„Dann wäre er ein politischer Volltrottel“: Gauck positioniert sich in Merz-Debatte klar
StartseitePolitikStand: 02.10.2026, 21:30 UhrKommentareUns auf Google folgenJoachim Gauck sieht in einem möglichen Merz-Rücktritt eine Gefahr für das ohnehin erschütterte Vertrauen in die deutsche Politik – und...
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Stand: 02.10.2026, 21:30 Uhr
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Joachim Gauck sieht in einem möglichen Merz-Rücktritt eine Gefahr für das ohnehin erschütterte Vertrauen in die deutsche Politik – und nennt Gründe.
Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz und seine CDU stecken tief in der Krise – und die Debatte über Merz‘ Zukunft im Amt nimmt an Fahrt auf. Mitten in dieser aufgeheizten Stimmung betrat Altbundespräsident Joachim Gauck am Donnerstagabend, dem 1. Oktober 2026, die Bühne des Berliner Admiralspalastes. Eingeladen hatte ihn der Spiegel zum sogenannten Spitzengespräch. Was folgte, war eine ungewöhnlich direkte Einschätzung – in beide Richtungen.

Gauck stellte klar, was er von einem Rücktritt des Kanzlers hält: „Das wäre wirklich total schädlich. Weil da ein Restvertrauen, ganz besonders bei denen, die ihn gewählt haben, schwer leiden würde, noch mehr minimiert würde.“ Und dann, in aller Deutlichkeit: „Na ja, also wenn er das jetzt machen wollte, dann wäre er ja ein politischer Volltrottel. Das wird er nicht tun.“
Gauck: Merz-Versprechen und Medien-Rolle in der Kritik
In Schutz nehmen wollte Gauck Merz aber nicht. Er räumte offen ein, dass er einen „eklatanten Widerspruch“ zwischen früheren Aussagen des Kanzlers und dessen späterem Handeln sehe. Wenn aus mutigen Ansagen zu wenig folge, liege das nicht allein an den Schwierigkeiten innerhalb einer Koalition. Dennoch betonte er: „Der Mann will ja dem Land nicht schaden, sondern will dem Land dienen und nützen.“
Einen Teil der Mitverantwortung für Merz‘ Verunsicherung schob der 86-Jährige auch den Medien zu. „Eure Zunft, ja, die lieben Journalisten, haben den Mann auch natürlich kräftig verunsichert“, sagte er. Merz sei von Journalisten bereits „runtergeschrieben“ worden, bevor er überhaupt richtig regiert habe. Gleichzeitig warnte Gauck davor, die Kritik am Kanzler ins Maßlose zu treiben: Angesichts „so vieler Feinde der liberalen Demokratie“ dürfe man nicht so tun, als sei die demokratische Mitte nicht mehr regierungsfähig. „Dann gehen wir zu weit.“
Gauck skeptisch bei Berliner Koalitionsgesprächen
Neben der Bundespolitik äußerte sich Gauck auch zur Berliner Regierungsbildung. Nach dem Wahlsieg der Linken verhandeln SPD, Grüne und die Linke über ein mögliches gemeinsames Bündnis in der Hauptstadt. Gauck zeigte sich wenig optimistisch. Sein Hauptkritikpunkt: antisemitische Tendenzen in Teilen der Berliner Linken. Kritik an der israelischen Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sei zwar legitim. Doch weltweit hätten sich antiisraelische Netzwerke gebildet, in denen Antisemitismus bei Demonstrationen und Boykottaufrufen billigend in Kauf genommen werde. Das dürfe in Deutschland – und besonders in Berlin – nicht toleriert werden, so Gauck.
Rekordtief für Friedrich Merz
Merz erreichte bei der Beliebtheit zuletzt ein Rekordtief: Im ARD-„Deutschlandtrend“ äußert sich nur jeder zehnte Befragte zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit des Bundeskanzlers. Der WDR berichtet, dass dies der niedrigste Wert für einen Kanzler in der Geschichte des „Deutschlandtrends“ seit 1997 sei. Fast neun von zehn Personen sind hingegen weniger oder gar nicht zufrieden. Anfang September lag die Zustimmung für Merz noch bei 13 Prozent. Auch die Umfrageergebnisse für die Union sind wenig erfreulich: Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würden CDU und CSU lediglich 20 Prozent der Stimmen erhalten. Die AfD würde unverändert bei 27 Prozent liegen.
Verteidigungsminister Boris Pistorius hingegen erfreut sich größerer Beliebtheit. Die Hälfte der Befragten zeigt sich mit seiner Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden, was ihn zum populärsten Politiker der Bundesregierung macht. (Quellen: Spiegel, dpa) (cgsc)