der TSV Dörverden verliert sein Heimspiel mit 0:4. Mohr attestiert seinem Team dennoch eine solide Leistung. „So langsam ist Dörverden in der neuen Spielklasse angekommen.“ Ein ähnliches Urteil erhofft er sich auch für den Fall, dass er künftig als Bürgermeister im Rathaus sitzt.