Wende in der Nacht: FIFA-Präsident Infantino scheitert mit Investorenplänen zur WM – droht jetzt sein Aus?

Gianni Infantino wollte Milliarden mit dem Verkauf von WM-Anteilen einstreichen. Doch der Plan ist krachend gescheitert. Nun steht der FIFA-Präsident vor den Trümmern seiner Amtszeit.

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Wende in der Nacht: FIFA-Präsident Infantino scheitert mit Investorenplänen zur WM – droht jetzt sein Aus?

Wende um WM-Investorenpläne von FIFA-Präsident Infantino – das steckt dahinter

Stand: 01.08.2026, 08:15 Uhr

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Gianni Infantino wollte Milliarden mit dem Verkauf von WM-Anteilen einstreichen. Doch der Plan ist krachend gescheitert. Nun steht der FIFA-Präsident vor den Trümmern seiner Amtszeit.

Zürich – Es war eine Kehrtwende in der Nacht, die in ihrer Abruptheit alles sagt über die Lage, in der sich Gianni Infantino befindet. Der FIFA-Präsident gab in einer Stellungnahme bekannt, dass der Weltverband seine umstrittenen Investorenpläne nicht weiterverfolgen werde. Was wie eine besonnene Einsicht klingt, ist in Wahrheit eine Kapitulation – erzwungen durch eine breite Allianz, die der 56-Jährige offenbar unterschätzt hatte.

FIFA-Präsident Gianni Infantino steht nach seinen gescheiterten Investoren-Plänen zum WM-Verkauf unter Druck.

FIFA-Präsident Gianni Infantino steht nach seinen gescheiterten Investoren-Plänen zum WM-Verkauf unter Druck. © Martin Rickett/dpa

„Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen“, erklärte Infantino. Für den mächtigsten Mann im Weltfußball könnte es der Beginn vom Ende seiner Ära sein.

FIFA-Präsident Infantino zieht Investorenpläne für WM-Verkauf zurück

Der Plan, den Infantino noch wenige Tage zuvor als Chance für den Weltfußball verkauft hatte, war so ehrgeizig wie riskant: Über eine neu zu gründende Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) sollten bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar von privaten Investoren eingeworben werden – darunter offenbar Gelder aus dem Umfeld von Joshua Kushner.

Im Gegenzug hätten externe Anteilseigner Mitsprache an kommerziellen Rechten erhalten, die auch künftige Weltmeisterschaften umfassen. Den Mitgliedsverbänden winkte eine Sonderzahlung von je 20 Millionen Dollar, wenn sie bis zum 19. September zustimmten. Infantino setzte auf finanzielle Anreize – doch der Druck von außen und innen wurde schlicht zu groß.

Die UEFA reagierte mit der schärfsten Waffe, die ihr zur Verfügung steht. Auf einer Dringlichkeitssitzung stimmten alle 55 europäischen Nationalverbände einstimmig für einen Boykott sämtlicher FIFA-Wettbewerbe, sollte Infantino an seinem Vorhaben festhalten. „Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen“, hieß es in dem Statement.

Die Botschaft war unmissverständlich: „Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet.“ Auch Concacaf und der asiatische Verband AFC schlossen sich dem Widerstand an – damit fehlte Infantino rein rechnerisch jede Mehrheit für sein Projekt. Lediglich der afrikanische Verband CAF zeigte sich gesprächsbereit, der südamerikanische Conmebol hielt sich bedeckt.

Besonders brisant: Der Widerstand fraß sich bis in Infantinos engsten Kreis. Carlos Cordeiro, ehemaliger Goldman-Sachs-Banker und bis zuletzt hochrangiger Berater des FIFA-Chefs, trat aus Protest zurück. „Als leitender Berater des FIFA-Präsidenten, früherer Banker und lebenslanger Fußball-Fan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht“, schrieb er auf LinkedIn.

FIFA-Präsident Infantino unter Druck – Herausforderer bringt sich in Stellung

Cordeiro stellte klar, an dem Vorhaben „in keiner Weise beteiligt“ gewesen zu sein – ein vernichtendes Zeugnis für Infantinos Führungsstil. FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour legte nach und warf dem Präsidenten vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Sie hätten „Besseres verdient als Missachtung und Einschüchterung“. Lamour ließ durchblicken, seinen Job dafür in Kauf zu nehmen: „Zumindest werde ich ruhig schlafen.“

Damit nicht genug: Auch auf politischer Ebene gerät Infantino in die Bredouille. Der britische Premierminister Andy Burnham sprach sich offen für eine Ablösung aus und nannte den Schweizer „den falschen Mann“ an der Spitze des Weltverbandes. UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister sagte, die weltweite Einigkeit solle für Infantino „ein Weckruf sein“.

PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi wurde als möglicher Gegenkandidat für die FIFA-Präsidentschaftswahl im März 2027 in Stellung gehandelt – Bewerbungsschluss ist der 18. November. Er selbst stellte jedoch klar, nicht zur Verfügung zu stehen. Allerdings bekommt Infantino bei der FIFA-Wahl plötzlich einen prominenten Herausforderer. Infantinos Autorität ist ohnehin angeschlagen: Während der WM in den USA, Kanada und Mexiko hatte er schwere Kritik auf sich gezogen, nachdem eine Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun auf Anruf von Donald Trump zurückgezogen worden war.

Ein Vorgang, der die formale Unabhängigkeit der FIFA-Disziplinarkommission in einem zweifelhaften Licht erscheinen ließ. Ob Infantino die Kehrtwende bei den Investorenplänen als Neustart nutzen kann, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen. Sein Versprechen, alle Parteien „im Geiste des gemeinsamen Interesses“ wieder zusammenzubringen, klingt nach dem Desaster dieser Tage wie eine Aufgabe, die kaum größer sein könnte. (ck)