Demenz besser verstehen: Was man beim Aktionstag in Homburg über den Umgang mit Demenz lernt
Demenz ist keine Frage des Alters. Darauf macht in diesem Jahr der Welt-Alzheimertag aufmerksam. Dieser findet am 21. September statt. Schon am Mittwoch ist das Thema in Homburg mit einem Aktionstag in den Fokus gerückt. Was dort geboten wurde.
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Demenz besser verstehen Was man beim Aktionstag in Homburg über den Umgang mit Demenz lernt
Demenz ist keine Frage des Alters. Darauf macht in diesem Jahr der Welt-Alzheimertag aufmerksam. Dieser findet am 21. September statt. Schon am Mittwoch ist das Thema in Homburg mit einem Aktionstag in den Fokus gerückt. Was dort geboten wurde.
17.09.2026 , 19:00 Uhr
Der Aktionstag rund um das Thema Demenz fand auch in diesem Jahr wieder auf dem Christian-Weber-Platz statt. Viele Besucher nutzten das Angebot, um sich an den Ständen zu informieren.
Foto: Nils Klein
Für viele Betroffene und Angehörige ändert sich mit der Diagnose Demenz nahezu alles. In der Gesellschaft bleibt das Thema häufig noch ein Tabu. Um das zu ändern, widmete sich auf dem Christian-Weber-Platz in Homburg ein Aktionstag mit dem Thema. Organisiert wurde dieser das gerontopsychiatrische Netzwerk mit Schwerpunkt Demenz im Saarpfalz-Kreis gemeinsam mit der Landesfachstelle Demenz Saarland. 15 Aussteller beteiligten sich an dem Thementag. Sie möchten damit auf die Erkrankung und die damit verbundenen, alltäglichen Auswirkungen aufmerksam machen.
Demenz ist mehr als das Vergessen
„Viele Dinge, die für uns alltäglich sind, sind für Demenzerkrankte eine Herausforderung“, erklärt Mazella Hirsch, Pflegedienstleiterin der Tagespflege Villa Kaiser. Der Stand zeigte, mit welchen Herausforderungen Demenzerkrankte zu kämpfen haben. An dem Stand konnten sich die Besucher an drei Stationen selbst einmal ausprobieren. Das sogenannte Spiegelzeichnen ist dabei ein wichtiges Experiment. Dabei muss jemand eine Figur ausschließlich durch die Betrachtung durch einen Spiegel nachzeichnen. Auch wenn der Test an diesem Tag keinen wissenschaftlichen Hintergrund hatte, ist er in der Forschung bedeutend. Der Test bewies erstmals, dass das menschliche Gehirn motorische Fähigkeiten unabhängig vom bewussten Erinnern abspeichern kann.
Das sogenannte Spiegelzeichnen zeigt, wie unsere Sinne zusammenspielen, und was passiert, wenn diese Koordination gestört wird. Dabei sollen Linien gezeichnet werden. Das Tückiche: Nur der Blick in den Spiegel ist erlaubt, nicht auf das Blatt. Das Experiment soll veranschaulichen, wie sich an Demenz erkrankte Personen fühlen können.
Foto: Nils Klein
Eine Besucherin stellt sich dem Test. Anfangs ist sie noch motiviert, ihn zu meistern. Doch schnell stößt auch sie an ihre Grenzen. „Gar nicht so einfach, oder?“, sagt Hirsch. Die Besucherin lächelt nur und ist zugleich frustriert. Genau so sei es oft auch bei Demenzerkrankten. Nicht weil sie boshafte Menschen sind, sondern weil sie die innere Not ausdrücken. „Das Vergessen macht die Betroffenen fertig“, weiß Hirsch. Darunter leide das Selbstwertgefühl extrem. Oft würden die Erkrankten daher auch depressiv. Genau deshalb sei es so wichtig, nicht nur auf die Erkrankung selbst, sondern auch auf die Begleiterscheinungen aufmerksam zu machen. „Wir wollen das Thema Demenz gesellschaftlich verankern“, sagt Hirsch. Gerade deshalb, weil häufig das Verständnis für die Erkrankung fehlen würde. Hirsch schätzt, dass jeder einmal einen direkten oder indirekten Bezug zum Thema Demenz haben wird. Umso wichtiger sei es, schon vorher dafür zu sensibilisieren, mit welchen Herausforderungen Erkrankte und Angehörige sich auseinandersetzen müssen.
Umgang mit Betroffenen muss gelernt werden
Gerade deshalb sei es so wichtig, auf einen richtigen Umgang mit Menschen mit Demenz hinzuweisen. Eine Infokarte der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft gibt dazu die entsprechenden Tipps. „Seien Sie freundlich und zugewandt“ oder „Führen Sie das Gespräch auf Augenhöhe“, ist darauf zu lesen. Dem stehe oft der Frust entgegen. Genau deshalb seien die Tipps so wichtig. „Das Thema steckt gesellschaftlich gewissermaßen immer noch in den Kinderschuhen“, betont Hirsch. Apropos Kinder: Um ihnen das Thema altersgerecht zu klären, können sich Eltern an dem Stand über kindgerechte Literatur informieren, die das Thema aufgreift. Dass es ein solches Angebot gibt, sei wichtig. „Kinder können oft einfacher mit betroffenen Angehörigen umgehen, dennoch ist es wichtig, das Thema altersgerecht näherzubringen“, erklärt Hirsch.
Das Angebot bei dem Thementag war auch in diesem Jahr wieder groß. Etliche Aussteller informierten rund um das Thema Demenz und Pflege.
Foto: Nils Klein
Das Netzwerk ist nicht nur mit dem jetzigen Thementag präsent. Gemeinsam mit derzeit 57 Partnern organisiert das Bündnis rund 50 Veranstaltungen jährlich im gesamten Saarpfalz-Kreis. Das soll dazu beitragen, Berührungsängste abzubauen und zugleich Betroffene stärker einzubeziehen. (pn)