„Der Biber ist streng geschützt“: Landratsamt pocht auf Regeln – Bürgermeister hat die Nase voll

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„Der Biber ist streng geschützt“: Landratsamt pocht auf Regeln – Bürgermeister hat die Nase voll

Stand: 01.09.2026, 19:00 Uhr

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Ihm reicht‘s vom Biber: Bürgermeister Michael Krumbucher findet, der Biber ist längst kein schützenswertes Tier mehr. Zu massiv seien die Schäden, die er anrichtet.

Ihm reicht‘s vom Biber: Bürgermeister Michael Krumbucher findet, der Biber ist längst kein schützenswertes Tier mehr. Zu massiv seien die Schäden, die er anrichtet. © Lorenz

Im Kreis Freising leben schätzungsweise 1000 bis 1200 Biber. Gemeinden erhalten für Schäden, die die Tiere verursachen, jedoch keine Erstattung. Die Lage ist verzwickt.

Rudelzhausen – Im Gemeindegebiet von Rudelzhausen fühlt sich der Biber ziemlich wohl – sehr zum Missfallen und Leidwesen von Bürgermeister Michael Krumbucher (siehe Infobox am Interview-Ende). Immer wieder kommt es zu erheblichen Schäden, für die wiederum die Gemeinde aufkommen muss. Doch gibt es wirklich eine Biber-Plage im Landkreis Freising? Wir haben bei der Unteren Naturschutzbehörde nachgehakt – und Sprecher Tobias Grießer hat geantwortet:

Gibt es ein Biber-Problem im Landkreis, Herr Grießer?

Tobias Grießer: Die Biberbestände im Landkreis Freising befinden sich nach unserer Einschätzung in einem sehr guten Zustand. Aufgrund seiner zahlreichen Gewässer bietet der Landkreis dem Biber insgesamt sehr gute Lebensbedingungen. Aus Sicht des Artenschutzes ist diese Entwicklung grundsätzlich positiv zu bewerten. Der Biber ist nach dem Artenschutzrecht streng geschützt. Die Sicherstellung dieses Schutzes gehört zu den wesentlichen Aufgaben der Unteren Naturschutzbehörde. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass die zunehmende Verbreitung des Bibers auch zu Konflikten führen kann. Insbesondere dort, wo durch die Aktivitäten der Tiere Schäden oder Beeinträchtigungen entstehen, kann die Situation für Betroffene problematisch sein.

Was tun Sie konkret?

Die Untere Naturschutzbehörde ist bemüht, bei solchen Konflikten einen möglichst ausgewogenen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen und den jeweils betroffenen Rechtsgütern zu erreichen.

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Haben Sie Zahlen, wie viele Biber im Landkreis leben?

Belastbare Zählungen der Biberbestände liegen für den Landkreis Freising nicht vor. Nach eigenen Schätzungen der Unteren Naturschutzbehörde ist von etwa 1000 bis 1200 Bibern im Landkreis auszugehen. Das Bibermanagement in Bayern richtet sich hier nach den „Richtlinien zum Bibermanagement“ und basiert im Wesentlichen auf vier Säulen: Beratung, Prävention, Ausgleich von Schäden sowie – als letzte Möglichkeit, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen – die Entnahme von Bibern. Eine Einschränkung besteht allerdings im Hinblick auf finanzielle Ausgleichsleistungen für Kommunen.

Gibt es finanzielle Entschädigung für die Kommunen?

Die Richtlinien zum Bibermanagement sehen keine finanziellen Erstattungen für Gemeinden vor, beispielsweise für laufende Aufwendungen im Zusammenhang mit Gewässer- oder Infrastrukturunterhalt. In diesem Bereich kann die Untere Naturschutzbehörde der Gemeinde Rudelzhausen daher leider keine finanzielle Lösung anbieten. Eine dauerhafte und flächendeckende Entfernung des Bibers ist ebenfalls keine rechtlich mögliche Option. Der Biber unterliegt dem strengen gesetzlichen Artenschutz. Eine solche Vorgehensweise würde daher sowohl den rechtlichen Vorgaben als auch dem gesetzlichen Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde widersprechen.

„Längst kein schützenswertes Tier mehr“

Für Rudelzhausens Bürgermeister Michael Krumbucher ist der Biber allerdings längst kein schützenswertes Tier mehr, sondern eines, das sich im Landkreis Freising „etabliert“ hat und etwa bei Hochwasser-Ereignissen durch aufgestaute Dämme zur Gefahr für die Menschen werden kann. Eine Lösung allerdings scheint nicht in Sicht.

„Da, schau dir das mal an“, sagt Krumbucher und deutet auf einen Biberdamm, der nicht nur die Amper im Gemeindegebiet Rudelzhausen aufstaut, sondern auch die Wiese unter Wasser setzt. An diesem Tag ist er mit Bauhofmitarbeitern und schwerem Gerät angerückt, um den Damm zu „entnehmen“, ihn also zu zerstören, damit das Wasser wieder abfließen kann. Das Thema ist ein heikles. Außer Krumbucher will niemand fotografiert werden, denn Tierliebhaber würden laut dem Rathaus-Chef wohl sehr empfindlich auf solche Aktionen reagieren.

Was er ihnen gerne sagen würde? „Der Biber hat in unserer Region nichts verloren, er gehört in die größeren Auenlandschaften an der Isar oder der Donau.“ Was ihn noch wurmt: Der Nager sorgt nicht nur für aufgestaute Gräben, sondern untergräbt in Rudelzhausen auch das Regenrückhaltebecken an der ehemaligen Kläranlage und sorgt mit einem Damm an der Gemeindegrenze zu Au für einen derartigen Wasserstau, dass sogar die Auer Kläranlage davon betroffen ist. „Das kostet ja alles Geld, und bei Hochwasser kann das alles zur Gefahr werden“, betont Krumbucher, während der Biberdamm ausgehoben wird.

Was er sich wünscht: „Beim Biber ist es genauso wie beim Wolf und Fischotter. Diese Tiere waren mal vom Aussterben bedroht. Mittlerweile ist der Bestand dieser Tierarten so etabliert, dass diese jetzt ins Jagdrecht aufgenommen werden müssen. Beim Wolf ist es ja in Bayern bereits passiert.“ Bereits zwei Biberdämme hat die Gemeinde in der Vergangenheit schon entfernt, allerdings war die Freude nur eine kurze. „Die hat der Biber oder die Verwandtschaft schon wieder errichtet.“ Und auch das stört Krumbucher: Eine finanzielle Unterstützung vom Landkreis bekommen Kommunen nicht, wenn der Biber wieder einmal zugeschlagen hat.