Countdown: Sonntag soll das Nasa-Vorzeigeteleskop Roman abheben
Mit Livestream Countdown: Sonntag soll das Nasa-Vorzeigeteleskop Roman abheben Geht alles gut, wird das "Nancy Grace Roman"-Weltraumteleskop Dunkle Materie, Sternenexplosionen und ferne Planeten erfors...
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Countdown: Sonntag soll das Nasa-Vorzeigeteleskop Roman abheben
Geht alles gut, wird das "Nancy Grace Roman"-Weltraumteleskop Dunkle Materie, Sternenexplosionen und ferne Planeten erforschen. Der Start ist ab 13.26 Uhr geplant
Julia Sica
Früher als gedacht ist es soweit: Das neue Weltraumteleskop der Nasa, das sich neben den Topsonden Hubble und Webb einreiht, startet laut Plan am Sonntagmittag vom Kennedy Space Center in Florida. Das "Nancy Grace Roman Space Telescope", abgekürzt NGRST, hätte bis Mai 2027 fertig werden und starten sollen. Das Team war jedoch so gut im Zeitplan, dass man erst auf Ende 2026 korrigierte, dann auf Herbst – und nun öffnet sich das Startfenster schon am 30. August.
Frühestens um 13.26 Uhr wird die Falcon-Heavy-Rakete von Space X abheben, der Livestream der Nasa soll gegen 12.20 Uhr beginnen.
Zu den Aufgaben des Weltraumteleskops zählen riesige Himmelsscans, die große Fragen um Dunkle Materie und Dunkle Energie beantworten sollen. Mit der riesigen Kartierung, die die Daten des europäischen Weltraumteleskops Euclid (Esa) ergänzt, haben Astronominnen und Astronomen nicht nur eine größere Chance, Sternenexplosionen (Supernovae) zu beobachten. Sie erfassen auch die Verteilung von Galaxien und rücken damit der rätselhaften beschleunigten Expansion des Universums näher.
Ferner ist ein hochmoderner Koronograf an Bord, mit dem sich Exoplaneten aufspüren und abbilden lassen. Das funktioniert durch diverse Filter zur Verdunkelung von Sternenlicht, mit der die Planeten um diese Sterne besser erkennbar werden, aber auch durch deformierbare Spiegel, die unter anderem die Wiener Astronomin Iva Laginja optimierte. Ebenfalls wurde hier unter anderem Technologie des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg verbaut. Der Koronograf gilt als Techniktest für das nächste große Teleskop ab 2040, das Habitable Worlds Observatory, das sich ganz der Suche nach Exoplaneten und etwaigen Lebensformen widmet.
Ein Monat statt ein Jahrhundert
Die Leistungsfähigkeit von Roman wird im Vergleich mit Hubble greifbar: Zwar deckt Roman den UV-Bereich nicht ab, hat aber mit dem Widefield-Instrument ein hundertmal größeres Sichtfeld mit derselben Bildauflösung. Beobachtungen der Milchstraße, für die Hubble ein Jahrhundert bräuchte, schafft Roman in einem Monat. Das schlägt sich in der Datenmenge nieder: Die Nasa rechnete mit 500 Terabytes pro Jahr, die Roman zur Erde schickt – mehr als Hubble in 36 Jahren Betrieb.
Mit rund vier Milliarden US-Dollar Kosten steigt Roman außerdem wesentlich günstiger aus als Hubble (beim Start 1990 mehr als 7 Milliarden Dollar, inflationsbereinigt) und das lange verzögerte Webb (rund 10 Milliarden Dollar). Man kann nur erleichtert darüber sein, dass es US-Präsident Donald Trump im Vorjahr nicht gelang, Roman aus Sparzwängen einzustampfen.
Spende des Militärs
Roman ist bereits seit rund 15 Jahren in Planung, wurde aber erst 2020 nach Nancy Grace Roman benannt, die 2018 verstarb. Sie war die erste Person, die den Bereich Astronomie bei der US-Weltraumbehörde Nasa leitete. Mit nur 33 Jahren trat sie diese Stelle an und schuf die Voraussetzungen, um überhaupt Teleskope ins All zu bringen, wo sie ungestört von irdischen Einflüssen Daten aus dem Weltraum sammeln und die Astronomie revolutionierten.
Am Anfang des Projekts stand die Notwendigkeit eines neuen Infrarotteleskops – und dann eine Spende vonseiten des Militärs. Das National Reconnaissance Office, das Spionagesatelliten baut, musterte vor 14 Jahren zwei unbenutzte Spiegel mit optischem Apparat aus. Diese haben einen Durchmesser von 2,4 Metern, wie der Primärspiegel des Hubble-Weltraumteleskops. Einer davon wurde für im damals WFIRST genannten Infrarotteleskop verbaut.
Dieses Geschenk ermöglichte das Upgrade des Teleskops von einer mittelgroßen Rolle in die Topriege – neben dem Vorreiter Hubble, der seit 36 Jahren im Einsatz ist und bald am Ende seiner Arbeitszeit ankommt, und dem Riesenprojekt Webb, das zu Weihnachten 2021 abhob und spektakuläre Bilder und Daten vom Lagrangepunkt L2 lieferte. Dieser Punkt ist 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt und auch das Ziel von Roman. An diesem Gleichgewichtspunkt – genauer gesagt, auf einer Umlaufbahn um L2 – sind die Sonden stabil, ohne dass sie viel Energie zum Verbleib auf ihrer Position verbrauchen. Sie bekommen wenig Hitze von der Sonne ab, aber genügend Licht, um die Solarpaneele zu betreiben.
Tage des Terrors
Laut Plan soll Roman wie Webb mindestens fünf Jahre lang im Einsatz sein. Wie die Geschichte des Weltraumteleskops Hubble zeigt, kann die Arbeitsdauer weit über die einstigen Ziele hinausschießen. Hubble sollte ursprünglich mindestens 15 Jahre aushalten, dabei waren astronautische Wartungen eingerechnet, von denen es fünf (per Space Shuttle) gab. Im Gegensatz zu Hubble, das rund 500 Kilometer über der Erde fliegt und bei sehr genauer Betrachtung mit bloßem Auge erkennbar sein kann, sind Webb und Roman am Lagrangepunkt 2 jedoch 1,5 Millionen Kilometer entfernt, wo keine astronautischen Reparaturen möglich sind. Robotische Reparaturen sind für Roman nicht geplant, sollen aber theoretisch möglich sein.
Zunächst fiebern die Nasa, die wissenschaftliche Community und Fans weltweit aber dem Start entgegen – und der etwa einen Monat dauernden Reise zum Zielpunkt. Es muss zwar kein komplexer Primärspiegel aufgefaltet werden wie bei Webb, was der damalige Esa-Wissenschaftsdirektor Günther Hasinger als "29 Tage des Terrors" bezeichnete. Aber dennoch muss beim rüttelintensiven Raketenstart, beim Lösen aus der eng verpackten Kapsel, der Ausrichtung der Solarpaneele und so weiter alles wie am Schnürchen klappen. Geht alles gut, kann man Ende des Jahres mit den ersten Bildern rechnen. Es bleibt nur noch, "Godspeed Roman!" zu wünschen. (Julia Sica, 30.8.2026)
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