Das Internet ist keine große Konkurrenz: Modehaus Dahlheimer feiert 100. Geburtstag

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Das Internet ist keine große Konkurrenz: Modehaus Dahlheimer feiert 100. Geburtstag

Stand: 29.07.2026, 07:00 Uhr

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Stolze Inhaberinnen: Die beiden Schwestern Margot (links) und Carmen Winkler feiern dieser Tage den 100. Geburtstag des familiengeführten Modehauses „Dahlheimer“ in der Bahnhofstraße.

Stolze Inhaberinnen: Die beiden Schwestern Margot Lotz (links) und Carmen Winkler feiern dieser Tage den 100. Geburtstag des familiengeführten Modehauses „Dahlheimer“ in der Bahnhofstraße. © Michael Prochnow

Carmen Winkler und Margot Lotz führen das Bekleidungsgeschäft seit fast 60 Jahren und gegen einige Trends. Doch wie es nach ihrem beruflichen Ende weitergeht, ist noch unklar.

Mühlheim – Die Eins und die beiden Nullen ragen noch stolz und knallrot aus dem Sortiment. Aber, „die Luft ist raus“, erkennt Carmen Winkler, dass die aufgeblasenen Ziffern in die Knie gehen. Das ist bei ihr und ihrer Schwester Margot Lotz ganz anders: Engagiert und fachkundig beraten sie jede Kundin und jeden Kunden im Modehaus Dahlheimer, das in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert.

Die Geschichte wäre rasch erzählt. Stünden nicht immer wieder Frauen mit ganz eigenen Anliegen in der Tür. Sportliche Kleidung für den Ehemann, der in ein paar Tagen in die Klinik muss, zum Beispiel. Fachverkäuferin Lotz führt die Dame sofort vor ein Regal mit gestapelten Jogginganzügen, und auch in der passenden Größe ist ein Exemplar in ansprechendem Design dabei.

So geht moderner Modehandel: Breites Sortiment, Trends im Blick und treffsichere Tipps

Noch ein paar nette Worte an der Kasse ausgetauscht, dann verlässt die Kundin glücklich und mit guten Wünschen für den Ehegatten den Laden. So halten es die Schwestern seit fast 60 Jahren: ein breites Sortiment, immer die Modetrends im Blick, profunde Erfahrungen mit den Materialien und treffsichere Tipps parat.

Ihre Ausbildung zu Einzelhandelskauffrauen haben sie am selben Ort bei den Eltern absolviert – und zusammen mit den Erkrath-Töchtern in derselben Berufsschulklasse. Der Opa hatte 1926 das Geschäft am Eingang der Bahnhofstraße, gegenüber der Sparkasse, eröffnet. Dort blieb er aber nur ein paar Jahre, dann kauften Anton und Johanna Dahlheimer das kleine Haus an der Ecke Zimmerstraße.

Sohn Georg, ein gelernter Schneider, und dessen Ehefrau Waltraud verliehen der Adresse für Damen- und Herrenbekleidung einen guten Namen. Nach dem Krieg waren in der aufstrebenden Republik maßgeschneiderte Anzüge gefragt, aber auch pfiffige Kopfbedeckungen. Wegen der großen Auswahl gingen die Mühlheimer zum „Kappe‘dahl“.

Feste Größe: Seit 1962 ist das Geschäft der Familie Dahlheimer die Adresse für Mode in Mühlheim.

Feste Größe: Seit 1962 ist das Geschäft der Familie Dahlheimer die Adresse für Mode in Mühlheim. © Michael Prochnow

1963 haben sie das Nachbarhaus erworben und die Ladenfläche auf 143 Quadratmeter erweitert, die Angebotspalette von den Miederwaren bis zur Oberbekleidung ausgedehnt. Heute definieren sie ihre Auswahl als „Mode ab Größe 40 im mittleren Preissegment“. Eine fundierte Beratung auf Basis regelmäßiger Fortbildung ist für die beiden Expertinnen eine Voraussetzung für den Erfolg.

„Natürlich musst du mit der Mode gehen“, stellt Carmen Winkler klar. Auch ihre Generation achte auf Trends und möchte sich der Zeit entsprechend kleiden. Die unifarbenen Sporthosen und die Hemden mit den filigranen Mustern oder im Hawaii-Stil werden fast alle in China, Marokko oder Ländern Osteuropas bedruckt, informiert die Mitinhaberin.

Kunden schätzen große Auswahl

„Es muss tragfähig, funktionell und bequem sein“, lauten die Anforderungen quer durch die Generationen. Auch die Qualität der Ware spiele eine wichtige Rolle. Immer wieder kommen auch junge Leute rein und schauen sich die T-Shirts an. Nur die Modelle mit den Symbolen von Fußballklubs oder Metalbands führten sie nicht.

„Manche Kunden loben uns für unsere Auswahl“, plaudert Margot Winkler über das Erfolgsrezept des Hauses. Dazu bauen sie auf verlässliche und faire Vertreter der Herstellerfirmen. „Da haben wir gute Kontakte aufgebaut.“ Windige Typen mit zweifelhafter Ware lassen sie eiskalt abblitzen. Auch das Internet mit seinen großen Warenhäusern und stetigen Tiefpreisen registrieren sie überraschenderweise nicht als große Konkurrenz. „Wir haben den Vorteil, dass man bei uns jedes Teil anprobieren, sich persönlich beraten und damit eine fundierte Entscheidung treffen kann.“ Die Kunden schätzten das Geschäft für diesen persönlichen Kontakt.

Wettbewerbsvorteil: Geschäft ist in der eigenen Immobilie

Dass die Schwestern den Laden, den sie Anfang der 2000er-Jahre vollständig übernommen haben, bis ins Jubiläumsjahr führen konnten, rührt jedoch auch daher, dass sie keine Miete zahlen müssen. Die Immobilie ist in Familienbesitz. Zeitweise beschäftigten sie dort sogar zwei Angestellte, „auf die wir uns blind verlassen konnten“, loben sie ihre einstigen Mitarbeiterinnen.

Heute brauchen sie keine zusätzlichen Kräfte mehr – außer einer Kollegin für den Papierkram im Büro. Carmen Winkler und Margot Lotz sind jetzt 72 und 74 Jahre alt und haben ihren Ruhestand im Visier. Ob und wie es danach für das Modehaus weitergeht, ist noch unklar. Aber bis dahin erwarten Kunden erst einmal noch ein paar „tolle Angebote“ zum Sommerschlussverkauf, versprechen sie. (von Michael Prochnow)