„Der Bus kommt wieder nicht“: Eine Fahrt mit der Linie 210

Eine Baustelle auf der B451 bringt den Busverkehr zwischen Helsa und Großalmerode seit Mitte Juli durcheinander. Eltern berichten von bis zu 30 Minuten Verspätung und mehr als 40 Minuten Wartezeit auf Anschlüsse.

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„Der Bus kommt wieder nicht“: Eine Fahrt mit der Linie 210

Stand: 10.10.2026, 12:00 Uhr

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Bei jedem Bus, der an der Großalmeröder Gesamtschule um die Ecke biegt, lebt die Hoffnung kurz auf.

Bei jedem Bus, der an der Großalmeröder Gesamtschule um die Ecke biegt, lebt die Hoffnung kurz auf. © Evelina Kern

Eine Baustelle auf der B451 bringt den Busverkehr zwischen Helsa und Großalmerode seit Mitte Juli durcheinander. Eltern berichten von bis zu 30 Minuten Verspätung und mehr als 40 Minuten Wartezeit auf Anschlüsse.

Helsa/Rommerode/Großalmerode – Über dem Haltestellendach am Helsaer Bahnhof erstreckt sich noch immer die Morgendämmerung. Einige Pfützen zieren den Asphalt als Zeugnis des Regens der vergangenen Nacht. Und obwohl viele von ihnen den Blick starr auf ihre Handys gerichtet haben, laufen die Schüler gekonnt an Pfützen vorbei – nasse Socken vermieden. Kurz vor knapp kommt hier keiner: Als die Linie 210 einfährt, wartet bereits eine Traube von etwa 25 Schülerinnen und Schülern auf ihre Verbindung. Ihre Laune scheint für diesen nass-grauen Tag erstaunlich gut. Man merkt: Es ist der Tag vor den Ferien.

„Lass uns den zweiten Bus nehmen“, ruft ein Junge zu seinen Freunden, als dieser einfährt. Immerhin verspricht die digitale Anzeigetafel, dass eine zweite 210 zeitgleich mit dem ersten Bus abfahren soll. Einige tun es ihm gleich, dennoch sind alle Plätze in Bus Nummer 1 mit jungen Schülern belegt, als er sich in Bewegung setzt. Bevor das Gefährt um die Ecke biegt, zeigt ein Blick zurück zur Haltestelle: Von seinem Zwillingsfahrzeug, das zeitgleich abfahren sollte, ist noch keine Spur.

Eigentlich liegt Wickenrode nur wenige Kilometer hinter Helsa, doch schon seit Mitte Juli versperrt eine Baustelle den direkten Weg der Kinder Richtung Großalmerode. Vor ihnen liegt ihre inzwischen alltägliche Strecke über die enge und noch düstere Landstraße zur nächsten Haltestelle nach Friedrichsbrück.

Nimmt auch sonst gerne den ÖPNV: Redakteurin Evelina Kern fuhr die Strecke des Schulbusses von Helsa mit.

Nimmt auch sonst gerne den ÖPNV: Redakteurin Evelina Kern fuhr die Strecke des Schulbusses von Helsa mit. © Evelina Kern

Die Kinder aber scheinen dem Umweg nicht mehr allzu viel Beachtung zu schenken. Während die meisten mit noch recht verschlafenen Augen ihre Handys vor die Nasen halten, sind nur einige Jungen in Erzähllaune: Der eine berichtet davon, dass „ich mir vor dem Schlafen immer vorstelle, dass ich reich bin“. Einige Reihen weiter hinten wird es gruseliger: Es geht um ein verlassenes Altenheim. Ganz gewöhnliche Schulbus-Gespräche eben.

Als der Bus gegen 7.17 Uhr die Ortseinfahrt Rommerode passiert, lächelt ihm der Smiley auf der Geschwindigkeitstafel entgegen – 46 Kilometer pro Stunde. Viel Spielraum bleibt auf der Umleitungsstrecke aber nicht immer. Wenig später zwängt sich der Bus zwischen Fahrbahnrand und Pollern einer Baustelle hindurch, bevor er Epterode erreicht. Es folgen Faulbach und der Almeröder Speckplatz. An diesem Morgen läuft die Fahrt ruhig, größere Verzögerungen gibt es nicht. Rund 20 Minuten nach der Abfahrt in Helsa steigen die letzten Schüler an der Gesamtschule in Großalmerode aus – pünktlich zur ersten Schulstunde und ohne größeres Chaos.

Aufschrift auf Bus passt nicht

Eine Momentaufnahme, wie einige Eltern von Kindern der Rommeröder Hirschbergschule berichten: In den vergangenen Wochen habe es immer wieder verspätete Busse, ausgelassene Haltestellen und lange Wartezeiten auf Anschlüsse gegeben. Teilweise seien die Kinder bis zu 30 Minuten verspätet gewesen oder hätten mehr als 40 Minuten auf den nächsten Bus warten müssen. Aber gerade die Kinder mit Förderschwerpunkt an der Schule in Rommerode seien besonders „auf verlässliche, klare und nachvollziehbare Abläufe angewiesen“, heißt es in einem Brief der Elternschaft.

Auch an dem lauen Herbstmorgen lässt der Anschluss hinaus aus der Ton- und hinein in die Kirschenstadt auf sich warten. Denn von der Almeröder Gesamtschule fährt die Linie 210 aus Helsa weiter Richtung Wickenrode, wie der nette Busfahrer mitteilt. „Doch der Bus Richtung Witzenhausen kommt gleich“, wie er verspricht. Ein Schwur, den selbiger wiederholt, als er 19 Minuten später erneut die Haltestelle der Schule anfährt.

Und beim zweiten Mal sollte er Recht behalten: Nur einige Augenblicke später rollt ein Bus an, auf dessen Anzeige nicht nur die „210“ prangt, sondern vielversprechend auch „Witzenhausen“ auf der Anzeige leuchtet. Aber Pustekuchen: Auch der fährt nach Wickenrode, wie der Mann hinter dem Steuer sagt. Genervt schnaubt ein älterer Mann auf. Neulich erst musste er am nächsten Halt wieder aussteigen, weil er fälschlicherweise glaubte, ein Bus mit der Aufschrift „Witzenhausen“ würde ihn zu seiner Arbeit in die Stadt kutschieren. „Dabei war es in letzter Zeit mehr oder weniger okay mit den Verbindungen.“ Aber an dem Tag vor dem wohlverdienten Wochenende ist echt der Wurm drin.

Immer wieder lebt die Hoffnung für einen Moment auf, wenn die Geräusche eines Fahrzeugs den Berg zur Gesamtschule hinaufdröhnen. Doch auch immer holt einen die Enttäuschung ein: ein Auto, ein Reisebus beladen mit den Rückkehrern einer Klassenfahrt, ein kleiner Traktor, aber vom Linienbus keine Spur.

Irgendwann reicht es dem Mann und er holt genervt sein Handy raus: „Der Bus kommt wieder nicht. Seit einer Dreiviertelstunde warte ich schon“, schimpft er in den Hörer. „Ich mache heute einfach einen Tag Urlaub“, sagte er, während er davonstampft.

Und wie das Leben manchmal so spielt: Nur einige Minuten, nachdem er vom Horizont der Gesamtschule verschwindet, taucht an seiner statt die Buslinie 210 Richtung Hundelshausen auf. Eine beinahe komödiereife Vorstellung, von denen die Passagiere der Verbindung zwischen Helsa und Großalmerode in den vergangenen Monaten wohl schon so einige durchleben mussten. (Evelina Kern)