Der beschwanzte Mensch: Jeder hatte mal einen
Skateboard fahren, surfen, klettern, auf der Slackline laufen – all das wäre ein Kinderspiel, wenn Menschen einen Schwanz hätten. Jahrmillionen war das Anhängsel nicht nur ein „Nice-to-have“, sondern überlebens...
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Skateboard fahren, surfen, klettern, auf der Slackline laufen – all das wäre ein Kinderspiel, wenn Menschen einen Schwanz hätten. Jahrmillionen war das Anhängsel nicht nur ein „Nice-to-have“, sondern überlebensnotwendig, etwa zur Fortbewegung. Säugetieren dient es auch als Stabilisator beim Balancieren, Fallen, Springen oder Rennen. Doch vor etwa 25 Millionen Jahren war Schluss mit Schwanz: Alle Menschenaffen haben ihn … ja was: einfach „verloren“?
So ganz abgelegt hat der Mensch seinen Schwanz nicht. Noch bis zur achten Woche wächst dem etwa himbeergroßen Homo-sapiens-Embryo sogar eine ganz passable Verlängerung des Hinterteils. Doch dann schnurren die letzten Gliedmaßen plötzlich zusammen und verschmelzen zum Steißbein, einem kaum noch erkennbaren, kümmerlichen Rest-Schwänzchen. Ein Schicksal, das auch Gibbons, Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans teilen.
Ursache ist ein „springendes Gen“, ein Stück DNA namens „Alu“, das Flöhen gleich seit Jahrmillionen im Erbgut von Primaten herumhüpft. Rund zehn Prozent des Erbguts bestehen aus Kopien dieser etwa 300 Bausteine kurzen DNA‑Sequenz. Auch in das Gen Tbxt, das die Schwanzentwicklung steuert, hatte sich vor Urzeiten ein solches Alu-Element eingenistet. Als dann aber vor 25 Millionen Jahren ein weiteres Alu-Stück in der Nähe dazukam, störte das die normale Funktion des Gens so sehr, dass sich kein Schwanz mehr bilden konnte. Zwischen Mensch und Schwanz stehen also nur 300 Erbgutbausteine.
Offenbar kam der gemeinsame, schwanzbefreite Vorfahr der Menschenaffen mit dem Verlust gut klar – obwohl er noch immer in den Bäumen lebte. Seitdem steht die Frage im Raum, ob Schwanzlosigkeit irgendeinen Vorteil bot. Eine überzeugende Antwort hat die Evolutionsbiologie darauf bislang nicht gefunden.
Zumal eine Beschwanzung von Homo sapiens auch heute noch sehr praktisch wäre: etwa beim Schlittschuhlaufen, als „dritte Hand“ beim Einkaufen oder zum Festhalten beim Busfahren. Auch wäre ein wie bei Katzen buschiger, peitschender Schwanz in der Partnerschaft eine hilfreiche Vorwarnung auf eine angespannte Gefühlslage, und könnte helfen, Streits zu vermeiden. Vielleicht lässt sich das entschwanzende Alu-Element ja bald gentechnisch beseitigen.
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