„Der Dümmer brennt" geht weiter – doch jedes Jahr wird es teuer
StartseiteLokalesLandkreis DiepholzLemfördeStand: 12.10.2026, 07:00 UhrKommentareUns auf Google folgenSchön bunt ist so ein Feuerwerk und immer wieder ein Fest für die Augen. Der Dümmerbrand muss sich aber auch...
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Stand: 12.10.2026, 07:00 Uhr
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Die Dümmerbrand AG und der Landkreis Diepholz haben die Zukunft der Veranstaltung besprochen. Auch Hüde muss das FFH-Gutachten neu beauftragen – egal wie nah Lembruch liegt.
Lembruch/Hüde – Das Spektakel ist schon eine Weile her. Vor mehr als sieben Wochen „brannte“ in Lembruch der Dümmer. Es war eine Show mit krachendem Feuerwerk, bezauberndem Drohnen-Ballett und viel Programm drumherum. 20.000 Menschen verfolgten das Ganze live am Dümmerdeich. Und wäre allein diese Zahl die Entscheidungsgrundlage für eine Fortsetzung der Traditionsveranstaltung im kommenden Jahr in Hüde gewesen, dann hätte es wohl nur Sekundenbruchteile gedauert, um sich festlegen zu können: Ja, es geht weiter. Um es vorwegzunehmen: Dieses Ergebnis steht auch am Ende einer deutlich komplizierteren Nachlese und Analyse der Auflage 2026.
So klar und einfach, wie man annehmen möchte, war und ist die Zukunftsfrage letztlich nicht zu beantworten. Denn die Dümmerbrand AG als Veranstalter von „Der Dümmer brennt“ muss sich mehr denn je mit Umweltschutzauflagen auseinandersetzen. Und mit ihr der Landkreis Diepholz als Genehmigungsbehörde. Die Veranstaltung wurde in diesem Jahr sogar von einer Fachaufsichtsbeschwerde vor dem Niedersächsischen Umweltministerium begleitet.
Darin wurde durch den Beschwerdeführer Anstoß daran genommen, dass die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises grünes Licht für die Veranstaltung gegeben hatte. Hintergrund: Der Dümmer liegt im Naturschutzgebiet, ist Lebensraum für viele Vögel, die durch das Feuerwerk aufgescheucht werden und möglicherweise Schaden nehmen könnten. Auf Nachfrage der Mediengruppe Kreiszeitung erklärt der Landkreis Diepholz jedoch, dass bei der Prüfung der Genehmigung kein Verstoß festgestellt wurde. In einer schriftlichen Antwort heißt es: „Nach Mitteilung des Umweltministeriums gibt es an der Entscheidung der Kreisverwaltung, die Veranstaltung einschließlich des Feuerwerks zuzulassen, nichts zu beanstanden.“
Top-Sponsor hat verlängert
Sieben Top-Sponsoren führt die Dümmerbrand AG auf ihrer Homepage auf. Einer davon ist die Privatbrauerei Barre aus Lübbecke. Sie hat die Kooperation mit den Veranstaltern des Dümmer-Klassikers frisch verlängert – „für die nächsten Jahre“, wie es seitens der Dümmerbrand AG heißt. Für den 22. Oktober hat das Unternehmen zudem 80 Helfer des Dümmerbrands 2026 in Lembruch zu einem Essen in die Brauerei eingeladen.
Für die Veranstalter in Hüde und Lembruch, wo „Der Dümmer brennt“ im jährlichen Wechsel stattfindet, ist das zwar eine große Erleichterung, doch ein Ruhekissen ist es nicht. Denn in jedem Jahr wird aufs Neue geprüft, ob die Veranstaltung mit dem Feuerwerk als zentralem Element umweltverträglich ist oder nicht. Kernstück dabei ist ein FFH-Gutachten (steht für Flora-Fauna-Habitat-Gutachten). Dieses musste Lembruch in diesem Jahr das erste Mal vorweisen. Dafür war ein Planungsbüro zu beauftragen. Kosten: etwa 10.000 Euro.
Wer nun glaubt, ein FFH-Gutachten für Lembruch 2026 gilt im Jahr 2027 auch für das nur einen Spaziergang entfernte Hüde, der irrt. Auch Hüde muss das ganze Prozedere durchlaufen. Und bezahlen. Im Jahr darauf dann wieder Lembruch. Wieso? Weil es der Gesetzgeber so wünscht. Der Landkreis schreibt dazu: „Ob eine Veranstaltung künftig genehmigungsfähig ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Maßgeblich ist jeweils die konkrete naturschutzfachliche Beurteilung auf Grundlage der für die jeweilige Veranstaltung eingereichten Unterlagen.“ Die Zusatzkosten muss die Dümmerbrand AG folglich jährlich im Budget einplanen.
Bei Stefan Heseker, Sprecher des Hüder Organisationsteams innerhalb der Dümmerbrand AG, und seinem Lembrucher Pendant Jens Dannhus herrschte nach der gemeinsam mit Vertretern des Landkreises vorgenommenen Analyse 2026 und dem Ausblick auf 2027 vor allem Entspannung nach zuvor bangen Fragen. Nun wissen alle, woran sie sind. „Für die Dümmerbrand AG war das Gespräch sehr positiv. Ich sehe die Unterstützung zu 100 Prozent“, sagte Jens Dannhus in einer Reaktion auf das in der letzten September-Woche geführte Gespräch. „Wir haben einen Weg, den wir beschreiten können. Wir haben jetzt alle ein gutes Gefühl“, meinte auch Stefan Heseker. Er erwartet jedoch konkrete Vorgaben, „welche Auflagen wir für die endgültige Genehmigung erfüllen müssen“. In Lembruch war diese Aufgabe unterschätzt worden, das Okay für die Durchführung des Dümmerbrands kam deshalb erst wenige Tage vor der Veranstaltung.
Feuerwerk und Drohnenshow wurden hinterher von den Besuchern gelobt. Es gab aber auch kritische Stimmen. Zu laut, zu störend für Tiere und Menschen – das waren die Klagen unter anderem in sozialen Medien, aber auch in Rückmeldungen an die Dümmerbrand AG. Den Landkreis Diepholz erreichte, neben der Fachaufsichtsbeschwerde, ebenfalls Kritik. Dabei sei jedoch auffällig gewesen, „dass die Wohnorte der Beschwerdeführenden nur zum Teil in der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde liegen“, heißt es in der Stellungnahme des Landkreises.
Jens Dannhus möchte sich nicht über negative Rückmeldungen ärgern, wohl aber darüber, welche Wirkung sie erreichen. Dass die Kritiker am Ende stärker wahrgenommen werden als die, denen es gefallen hat, ist für ihn unverständlich: „Am Ende sind es – wenn überhaupt – 20 von 20.000 gewesen. Das darf man bei der Bewertung nicht vergessen.“