Geschädigte Böden: Folgen könnten 71 Millionen Menschen die Nahrung kosten

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Geschädigte Böden: Folgen könnten 71 Millionen Menschen die Nahrung kosten

Stand: 29.07.2026, 08:00 Uhr

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Geschädigte Böden vergrößern Ertragslücken und sorgen weltweit jedes Jahr für rund 20 Millionen Tonnen Ernteverlust.

Hamburg – Auf vielen Äckern wächst weniger, als es unter den lokalen Bedingungen möglich wäre. Die Ursache lautet Bodendegradation. Geschädigte Böden haben Folgen für Ernten, Einkommen und die Versorgung mit Lebensmitteln. Weltweit stehen sie rechnerisch mit einem jährlichen Verlust von rund 20 Millionen Tonnen Feldfrüchten in Verbindung.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Wissensmagazin SMART UP NEWS

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Darin stecken etwa 52 Billionen Kilokalorien. Diese Energiemenge würde ausreichen, um ungefähr 71 Millionen Menschen ein Jahr lang mit jeweils 2000 Kilokalorien pro Tag satt zu machen.

Auf einem Feld bei Pasewalk wird Roggen geerntet

Besonders ertragreiche Agrarregionen sind betroffen: Bodendegradation sorgt für Ertragslücken und könnte Hunger sowie beträchtliche Kosten verursachen. © IMAGO / Andy Bünning

Ein internationales Forschungsteam, zu dem auch Wissenschaftler des Instituts für Geo-Hydroinformatik (GHI) an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) gehören, hat dafür Anbauflächen auf der ganzen Welt in einem Raster von zehn mal zehn Kilometern ausgewertet. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Nature Food.

Berücksichtigt wurden Weizen, Mais, Reis, Gerste, Sorghum, Maniok, Sojabohnen, Raps, Ölpalmen und Zuckerrohr. Zusammen liefern diese zehn Kulturen etwa 83 Prozent der weltweit erzeugten Nahrungskalorien. Die verwendeten Ertragsdaten beziehen sich im Wesentlichen auf die Jahre 2008 bis 2012.

Wie entstehen geschädigte Böden?

Die Berechnungen des Forschungsteams berücksichtigen Klima, Gelände, Bodenarten, Bewässerung, Dünger, Pestizide, Arbeitsweise, Maschinen sowie wirtschaftliche und institutionelle Bedingungen. Insgesamt flossen 405.084 Rasterzellen ein.

Dennoch belegt die Analyse zunächst einen statistischen Zusammenhang und keine eindeutige Ursache. Auch wichtige Belastungen wie Versalzung oder ein Ungleichgewicht bei Nährstoffen ließen sich mangels weltweit einheitlicher Daten nicht vollständig erfassen.

Bodendegradation entsteht, wenn Böden dauerhaft oder längere Zeit ihre Fruchtbarkeit, Struktur oder Wasserspeicherfähigkeit verlieren. Häufige Ursachen sind:

  • Erosion: Wind und Starkregen tragen fruchtbare Erde ab.
  • Bodenverdichtung: Schwere Maschinen pressen den Boden zusammen. Wasser und Luft dringen schlechter ein.
  • Intensive Bewirtschaftung: Einseitige Fruchtfolgen und häufiges Pflügen schwächen die Bodenstruktur.
  • Verlust organischer Substanz: Fehlen Pflanzenreste und Humus, sinkt die Fruchtbarkeit.
  • Wassermangel und falsche Bewässerung: Böden trocknen aus oder versalzen.
  • Abholzung und Überweidung: Die schützende Pflanzendecke verschwindet, der Boden liegt offen.
  • Chemische Belastungen: Zu viel Dünger oder Schadstoffe können Bodenleben und Nährstoffhaushalt stören.

Oft wirken mehrere Faktoren zusammen. Geschädigte Böden speichern weniger Wasser, enthalten weniger Nährstoffe und liefern deshalb geringere Erträge.

Wie Bodendegradation Ernten weltweit schrumpfen lässt

Der grundsätzliche Maßstab der wissenschaftlichen Analyse war die sogenannte Ertragslücke. Sie beschreibt den Abstand zwischen der tatsächlich eingebrachten Ernte und dem Ertrag, den Betriebe unter vergleichbaren natürlichen und wirtschaftlichen Bedingungen realistisch erreichen könnten.

Es geht also nicht um theoretische Höchsterträge unter perfekten Laborbedingungen. Ein Feld mit großer Ertragslücke bleibt deutlich unter dem Niveau, das andere Betriebe an ähnlichen Standorten bereits schafften.

Im weltweiten Durchschnitt ging eine um zehn Prozent stärkere Landdegradation mit einer um 1,75 Prozent größeren Ertragslücke einher. Vereinfacht spricht das Forscherteam von rund zwei Prozent Verlust. In einzelnen, besonders empfindlichen Regionen fiel der Zusammenhang zudem deutlich höher aus.

An manchen Orten könnten zehn Prozent mehr Degradation sogar mit einer um bis zu 6,2 Prozent größeren Ertragslücke verbunden sein; extreme Rasterwerte lagen noch darüber. Erfasst wurden fünf Formen der Schädigung des Bodens: Erosion, Bodenverdichtung, der Verlust organischen Kohlenstoffs, sinkende Bodenfeuchte und der Rückgang von Baumbestand.

Hohe absolute Produktionsverluste betreffen vor allem große Agrarländer. Besonders empfindliche Gebiete liegen im Norden und Süden Indiens, im Nordosten Chinas und im Mittleren Westen der USA. Weitere Schwerpunkte fanden sich in Mittel- und Südamerika, darunter im Norden Argentiniens, in Brasilien und in Mexiko. Pakistan, Nigeria, Russland und Thailand gehören ebenso zu den vulnerablen Gebieten.

Intensiv bewirtschaftete Agrarregionen sind besonders empfindlich

Besonders anfällig für die Folgen der Bodendegradation sind hochproduktive Agrarsysteme. Dort haben Dünger, Bewässerung, Maschinen und optimierte Anbaumethoden viele ertragsbegrenzende Ursachen bereits eingedämmt. Dadurch fallen auch kleine Verschlechterungen des Bodens bereits stärker ins Gewicht.

Über Jahre auf Spitzenerträge getrimmte Flächen besitzen weniger Spielraum oder Regenerationsfähigkeit, wenn Wasser schlechter gespeichert wird, schwere Maschinen den Untergrund verdichten oder fruchtbare Erde abgetragen wird.

Weltkarte zeigt Länder mit besonders hoher Anfälligkeit für Ernteverluste durch Bodendegradation

Länder mit besonders hoher Anfälligkeit für Ernteverluste durch Bodendegradation. © Karte: GHI

In Teilen Afrikas fallen die mit Bodendegradation verbundenen Ertragsverluste dagegen vergleichsweise geringer aus, obwohl die Ertragslücken dort oft groß sind. Häufig bremsen dort andere Faktoren die Produktion: fehlende Bewässerung, begrenzter Zugang zu Dünger, Maschinen, Wissen, Krediten oder Märkten.

Eine Verbesserung der Bodenqualität allein könnte all diese Nachteile gar nicht vollständig ausgleichen. Relativ zur eigenen Erzeugung traf der berechnete Effekt vor allem kleinere und wirtschaftlich verletzliche Staaten. Lesotho und Botswana wiesen dabei die höchsten prozentualen Ernteverluste auf.

Die wirtschaftlichen Folgen geschädigter Böden

Mit den errechneten Ernteausfällen gehen jährlich rund vier Milliarden US-Dollar an landwirtschaftlichen Einnahmen verloren. Die Summe wirkt gemessen am globalen Agrarmarkt überschaubar. Doch können für einzelne Länder und Betriebe schon kleine Ausfälle spürbare Auswirkungen haben.

Schwächere Ernten erhöhen den Kostendruck, mindern die Einnahmen der Höfe und können zusätzliche Anbauflächen nötig machen. Das verschärft wiederum den Druck, bislang ungenutzte Gebiete wie Wälder in neue Anbauflächen umzuwandeln. Zugleich beeinflussen die Ernteerträge großer Exportstaaten das Angebot und die Preise auf internationalen Märkten.

„Gesunde Böden sind die Grundlage widerstandsfähiger Ernährungssysteme“, sagt Mitautor Nima Shokri von der Technischen Universität Hamburg. Mögliche Schutzmaßnahmen reichen von vielfältigen Fruchtfolgen und dauerhafter Bodenbedeckung bis zu weniger intensiver Bearbeitung und einem vorsichtigen Einsatz schwerer Maschinen.

Ein langfristiges Bodenmonitoring könnte außerdem gefährdete Regionen früher erkennen und Investitionen dorthin lenken, wo zusätzliche Schäden besonders hohe Ernteverluste erwarten lassen.

Kurz zusammengefasst:

  • Bodendegradation entsteht unter anderem durch Erosion, Verdichtung, Humusverlust, Wassermangel und den Rückgang schützender Vegetation.
  • Zehn Prozent mehr Bodendegradation gehen weltweit im Durchschnitt mit einer rund 1,75 Prozent größeren Ertragslücke einher; besonders empfindlich reagieren intensiv bewirtschaftete Agrarregionen.
  • Geschädigte Böden stehen jährlich mit etwa 20 Millionen Tonnen Ernteverlust, 52 Billionen fehlenden Kilokalorien und rund vier Milliarden US-Dollar weniger Einnahmen in Verbindung.