Der Privatjet für arme Reiche: Einmal Zürich-Nizza mit der neuen Schweizer Airline Peak Jet

Schweizer Airline-Veteranen bauen eine Plattform auf, die das Reisen im Privatjet erschwinglich machen soll. Ein Testflug zeigt: Aussergewöhnlich ist nicht die Zeit an Bord – sondern die davor und danach.

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Der Privatjet für arme Reiche: Einmal Zürich-Nizza mit der neuen Schweizer Airline Peak Jet

Das Privatflugzeug für arme Reiche: Peak Jet will der Swiss frustrierte Business-Class-Passagiere abjagen

Schweizer Airline-Veteranen bauen eine Plattform auf, die das Reisen im Privatjet erschwinglich machen soll. Ein Testflug zeigt: Aussergewöhnlich ist nicht die Zeit an Bord – sondern die davor und danach.

23.08.2026, 05.30 Uhr

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«Die Reise soll wieder Teil der Ferien sein»: Gianni Tronza, Peter Baumgartner und Beat Imwinkelried von Peak Jet.

«Die Reise soll wieder Teil der Ferien sein»: Gianni Tronza, Peter Baumgartner und Beat Imwinkelried von Peak Jet.

Karin Hofer / NZZ

In der verschlossenen Welt der privaten Fliegerei gibt es eine Anstandsregel: Der Sitz vorne rechts mit Blick auf das Cockpit ist für den Besitzer des Jets reserviert. Man nennt ihn den «Owner’s Chair». Wer dort Platz nimmt, ist der Chef.

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Was für Normalsterbliche unerreichbar klingt, lässt sich jetzt per Knopfdruck buchen. Peak Jet, ein Produkt des Schweizer Startups Peak Plus, macht das Boss-Feeling möglich.

Peak Jet ist seit drei Wochen in der Luft. Gegründet wurde sie vom ehemaligen Chef der Golf-Airline Etihad, Peter Baumgartner, sowie seinem damaligen Topkader Gianni Tronza. Massgeblich am Unternehmen beteiligt ist der Luxuskarossen-Unternehmer Beat Imwinkelried.

Sie haben die «NZZ am Sonntag» zu einem Testflug von Zürich nach Nizza und zurück eingeladen. Neben der südfranzösischen Feriendestination fliegt Peak Jet auch Palma de Mallorca und Málaga an. Wenn das Konzept funktioniert, sollen viele weitere Städte in Europa dazukommen.

Ein «Flex»: Peak Jet spannt mit dem Privatjetunternehmen Vista Jet GmbH zusammen.

Ein «Flex»: Peak Jet spannt mit dem Privatjetunternehmen Vista Jet GmbH zusammen.

Andreas Haas / Imago

«Wir wollen die Reise wieder zu einem Teil der Ferien machen. Was früher in der Luftfahrt selbstverständlich war, ist heute selbst in Premiumklassen selten geworden: persönlicher Empfang, hochwertige Verpflegung und ein individuelles Erlebnis von der ersten Minute an», sagt Gianni Tronza, der CEO des Unternehmens.

Der Flug nach Nizza ist für 8 Uhr 15 terminiert. Mit einem schwarzen Kleinbus wird man zur 13-plätzigen Maschine chauffiert. Der Pilot erklärt einem höchstpersönlich die Sicherheitsvorkehrungen. Kaum in der Luft, serviert die Flugbegleiterin das Frühstück. Joghurt mit Granola und ein Fleischplättli. Auf das Glas Champagner um diese Uhrzeit verzichten wir.

Das Konzept nennt sich semiprivates Fliegen. Man teilt sich das Flugzeug mit anderen Passagieren und startet zu einer fixen Zeit. In den USA ist diese Art des Reisens längst etabliert, in Europa gibt es erst zwei Anbieter. Neben Peak Jet ist das Travelcoup, der ab Zürich und deutschen Städten Flüge nach Mallorca anbietet. Man erschliesse eine neue Kategorie «zwischen Linienflug und Privatjet», sagt CEO Tronza.

Keine eigenen Flugzeuge

Der Unterschied zwischen Peak Jet und seinem Konkurrenten Travelcoup ist, dass erstere keine eigenen Flugzeuge besitzt. Stattdessen fungiert man als Vermittlungsplattform, ähnlich dem Fahrtenvermittler Uber.

Das Unternehmen macht sich dafür eine Schwachstelle der privaten Fliegerei zunutze: dass die Jets oft ungenutzt herumstehen. Das geht für die Besitzer enorm ins Geld. «Wir können mithelfen, nicht ausgelastete Privatflugzeuge in die Luft zu bringen. Denn das teuerste Flugzeug ist jenes, welches am Boden steht», sagt Peter Baumgartner, der Präsident von Peak Plus.

Für die Lancierung seines Angebots spannt Peak Jet deshalb mit dem Privatjetunternehmen Vista Jet GmbH zusammen, das vom Schweizer Geschäftsmann Thomas Flohr gegründet wurde. Es unterhält eine grosse Flotte an Privatflugzeugen, was das Risiko minimiert, dass man einen Flug wegen einer Panne ausfallen lassen muss. «Wir wollen in Zukunft aber auch mit anderen Firmen zusammenarbeiten», sagt Baumgartner.

Gut versteckt: das Privatjetterminal am Flughafen Zürich. Im Vordergrund: Peter Baumgartner, Beat Imwinkelried und Gianni Tronza von Peak Jet.

Gut versteckt: das Privatjetterminal am Flughafen Zürich. Im Vordergrund: Peter Baumgartner, Beat Imwinkelried und Gianni Tronza von Peak Jet.

Gut Karin Hofer / NZZ

Das Interieur im Flieger ist genau so, wie man sich einen Privatjet vorstellt: breite Sessel aus hellem Leder, ausfahrbare Bildschirme und eine gepolsterte Sitzbank. Die sieben Passagiere auf dem Flug nach Nizza können sich jedenfalls ausbreiten. Der hintere Teil der Kabine lässt sich mit einem Vorhang abtrennen. Peak Jet hofft, diesen an Familien oder Cliquen für den Boys- oder Girls-Trip verkaufen zu können.

«Unsere Leistung ist, dass wir unsere Angebote komplett von veralteten Systemlandschaften losgelöst haben», sagt Peter Baumgartner. Denn heutige Airlines arbeiteten häufig noch mit IT-Systemen, die in den 1970er Jahren entwickelt wurden. Das macht den Buchungsprozess umständlich und unflexibel. Peak Jet hingegen kann Gruppen- und Familientarife anbieten und hat erst noch einen besseren Überblick über die Daten. «Diesen technologischen Vorsprung kann man nicht so leicht kopieren», sagt Baumgartner.

Pünktlich auf die Minute setzt das Flugzeug auf südfranzösischem Boden auf. Zwei Vans stehen bereit, um die Passagiere zum Privatjetterminal zu fahren. Der Flug mag komfortabel und die Snacks schmackhaft gewesen sein. Aber angesichts einer Flugdauer von 50 Minuten ist das noch kein Game-Changer.

Beim Verlassen des Rollfelds realisiert man aber, was das private vom herkömmlichen Fliegen wirklich unterscheidet: die enorme Zeitersparnis.

Am Flughafen Zürich befindet sich der Privatflugzugang auf der anderen Seite der grossen Terminals, wo die Swiss und Co. andocken. Er ist über eine versteckte Seitenstrasse erreichbar. Man steigt aus dem Taxi und läuft direkt durch die Sicherheitskontrolle. In der Wartehalle überprüft ein Mitarbeiter die Identität, während man einen Kaffee serviert bekommt. Damit sind die Formalitäten auch schon erledigt. 20 Minuten vor Abflug eintrudeln reicht. Nach der Landung ist das Prozedere noch kürzer.

Privatjets sind ein «Flex»

Ganz anders das Erlebnis – oder besser: das Erdulden – eines normalen Linienflugs. Jedes Jahr steigen die Passagierzahlen, die Infrastruktur an den Airports hält nicht mehr mit. In den Sommerferien oder an Weihnachten empfehlen die Airlines mittlerweile, drei Stunden vor Abflug zum Flughafen zu kommen. Wer Pech hat, wartet auf einem Europaflug gleich lang auf seinen Koffer, wie er in der Luft ist.

«Fliegen mit herkömmlichen Airlines ist zunehmend ein Stress. Persönlich nutze ich die Business-Lounge gar nicht mehr, weil sie so überfüllt ist», sagt Peak-Jet-Investor Beat Imwinkelried. Lieber suche er einen ruhigeren Ort in der Nähe des Gates, wo er arbeiten könne.

Es sind genau die Passagiere, welche er mit der neuen Schweizer Airline gewinnen will. Gutverdiener, für die das Preis-Leistungs-Verhältnis in der Businessklasse nicht mehr stimmt, aber für die ein eigener Privatflug finanziell ausser Reichweite ist. Mit anderen Worten: arme Reiche und ambitionierte Aufsteiger. Die Preise für einen einfachen Nizza-Flug mit Peak Jet starten bei 999 Franken. Das ist für mittlere Kader zu stemmen.

Man sei offen für alle: Touristen, Expats, Geschäftsleute. Aber: «Unsere Zielgruppe ist tendenziell jünger. Luxuriöse Reisen und ausgefallene Erlebnisse sind für diese Generation wichtiger als die Statussymbole früherer Generationen», sagt Imwinkelried.

Und hier kommt wieder der «Owner’s Chair» ins Spiel. Im Privatjet zu reisen, ist für die Instagram-Generation zu einem «Flex» geworden, also zu einer Angeberei. Pop-Ikone Taylor Swift tut es, Nati-Captain Granit Xhaka ebenso. Fotos davon fluten die sozialen Netzwerke.

Wer privat fliegt – und sei es «nur» im geteilten Jet –, fliegt nicht nur einmal nach Nizza und zurück. Sondern einmal als Star und zurück.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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