Chevy-Van rast durch Ordnungsamt-Kontrolle: Beamter springt zur Seite
StartseiteHessenStand: 29.09.2026, 21:00 UhrKommentareUns auf Google folgenTeure drei Kilometer: Die Abkürzung über den gesperrten Waldweg kostet diesen Autofahrer 50 Euro. Er habe geahnt, dass es eine Kontroll...
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Stand: 29.09.2026, 21:00 Uhr
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Das Ordnungsamt Nidda kontrollierte einen gesperrten Waldweg – und stoppte 19 Autofahrer. Einer gab einfach Gas, statt anzuhalten.
Nidda – Baustellen und Umleitungen nerven Autofahrer seit Monaten. Drastisch gestiegene Preise für Benzin und Diesel verschärfen die Situation zusätzlich. Da sind Abkürzungen verlockend, mit denen man ein paar Kilometer und Zehntelliter Sprit sparen kann. Verbotsschilder werden ignoriert.
Zum inzwischen vierten Mal kontrolliert das Ordnungsamt am Donnerstagmorgen einen beliebten Schleichweg zwischen Ulfa und Unter-Schmitten, um von der Benutzung abzuschrecken.

Mancher hat noch nicht mal seinen ersten Kaffee getrunken, da stehen Fabian Lauer, Fachgebietsleiter im Ordnungsamt, und seine Mitarbeiter Andreas Beinenz und Thomas Gutermuth bereits an der Haubenmühle und beobachten den gesperrten Waldweg. Sie sind um kurz nach 6 Uhr kaum aus dem Auto gestiegen, als sich schon der erste Pendler nähert. „Ich bin ehrlich, ich hätte nicht gedacht, dass Sie schon so früh hier stehen“, zitiert Beinenz den erstaunten Fahrer.
Dass Kontrollen notwendig sind, zeigte sich insbesondere am 3. September. 17 Verwarnungen innerhalb von knapp zwei Stunden beweisen, wie stark die illegale Abkürzung genutzt wird.
Van durchbricht die Kontrolle
Es gibt Bürger, die ein Sonder- oder Gewohnheitsrecht einfordern. „Bei unseren früheren Altbürgermeistern Eckhardt und Jung hatte man noch Anstand und hat in gleicher Situation die Feldwege Ulfa/Ober-Schmitten und Haubenmühle für die Bewohner von Ulfa und Stornfels wegen der Bauarbeiten freigegeben“, beklagt sich Wolfgang Klee in einem Schreiben an diese Zeitung.
Weil der jetzige Bürgermeister Thorsten Eberhard (CDU) das anders sehe, müssten die Bürger lange Umwege fahren. Dieser freue sich „über jede Einnahme, wohl um die marode Stadtkasse zu füllen“, unterstellt Klee. „50 Euro retten eine abgewirtschaftete Stadtkasse allerdings auch nicht.“
Damit spielt Klee auf das Verwarnungsgeld für das Missachten des Durchfahrtsverbots an. Am Nachmittag des 10. September kamen bei vier Verstößen in eineinhalb Stunden immerhin 200 Euro zusammen. Bei zwei Ordnungsamtsmitarbeitern kein überzeugendes Geschäftsmodell.

Uwe Bonarius, Fachbereichsleiter Zentrale Dienste bei der Stadt, betont gegenüber dieser Zeitung, dass es bei den Kontrollen nicht darum gehe, Verwarnungsgelder zu kassieren. „Dieser Weg ist für Begegnungsverkehr nicht geeignet“, erläutert er. Schon wegen der Verkehrssicherheit sei es nicht möglich, die Sperrung aufzuheben. Auch beide Augen zuzudrücken, sei keine Alternative. „Wenn wir sagen, wir ahnden es nicht, dann stehen Jäger, Landwirte und Anlieger auf der Matte.“ Bonarius weist auch auf die Gefahren für Reiter hin. Schließlich gebe es in der Hauben- und der Weißmühle große Pferdehaltungen.
Wie stark der gesperrte Weg für Freizeit, Sport und auch von schwächeren Verkehrsteilnehmern genutzt wird, zeigt sich während der Kontrolle. Innerhalb von drei Stunden kommen mehrere Joggerinnen, Radfahrer und Elektroroller-Fahrer vorbei. Manche bedanken sich ausdrücklich für die Kontrolle.
Zeitweise ist der Verkehr auf dem Waldweg so dicht, dass mehrere Fahrzeuge gleichzeitig kontrolliert werden. Sieben erkennen die Kontrolle und drehen rechtzeitig um, bevor sie gestoppt werden. Die meisten der insgesamt 19 ertappten Autofahrer reagieren immerhin gelassen. „Ich fahre drei Kilometer, ich muss zur Arbeit“, ärgert sich der Fahrer eines Peugeot 206 mehr über sich selbst. Er habe geahnt, dass es eine Kontrolle geben könne. Sonst fahre er über Eichelsdorf. „Das sind dann teure drei Kilometer“, entgegnet Gutermuth trocken.
Wenig später erlebt er, dass nicht alle die Kontrolle so gelassen nehmen. Aus Richtung Ulfa hört man das Grollen eines amerikanischen V8-Motors. Kurz darauf wird ein Chevy-Van sichtbar. Als Beinenz und Gutermuth versuchen, ihn zu stoppen, gibt der Fahrer Gas. Gutermuth rettet sich mit einem Sprung zur Seite. Bonarius kündigt an, den Fahrer des Vans anzuzeigen, weil er die Kontrolle durchbrochen habe.
„Ihr habt ja echt einen Sch...-Job“, sagt Petra Kröll und hat Mitgefühl mit den Mitarbeitern des Ordnungsamts. Sie ist eine der wenigen, die nichts zahlen müssen. Sie sei auf dem Weg zur Haubenmühle, erklärt sie und zeigt als Beweis vier neue Hufeisen. Aber die Umleitungen nerven auch sie. „Ich bin nur am Zickzackfahren“, schimpft sie. „Es reicht allen.“