Cyber-Krisenmanager Walter Wirl im Interview
StartseiteLokalesMünchen LandkreisPullachStand: 01.08.2026, 06:30 UhrKommentareUns auf Google folgenPullach Cyber-Experte: Walter Wirl warnt: © PrivatBei Angriffen aus dem Netz ist Walter Wirl aus Pullach gefra...
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Stand: 01.08.2026, 06:30 Uhr
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Bei Angriffen aus dem Netz ist Walter Wirl aus Pullach gefragt, Experte für Cyber-Sicherheit.
Landkreis/Pullach – Der neue Pullacher CSU-Gemeinderat Walter Wirl hat einen spannenden Job. Er ist Cyber-Krisenmanager bei der Firma Cancom, er ist überall dort im Einsatz, wo Email-Accounts gehackt worden sind, wo Firewalls zum Einsturz gebracht wurden. Zuletzt war er für eine Klinik tätig mit rund 100 Krankenhäusern – aber er hat auch die Software des Grünwalder Kleinverlags Isardruck wieder zum Laufen gebracht nach einem Cyber-Angriff.
Was ist eigentlich beim Isardruck genau passiert?
Sehr wahrscheinlich sind Mitarbeitende auf eine dieser täuschend echten E-Mails hereingefallen, die sie aufforderte, sich irgendwo anzumelden – zum Beispiel bei einem vermeintlichen Microsoft-Dienst. Dabei gaben sie ihre Zugangsdaten preis, ohne zu merken, dass die Seite gefälscht war.
Damit konnte der Account missbraucht werden für viele weitere Phishing-Mails, eine davon ging an den Kreisjugendring in Pullach – auch da war dann Krisenalarm.
Genau. Solche Betrugs-Mails sind heute oft kaum noch von echten Nachrichten zu unterscheiden. Die Angreifer kopieren das Design bekannter Anbieter wie Microsoft sehr genau – von Logos bis hin zu den Login-Seiten. Häufig öffnet sich dann ein Fenster, das genauso aussieht wie der gewohnte Anmeldebildschirm. Für viele Nutzer wirkt das absolut vertrauenswürdig, vor allem im stressigen Arbeitsalltag.
Was macht man, um den Schaden zu begrenzen, in einem solchen Fall als Allererstes?
Zunächst müssen alle betroffenen Passwörter geändert werden. Gleichzeitig sind die bestehenden Sitzungen zu beenden, damit die Angreifer keinen Zugriff mehr haben. Häufig aktiviert man auch noch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Was glauben Sie, wer hinter solchen Lockmails steckt, die vermutlich jeder schon mal bekommen hat?
In den meisten Fällen stecken organisierte Gruppen von Cyberkriminellen dahinter. Die verschicken millionenfach E-Mails und hoffen, dass einige Empfänger darauf hereinfallen. Teilweise werden die Nachrichten automatisiert erstellt und verbessert. In bestimmten Fällen können auch staatlich unterstützte Gruppen dahinterstehen.
Am Isardruck dürften etwa die Russen allerdings weniger interessiert gewesen sein.
Auch kleinere Unternehmen können ein Ziel sein. Oft geht es nicht direkt um die Firma selbst, sondern um deren Kontakte. Über vertrauenswürdige E-Mail-Kommunikation können Angreifer weitere Opfer erreichen.
Normalerweise werden Sie für größere Firmen tätig. Kann man sich heute überhaupt nachhaltig gegen Cyberangriffe schützen?
Ja, viele Angriffe lassen sich verhindern. Oft werden grundlegende Sicherheitsmaßnahmen unterlassen, wie regelmäßige Updates oder funktionierende Backups, auch Passwörter sind oft nicht sicher. Was Schulungen der Mitarbeitenden angeht: Da ließe sich auch einiges verbessern.
Warum wird das nicht gemacht?
Viele Unternehmen unterschätzen das Risiko oder arbeiten mit veralteter IT. Sicherheit wird häufig erst ernst genommen, wenn bereits ein Angriff stattgefunden hat.
Ich nehme an, Sie raten dringend davon ab, Lösegeld, das gefordert wird, zu zahlen.
Ja, davon rate ich klar ab. Es gibt keine Garantie auf Erfolg, und man unterstützt damit die Täter.
Privat reicht es vermutlich auch nicht, wenn man keine ZIP-Dateien öffnet?
Das hilft, reicht aber nicht. Wichtig sind regelmäßige Updates und ein vorsichtiger Umgang mit E-Mails und Links.