Zusammenhalt in Deutschland wächst, Religion wird für die Menschen wieder wichtiger.
Trotz anhaltender Krisen hat sich der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland zuletzt wieder verbessert. Das ist das Ergebnis des Religionsmonitors 2026 der Gütersloher Bertelsmann Stiftung. Die Gemeinwoh...
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Trotz anhaltender Krisen hat sich der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland zuletzt wieder verbessert. Das ist das Ergebnis des Religionsmonitors 2026 der Gütersloher Bertelsmann Stiftung.
Die Gemeinwohlorientierung oder die Akzeptanz von Diversität haben sich demnach verbessert: das Vertrauen in die Mitmenschen hat wieder den Höchststand von 2020 erreicht. Auf niedrigem Niveau bleiben dagegen das Vertrauen in Institutionen und vor allem das Gerechtigkeitsempfinden.
Soziale Beziehungen verbessern sich, Bindung an das Gemeinwesen bleibt schwach.
Die zentrale Herausforderung für die Gesellschaft liege also weniger im allgemeinen Zerfall des sozialen Miteinanders, als viel mehr in einer wachsenden Distanz zwischen Teilen der Bevölkerung und den politischen Institutionen, heißt es in der Studie.
"Wir brauchen ein neues konstruktives Miteinander. Der Staat braucht das Engagement der Bürger:innen. Aber berechtigte Anliegen der Bürger:innen sind seitens des Staates zu berücksichtigen" Andreas Pinkwart, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung
Politik und Verwaltung müssten ihre Entscheidungen nachvollziehbar erklären und Bürger stärker einbinden, etwa durch Bürgerräte. Mit Blick auf die von der Bundesregierung geplanten Reformen sei außerdem entscheidend, "dass die damit verbundenen Belastungen gerecht verteilt werden."
Religion hat einen positiven Einfluss auf den Zusammenhalt
Je religiöser Menschen sind, umso besser empfinden sie in der Regel den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Religiosität hat dabei nicht so einen starken Einfluss wie das Alter oder die politische Orientierung, aber einen stärkeren als Bildung oder Einkommen.
Das gilt bei den Teilbereichen "sozialen Beziehungen" und "Gemeinwohlorientierung" auch für Muslime. Bei ihnen sinkt allerdings die „Verbundenheit mit dem Gemeinwesen“ mit steigender Religiosität. Unter diesen Punkt fallen Vertrauen in Institutionen, Gerechtigkeitsempfinden und auch Identifikation mit dem Heimatort.
Hierfür gibt es laut Bertelsmann Stiftung zwei mögliche Erklärungen: zum einen könne die Diskriminierung von aktiven Muslimen ihr Vertrauen beeinträchtigen. Zum anderen könne eine starke Orientierung an der eigenen religiösen Gemeinschaft dazu beitragen, dass weniger Brücken zur Mehrheitsgesellschaft und ihren Institutionen entstehen: "Äußere Ausgrenzung und religiöse Binnenorientierung verstärken sich dann wechselseitig"
Wie der gesellschaftliche Zusammenhalt weiter wachsen kann
Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland weiter zu stärken, müsste laut Bertelsmann Stiftung nicht nur das Vertrauen in die Institutionen wiederhergestellt werden. Es brauche auch Gelegenheiten und Orte, an denen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion, Generationen und sozialer Milieus miteinander ins Gespräch kommen und sich füreinander engagieren.
Das könnten Nachbarschaftszentren, Vereine oder auch religiöse Gemeinden sein, wenn diese ihre Türen öffnen und Dialog anbieten. Positive persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlicher Vielfalt seien entscheidend, um Vorbehalte abzubauen. Davon sind die Studienmacher überzeugt.